Berlin III & BMW Berlin III & BMW

Klassiker: „Berlin III“ und BMW

Eine besondere Beziehung

Gérald Guétat, aus dem franz. Rüdiger Frank am 08.10.2016

In den Dreißiger- und Vierzigerjahren war der BMW 328 Roadster ein gefürchteter Rennwagen. Sein Motor brachte aber auch frühe Powerboote wie die „Berlin III“ in Fahrt – eine spannende Zeit...

Als der Werftbesitzer Rolf Gersch im Jahr 2003 dem Hinweis eines Kunden folgte und einen Hin­terhof in der Nähe von Mainz betrat, wusste er noch gar nicht, welcher Schatz da vor ihm lag. Die Außenhaut des alten Holz­boots war aufgerissen, Teile der Konstruktion verrottet, und der Motor fehlte; andere wichtige Komponenten wie die Heckkan­zel, an der sogar noch ein Origi­nal ­BMW­-Logo prangte, waren dagegen erhalten.

Gersch, dem das Wrack allerdings „irgendwie bekannt vorkam", kaufte es für einen bescheidenen Preis. Zu Hause konnte er es anhand von alten Fotos schnell identifizieren: Er hatte die lange verschollene "Berlin III" wiederentdeckt.

Die "Berlin III" ist nicht irgendein altes Rennboot. Um ihre Bedeutung zu verstehen, muss man einige Jahrzehnte in der Ge­schichte des Bootsports zurückgehen. In den frühen Fünfziger­jahren – der Zweite Weltkrieg lag noch keine zehn Jahre zurück – konnte sich nur eine kleine, reiche Elite überhaupt ein Rennboot leisten.

Zu ihr gehörte der junge Jürgen Baginski ebenso wie sein Landsmann Christoph von Mayenburg, der bereits international Anerkennung genoss. Weil die Familie Baginski Schmerztablet­ten und die von Mayenburgs Chlorodont-­Zahnpasta produzier­ten– beides Massenware – waren sie den wirtschaftlichen Nöten der Nachkriegszeit schneller als viele andere entkommen.

1950 machte von Mayenburg seinen Freund mit Max Steaves bekannt, dem die gleichnamige Werft in Wiesbaden gehörte. Der Schiffs­konstrukteur baute mehrere erfolgreiche Rennboote und ist auch der Vater der "Berlin III". Wie damals in Europa üblich, orientier­te er sich an Modellen, die von der American Powerboat Federa­tion als "Rennboot der D­-Klasse" eingeordnet wurden. 

Auf Anraten seines Freunds Christoph von Mayenburg gab Jürgen Baginski die „Berlin III" zur Wartung und Abstimmung in die Obhut von Rolf Gerschs Vater Kurt – ein begabter Bootsbau­er aus Wiesbaden, der ebenfalls Rennen fuhr.

Am Steuer der „Berlin III" nahm Baginskis beachtliche Rennfahrerkarriere in den frühen Fünfzigern ihren Anfang. Mit seinem ersten Boot war er zwar noch nicht sehr erfolgreich und gewann hauptsächlich regionale Wettbewerbe, etwa 1953 das Rennen auf dem Starnber­ger See.

Berlin III & BMW

Doch ab Mitte der Fünfzigerjahre ließ Baginski neue Mo­delle herstellen, die alle „Berlin" getauft wurden (eine Remi­niszenz an die Hauptstadt, in der einst die erfolgreiche Unternehmerkarriere seines Vaters Maximilian begann) und streng durchnummeriert wurden.

Nur wenige Jahre später, 1956, gewann er mit einem Nachfolgerboot namens "Berlin VI" – gebaut von Kurt Gersch, der als Kopilot an Bord war – mehrere internationa­le Rennen und holte schließlich in Cannes den Weltmeistertitel. 

Die „Berlin III" war da längst ausrangiert und befand sich auf dem besten Weg, in Vergessenheit zu geraten…

Die vollständige Reportage lesen Sie in der November-Ausgabe von boote, ab dem 17.10.2016 im Handel.

Gérald Guétat, aus dem franz. Rüdiger Frank am 08.10.2016
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