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Reportage: Elektroboot-Regatta

Starke Stromer

Ingrid Bardenheuer am 27.12.2016

Krasse Kuh jagt Suncatcher. Sonnige Aussichten auf der Solarboot-Regatta in Eberswalde. Motto: Was fährt, geht.

Still und leise hat sich der Tag davongemacht. Der altehrwürdige Finowkanal ruht in der Abenddämmerung, sein Wasser glänzt wie schwarze Tinte. Da, ein Geräusch! Etwas nähert sich, gurgelnd und schnurrend. Zwei gelbe Rümpfe, verbunden durch ein Brett, schieben sich aus dem Halbdunkel. Das Ding kommt rasch näher. Es hat ein rotes Polster, auf dem ein Steuermann sitzt. Vor ihm ist eine rechteckige Platte angebracht – ein Solarmodul. Der Selbstbau fährt mit Sonnenenergie.

Wir haben nicht Millionen zur Verfügung

Auch jetzt, so spät noch? Na klar. Ein Akku, randvoll mit Solarstrom, versorgt den E-Motor der "BananaMaran" mit Saft. Morgen muss der kleine Katamaran zeigen, was er draufhat. Dann ist Solarbootregatta vor Eberswalde. Zehn Racer sind gemeldet. Jeder trägt die Handschrift von Tüftlern, Schraubern, Visionären. Daniel Düsentrieb lässt grüßen, oder? 

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Nein, die Sache liegt anders. "Wir haben nicht Millionen zur Verfügung. Wir haben eigentlich gar kein Geld zur Verfügung", erklärt der Veranstalter Professor Hartmut Ginnow-Merkert vor Rennbeginn, "wir möchten zeigen, dass selbst Kinder, Schüler und private Bastler mit wenig Mitteln solarelektrische Boote zustande bringen und hier fahren können."

Suche nach dem Optimum

Der leichte Einstieg ist das eine, was reizt. Das andere: die fortwährende Suche nach dem Optimum. Das Bestreben, alle Komponenten des Systems – Boot, Solarmodul, Akku, Antrieb – bestmöglich auszulegen und seinen Fahrstil darauf abzustimmen, mit dem Ziel, Tempo und Strecke zu machen. Bei blauem wie bedecktem Himmel, bei Wind, Welle oder Strömung.

Es ist ein dauerndes Ausreizen und Ausloten, ein Testen, Verwerfen und Aufs-Neue-Versuchen, Knobelarbeit eben. Wie in einer mathematischen Formel gilt es Konstante und Variable in einen Zusammenhang zu bringen. Die Form der mitgeführten Fotovoltaikmodule etwa – rechteckig – ist für die Regattateilnehmer eine Unveränderliche. Wollte man die Module maßgeschneidert haben, dann "werden die saumäßig teuer", weiß Professor Hartmut Ginnow-Merkert. Also heißt es, mit der vorgegebenen Form zu arbeiten.


Ideal sind ein annähernd rechteckiges Deck und ein Rumpf, der dem Wasser wenig Widerstand entgegensetzt. Wie bei der "Sunrise" vom Verein Solarboot Team Kelheim. Mehrere kleinere Solarmodule sind auf dem 6,50 m langen, ranken Boot deckbündig verbaut.

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Ingrid Bardenheuer am 27.12.2016
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