Gefahrenquelle Elektroboot?

22.12.2012 Torsten Moench - Boote mit Elektroantrieb entwickeln sich für Versicherer zum kaum kalkulierbaren Risiko: Holger Flindt (Pantaenius) nimmt im BOOTE-Interview Stellung.

Brände auf Elektrobooten enden oft mit Totalverlust.
© Gregor Franke
Brände auf Elektrobooten enden oft mit Totalverlust.

BOOTE: Wie viele Elektroboote sind bei Ihnen versichert?

Flindt: Wir haben derzeit rund 700 Motorboote mit elektrischem Hauptantrieb im Bestand. Dies beinhaltet nicht Segler mit elektrischen Hilfsantrieben.

BOOTE: Ist die Schadensquote höher als bei herkömmlichen Booten?

Flindt: Ja, die Schadensquote ist erheblich größer als bei konventionell angetriebenen Booten gleicher Größenkategorie. Insbesondere der hohe Anteil von Totalverlusten ist hierfür verantwortlich.

BOOTE: Welcher Art sind die Schäden?

Flindt: Bei den Totalverlusten handelt es sich überwiegend um Brandschäden, die auf elektrische Defekte zurückzuführen sind. Die "normalen Schäden", die überwiegend im "Human Factor"  begründet sind, sind unauffällig.

BOOTE: Welche Rolle spielen die Batterien bei diesen Schäden?

Flindt: Die Batterien spielen eine wesentliche Rolle im Ablauf der Schäden. Bei einem Feuer im Bereich der (oder ausgelöst durch die) Batterien, dürfen diese nicht mit Wasser gelöscht werden. Das weiß nur leider keiner, und entsprechend wird auch die anrückende Feuerwehr nicht auf diesen besonderen Umstand hingewiesen. Der Einsatz von Wasser in der Brandbekämpfung führt zu einer Eskalation des Szenarios und gefährdet in diesem Zusammenhang auch die Rettungskräfte.

BOOTE: Könnten die Eigner besser vorsorgen?

Flindt: Was das technische Niveau der elektrischen Anlage und deren Installation an Bord betrifft, hat der Eigner relativ wenig Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, insbesondere weil er sich in den seltensten Fällen der Problematik bewusst ist. Hilfreich oder wünschenswert wären natürlich automatische Selbstlöschanlagen.

BOOTE: Gibt es aus Ihrer Sicht ein Informationsdefizit über den Umgang und die speziellen Gefahren mit Elektrobooten, beispielsweise bei den Feuerwehren?

Flindt: Ja, Elektroboote sind auf dem Markt noch relativ neu, zumindest im hochmotorisierten Bereich. Die Besonderheiten bei der Brandbekämpfung lassen sich daher nicht mit dem Kfz-Bereich vergleichen.

BOOTE: Gibt es spezielle Bauvorschriften für Elektroboote, beispielsweise in der
CE-Richtlinie?

Flindt: Leider haben Motorboote mit elektrischen Hauptantrieben noch keinen richtigen Einzug gehalten in entsprechende Baurichtlinien wie CE.

BOOTE: Gibt es aus Ihrer Sicht Handlungsbedarf im Hinblick auf entsprechende Bauvorschriften?

Flindt: Ja, die Schadenssituation spiegelt das wider. Allein die Anzahl der Feuer auf elektrisch angetriebenen Motorbooten spricht da eine klare Sprache.

BOOTE: Hat diese Entwicklung Auswirkungen auf zukünftige Prämienanpas-sungen?

Flindt: Natürlich werden wir die Prämien anpassen müssen. Nach jetzigem Stand der Dinge muss aber gleichzeitig etwas an der Betriebssicherheit dieser Fahrzeuge getan werden, weil sie aus unserer Sicht kaum versicherbar sind.

BOOTE: Hat das Einfluss auf die anderen Versicherungsnehmer mit konventionellen Bootsantrieben?

Flindt: Bei Pantaenius nicht. Ich kann jedoch nicht beurteilen, wie unsere Mitbewerber mit diesem Marktsegment umgehen und ob sie überhaupt die Häufung von Schäden feststellen.

Mit Holger Flindt sprach Torsten Moench

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