Bootsabenteuer Bootsabenteuer

50 Jahre

Pleiten, Pech & Pannen (2)

boote Redaktion am 30.07.2017

Dumm gelaufen: Eine Auswahl der herrlichsten Havarien und peinlichsten Patzer aus der BOOTE-Redaktion

Eine hässliche Kettenreaktion

        Erkenntnis: Über einen guten Fang sollte man nicht alles andere vergessen

Eine Angeltour unter Männern, kann’s was Schöneres geben? Ich sag also zu meiner Frau, ich fahr mit ein paar Freunden raus. Hat sie vielleicht gesagt: "Macht keine Dummheiten!"? Egal, da liegen wir nun also mit meinem Boot vor Travemünde, ge­nießen das Wetter und ziehen einen Fisch nach dem anderen aus der Ostsee. Das Wetter aber macht plötzlich einen auf Spiel­verderber. Hektik kommt auf: "Jungs, das reicht jetzt, wir müssen los!" Ich werfe die Maschinen an und werde kurz darauf von einem üblen Rasseln aus den letzten Träumen geholt. Ich habe mir – es tut heute noch weh – die Ankerkette in den Propeller gefahren!
Der Rest ist schnell erzählt. Dank Doppelmotorisierung gelingt die Rückfahrt mit einer Maschine. Nach dem Kranen zeigt sich das ganze Ausmaß des Desasters: Die Kette muss rausgeschnitten werden, Propeller kaputt, Welle kaputt. Nee, wir machen schon keine Dummheiten!   – Manfred Welkamer

Halber Looping im Schlauchboot 

        Erkenntnis: Dinge, die als Paket verkauft werden, ergeben nicht immer eine sinnvolle Kombination

Wir testen Beiboot-Pakete, also kleine Schlauchboote mit Außenborder, von namhaften Herstellern. Der Zwerg im Test ist gerade mal 1,8 Meter lang, soll zwei Erwachsene tragen und kommt mit einem 2-PS-Viertakter. Einer der ersten damals, mit relativ großem Propeller – nicht schnell, aber gut im Anzug. Eine gewagte Kombi, ohne Besatzung balanciert das Boot auf den Heckspitzen. Bei einer Testfahrt allein gebe ich im falschen Moment Gas, gerade als eine kleine Welle vor dem Bug auftaucht. Im nächsten Augenblick ist der Prop oben und ich unten: Das Zusammenspiel von Zusatz-Auftrieb unterm Bug und Schub vom großen Pro­peller ließen das Boot blitzschnell übers Heck umklappen.   – Olaf Schmidt

Das fast versenkte Charterboot

        Erkenntnis: Auch auf dem Markermeer "kan het spoken"

Wir waren auf Chartertörn, IJsselmeer mit Markermeer. Die nächste Etappe sollte von Volendam nach Lelystad führen. Die Wettervoraussage war so, dass wir guten Gewissens zu unserem 24-km-Trip über offenes Wasser ablegen konnten: vollkommen unkritisch.
Als uns die Starkwindwarnung erreicht, macht Umkehren keinen Sinn mehr. Lelystadt ist jetzt der nächste erreichbare Hafen. Gas geben? Das Spurtvermögen unseres braven 80-PS-Verdrängers ist überschaubar. Die Böen werden rasch stärker, wir rollen in der Dünung. Als sich die 11 m Stahl unter uns gefühlt fast bis zur Deckskante auf die Seite legen, gehe ich in Gedanken unsere Sicherheitsausrüstung durch: Rettungswesten, Notsignale, Verbandskasten. "Ist überhaupt nicht tief hier", meint der Skipper. Witzbold. Wir werden die erste BOOTE-Crew sein, die das ihr anvertraute Boot versenkt. Wie peinlich ist das denn?! Der Skipper geht auf Kreuzkurs, kneift zentimeterweise Höhe.
Das Schaukeln lässt nach. Endlich sind wir hinter der Mole von Lelystad-Haven. In­stinktiv suche ich nach einem Bibelspruch. In mehreren Segelyachten sind sie aufgestanden. Was für ein netter Empfang nach diesem Höllenritt! Am Liegeplatz erwartet uns schon ein Grüppchen. "Na, Warnmeldung nicht mit­bekommen?", pflaumt uns einer an. Ein anderer zischt: "Charterboot-Fahrer!" Der Trupp zerstreut sich, und mir ist der pas­sende Bibelvers eingefallen: "Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe" (Epheser 4,2).  – Ingrid Bardenheuer

Das Boot, das mich umbringen wollte

Erkenntnis: Vor dem Bootstest immer den Fahrersitz checken …

Doppeltest in Norwegen: Allein an Bord einer CC, fahre ich wie immer das volle Programm mit Extremmanövern. Eben sitze ich noch bei der Kurvenfahrt sicher am Fahrstand, da reißt es mich plötzlich mitsamt Schalensitz nach hinten – im Fallen gebe ich noch Gas! Ein Not­ausschalter wäre schön gewesen … Während das Boot wie ein wilder Stier durch die Kurven bockt, gelingt es mir irgendwie, wieder an den Fahrstand zu kriechen, es in den Griff zu be­kommen und den Test zu beenden. Inspektion im Hafen: Der Schalensitz war aus der Halte­rung gebrochen, im Seitendeck fehlt ein Stück Teak. Und ich? Ich schillere in allen Farben. Abends will nur noch schlafen, aber daran ist nicht zu denken. Was tun? Da ist doch diese Flasche Whisky, die ich für einen Freund gekauft habe ... (Er hat es mir verziehen.)
Am folgenden Tag quäle ich mich noch durch den Test eines Daycruisers und steige reichlich zerbeult in den Flieger. An Bord der Maschine schwillt wie aus heiterem Himmel meine linke Hand an. Ich kann gerade noch recht­zeitig
die Uhr und den Ring ausziehen. Zu Hause bestätigt mir der Arzt, was ich selbst fühle: Prellungen am ganzen Körper!  – Peter Lässig

Fische fangen? Nee, füttern! 

Erkenntnis: Seekrank werden (fast) immer nur die anderen

Wir haben das große Los gezogen: eine Reportage über Big-Game-Fishing auf den Florida Keys. Wir, das sind Rolf Nobel, Professor für Fotojournalismus an der Hochschule Hannover, sein kanadischer Kumpel Will und ich, der sturmerprobte BOOTE-Tester. Auf der Suche nach der perfekten Location fahren wir die Keys rauf und runter und latschen uns in den Marinas die Füße platt.
Glück hat ja bekanntlich nur der Tüchtige. Unser Glück heißt Joyce Kingsley, die wegen ihrer Herkunft und ihrer Vorliebe für das Leib-und-Magen-Getränk ihrer Landsleute überall Scottie genannt wird. Scottie, früher schottische Meisterin im Wasserski, ist Skipperin der "Swashbuckler". Sonne, Wind und Salzwasser haben im Gesicht der 65-Jährigen deutliche Spuren hinterlassen. Sie könnte – sorry, Scottie! – glatt die Schwester von Keith Richards sein. Nomen est omen, wobei: Wie ein siegreicher Abenteurer sieht der "Swashbuckler", eine 12 Meter lange Hatteras, ganz und gar nicht aus. Was soll’s, der Kahn hat Charakter, und wir wollen ja nicht auf Weltreise gehen.
Es ist 7 Uhr morgens, die Sonne scheint, und draußen steht eine beachtliche Dünung. Die betagte Hatteras und wir haben damit kein Problem. Jedenfalls nicht, solange es zügig Richtung offene See geht. Ungemütlich wird es erst, als Scottie Gas wegnimmt und wir beim Trolling auf unseren Stühlen sitzen. Will ist der Erste, der nicht mehr an sich halten kann, das gute Breakfast landet bei den Fischen. Die sengende Sonne, "Swashbucklers" Ausdünstungen, die ewige Schaukelei und das offene 200-Liter-Fass, in dem alte, als Köder genutzte Fischreste mächtig vor sich hin stinken, zeigen kurze Zeit später auch bei mir Wirkung. Der unkontrollierte Lebensmittelauswurf lässt sich nicht mehr aufhalten.
Allein Rolf zeigt sich von alldem unbeeindruckt, erst unter Androhung schlimmster Strafen nimmt er seinen Finger vom Auslöser. Und re­vanchiert sich prompt, indem er sich sein dickes Schinken-Käse-Sandwich direkt vor meinen Augen in die Backen stopft. Er genießt, während ich leide. Und ich leide wirklich. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass am Ende des Tages vier Tunas und ein Amber­-jack auf unserer Fangliste stehen. Angeln gehe ich seitdem nicht mehr, nicht für Geld und gute Worte!  – Erich Bogadtke

Auch teure Technik schwimmt nicht

Erkenntnis: Wer nicht auf Kollegen hört, kann ’ne menge Geld sparen

Kein Bootstest ohne das Aufnehmen von Messwerten, auch des Spritverbrauchs. Wird der nicht über das motoreigene Instrument angezeigt, setzen wir unser Flow­tronic-Gerät ein, das aus Geber und Rechner (Anzeigegerät) besteht. Normalerweise ist alles in einem Koffer untergebracht, damit man es gut an und von Bord tragen kann. Normalerweise … "Gib die Sachen schnell mal her, ich pack sie dann an Land ein", sagt mein Testkollege zu mir. Wie nett von ihm! Ich will ihm den Rechner reichen, knalle mit dem Arm gegen die Reling, das gute Stück fällt noch knapp auf den Steg, entscheidet sich dann aber doch fürs Hafenbecken. Wenigstens bleibt das Teil dicht am Ufer liegen und lässt sich bergen, aber für die Wieder­belebung fallen 1000 Euro an. Immerhin habe ich meinem Chef so einen Running Gag geliefert. Vor jeder Reise heißt es nun: "… aber macht nix Teures kaputt!"  – Ralf Marquard

boote Redaktion am 30.07.2017
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