Der Jetset-Skipper Der Jetset-Skipper

Maritime Literatur: Der Jetset-Skipper von Burkhard Scheller

Der Jetset-Skipper

Burkhard Scheller am 25.08.2017

Unterwegs mit den Reichen und Schönen: Auf 224 Seiten erzählt der Jetset-Skipper Anekdoten aus dem Leben an Bord, mitten unter der Upperclass

Adel zum Anfassen

Er sieht aus wie eine gelungene Mischung aus Weihnachtsmann und Harry Rowohlt. Hat einen verschmitzten Humor und ein Leben voller Abenteuer hinter sich. Hat für den deutschen Jetset die Yachten geskippert und war so nah an Ihnen dran, wie sonst heutzutage Bodyguards. Die es in den 70er- bis 90er-Jahren übrigens nicht gab. Zumindest nicht, wenn man unter sich blieb, sprich: auf den Superyachten und in den damals noch recht jungfräulichen Revieren des Mittelmeeres. Saint-Tropez war noch ein Fischerdorf, man traf Brigitte Bardot beim Einkaufen oder hing mit seinen Arbeitgebern abends in der Kneipe ab.

Die Anzahl der Großyachten war überschaubar – Daniel Hechter, Modezar, war einer der Nachbarlieger und erwies sich schnell als Spaßvogel: Eines Abends lud er alle in eine unscheinbare Bar ein, ein echter Geheimtipp, ohne Schild draußen, aber schick anziehen solle man sich. Man schmiss sich also in Schale, bürstete den Wildlederanzug aus Ibiza – und fand sich kurz darauf auf einer wilden Party wieder, deren Motto "Weinmachen" hieß. Was bedeutete, dass die Gäste die Trauben in den bereitstehenden Weinfässern mit den Füßen zertraten, eine Riesensauerei. Hechter selbst kam übrigens in Ölzeug …

Anekdoten aus dem Leben an Bord, mitten unter der Upperclass, denen Scheller auch heute noch verbunden ist und wo er gern zu Hilfe gerufen wird, wenn es um Schiffbau geht. Das Buch zeichnet eine Welt voller Exotik und Normalität. Eine Welt, in der gute Manieren noch alles waren, Gentlemen wie Schellers Arbeitgeber, der Krupp-Erbe Arndt von Bohlen und Halbach, den Damen nach einem vergnüglichen Abend noch Blumen schickten – sodass Scheller in den Genuss kam, Romy Schneider mit einem Bukett den Morgen zu versüßen – und Angestellte Menschen waren, mit denen man gern gemeinsam feierte. Eine großartige Lebensgeschichte voll Humor, Weisheit und Abenteuerlust!

Der Jetset-Skipper


Ostfriesen-Crew in Südfrankreich: Burkhard Scheller (l.) und Uwe Bergmann (r.) nach der Überfahrt von Marokko an die Côte d’Azur.

Ein Auszug:

Natürlich sind große Yachten auch heute noch für die Prominenz und den Jetset ein Anziehungspunkt. Nur geht man inzwischen mit seinen Charterreisen und Bordbesuchen wesentlich sensibler und zurück­haltender um – Bilder verbreiten sich über Dienste wie Facebook halt ziemlich schnell.

Zu unseren Zeiten, bei Arndt von Bohlen und Halbach, gab es so etwas zum Glück noch nicht, selbst von Mobiltelefonen hatte man noch nichts gehört. Die Menschen, insbesondere die etwas bekannteren, lebten wesentlich öffentlicher. Und so saßen Menschen der Zeitgeschichte einfach bei uns auf dem Achterdeck und genossen das Ambiente von "Antinous" und zumeist Saint-Tropez oder Menton.

Besonders in Erinnerung ist mir dabei Romy Schneider geblieben, die wir zunächst gar nicht erkannt hatten. Irgendwann, beim Servieren der zweiten Runde, sah ich dann in diese Augen, die unverkennbar zu ihr gehörten. Sofort war auch der Rest der Crew alarmiert; und wann immer es möglich war, lugten wir verstohlen in die Runde, um einen Blick auf die damals wohl beste deutsche Schauspielerin zu erhaschen, die sich – wie wir ja leider nur im Nachhinein wissen – Mitte der 1970er-Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befand.

Filme wie "Trio Infernal", "Nachtblende" oder "Gruppenbild mit Dame" werden sicher den älteren Lesern etwas sagen.
Nach etwa einer Stunde verließ Romy Schneider dann die "Antinous", ich hingegen sollte sie am nächsten Morgen noch einmal wiedersehen.

"Burkhard", sagte Arndt von Bohlen und Halbach, "kaufen Sie einen großen Strauß Blumen, gehen Sie damit zu Madame Schneider und bestellen Sie einen schönen Gruß von mir. Ich hätte mich sehr gefreut, dass sie gestern mein Gast war."

Dass er mir auch eine Freude machte, war ihm vermutlich nicht klar, aber das ist eine andere Geschichte … Jedenfalls wohnte sie zu dieser Zeit hinter dem "Byblos" in einer schönen Villa. Ein bisschen aufgeregt war ich schon, wenngleich das vollkommen unnötig war. Auf mein Klingeln hin öffnete Romy Schneider höchstpersönlich, lächelte freundlich,
bedankte sich für den Strauß und schloss die Tür. Mein "Rendezvous" hatte geschätzte 23 Sekunden gedauert 

Ein anderer Prominenter, mit dem wir regelmäßiger in Kontakt kamen, war Mohamed Al-Fayed – Vater von Dodi Al-Fayed, der ja später mit seiner Geliebten, Prinzessin Dia­na, bei einem Autounfall ums Leben kam. Die Al-Fayeds lagen in Saint-Tropez meistens neben der "Antinous" und waren mit einer schönen klassischen Segelyacht unterwegs, die Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut worden war.

Das Problem in Saint-Tropez war indes der Landanschluss, es gab nur einen für beide Yachten. Meist waren wir als Erstes im Hafen und nutzten ihn; wenn jedoch auch die "Dodi" (heute "Sakara") den Chef an Bord hatte, versuchten wir immer, eine Lösung zu finden. Die "Dodi"-Crew verlegte dann ihr Kabel über Deck und Bullaugen zu uns in den Maschinenraum, die Energie reichte so zumindest für den Betrieb der Klimaanlage in der Eignerkabine.

Das Prozedere war für uns selbstverständlich und sorgte natürlich für eine exzellente Nachbarschaft. Einmal bekam Al-Fayed dies sogar mit und lud Uwe und mich abends zu sich an Bord ein. Wir plauderten ein wenig, dann schenkte er uns jeweils eine eigens für die Yacht gefertigte Whisky­flasche. "Tolle Seeleute" seien wir, sagte er. Und mit diesem Kompliment, das uns in all den Jahren eigentlich immer charakterisiert hat, möchte ich mich von Ihnen, liebe Leser, verabschieden. 

Der Jetset-Skipper ist als gebundenes Buch mit 224 Seiten und rund 30 Fotos ab dem 10. Juli für 22,90 Euro im Buchhandel, im Delius-Klasing-Shop und natürlich auf den bekannten Internet-Plattformen erhältlich. 

Burkhard Scheller am 25.08.2017
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