Lahn: Paradies zeigt Präsenz

11.12.2012 Ingrid Bardenheuer - Die Initiative „Pro Lahn“ engagiert sich künftig als eingetragener Verein. Ihr Ziel: Der Fluss soll als Idylle für den Bootssport erhalten bleiben.

Vorstand von „Pro Lahn“: Manfred Kutscher, Christel Loos, Gert Gätke und Heinz Scheyer (v.l.)
© Ingrid Bardenheuer
Vorstand von „Pro Lahn“: Manfred Kutscher, Christel Loos, Gert Gätke und Heinz Scheyer (v.l.)

An der Lahn erzählt man sich folgende Geschichte: Als Gott das Paradies erschaffen hatte, beauftragte er ein paar Engel, das Paradies an eine bestimmte Stelle zu tragen. Und wie die himmlischen Heerscharen nun dort oben so herumflogen, wurden mit einem Mal bei drei, vier Engelchen die Finger klamm. Da brach ein kleines Stück vom Paradies ab und stürzte hinunter auf die Erde. „Das ist unser Lahntal“, sagt Manfred Kutscher, „wo der Rest des Paradieses hingekommen ist, weiß kein Mensch …“ Manfred Kutscher ist, mit Heinz Scheyer vom Bootsclub Limburg, das „Gesicht“ von PRO LAHN. Die Interessengemeinschaft formierte sich jetzt zu einem eingetragenen Verein, um mehr Stärke zeigen zu können.

Ärger bereitet weiterhin die geplante Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV). Auch der 5. Bericht des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), vorgestellt im Juni, bleibt in Sachen Sportschifffahrt unscharf (BOOTE 8/12). In der aktuell angestrebten Kategorisierung der Bundeswasserstraßen wird die Lahn – wie andere touristisch interessante Wasserwege in Deutschland – unter „Sonstige Wasserstraßen“ geführt.

Zur Erläuterung: Die vom Bund avisierte Netzstruktur orientiert sich am Grad der „Transportleistung“. Am unteren Ende der Skala rangieren die „Sonstigen Wasserstraßen“. Sie haben „keinen Güterverkehr“ laut BMVBS. Gemäß
5. Bericht werden die sonstigen Wasserstraßen „grundsätzlich nicht ausgebaut“. Hier werde „im Wesentlichen der Bestand erhalten“. Dieses flauschige Versprechen gewinnt auch nicht durch den Hinweis, dass man die Kategorisierung regelmäßig alle fünf Jahre überprüfen und „wenn erforderlich“ anpassen will.

Eine Einstufung der Lahn als „Sonstige Wasserstraße“ beträfe auch zahlreiche Bootsvereine mit insgesamt mehreren Hundert Mitgliedern. Die Ungewissheit, was sie und andere vor Ort genau erwartet, weckt Sorge, Resignation. Oder Kampfgeist – wie bei PRO LAHN. Manfred Kutscher aus Bad Ems rief die Interessengemeinschaft 1995 ins Leben.

Für Unruhe sorgte schon damals eine Neubewertung der Bundesbinnenwasserstraßen. Unter dem Dach der PRO LAHN kämpften Wassersportvereine und viele andere für den Erhalt der Lahn als schiffbare Bundeswasserstraße und damit für zwei zentrale Wirtschaftsfaktoren der Region – Wassersport und Tourismus. Die Lahn blieb in der Folge, was sie bis heute ist: ein über knapp 70 Stromkilometer für Motorboote schiffbares Gewässer, das allerdings den Stempel „nichtklassifizierte Wasserstraße“ aufgedrückt bekam. Ein Fingerzeig. Denn nun stellt eine erneute Reform die Lahn abermals auf den Prüfstand.

Durch den Statuswechsel vom lockeren Zusammenschluss zum eingetragenen und gemeinnützigen Verein erhofft sich PRO LAHN nicht nur mehr Gewicht, sondern auch eine leichtere Mittelbeschaffung. „Entstehen muss ein schlagkräftiger Verein mit Mitstreitern aus Städten und Gemeinden, Vereinen, der Berufsschifffahrt, Paddlern, Ruderern, Radfahrern“, sagte Heinz Scheyer. PRO LAHN schreibt sich vor allem eins auf die Fahnen: den Erhalt der Lahn als schiffbare Bundeswas-serstraße.

In den Vorstand wählten die Gründungsmitglieder Manfred Kutscher (1. Vorsitzender), Heinz Scheyer (2. Vorsitzender), Christel Loos (Kassenwart) und Gert Gätke (Schriftführer). PRO LAHN will unter anderem eng mit den Landesverbänden Motorbootsport in Hessen und Rheinland-Pfalz, mit DMYV und ADAC zusammenarbeiten. Auch das 5. Skippertreffen Lahn vom 9.–11. Mai 2013 in Bad Ems soll, so Manfred Kutscher, „zu einer Demonstration für die Lahn“ werden.

Kontakt: Gert Gätke, E-Mail gert.gaetke@gmx.de, Telefon 06084 – 5633.

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