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Reportage: mit dem Hausboot in Holland

Das schwimmende Ferienhaus

Bodo Müller am 13.05.2016

Kaum zu glauben – aber wahr: Ein komplettes Ferienhaus schwimmt auf dem Wasser, lässt sich fahren wie ein Schiff und in (fast) jeden Hafen steuern. Wir haben es auf den Randmeren probiert.

„Hilfe, Mama, da schwimmt ein Haus!", ruft ein Kind, als wir von See kommend zwischen den Molenköpfen von Spakenburg einlaufen. Touristen rennen auf die Molen, Fotoapparate klicken. Wer keine Kamera hat, filmt uns mit dem Handy. Ich fühle mich wie ein Superstar, der mit einer Megayacht in einen angesagten Hafen einläuft.

Doch wir steuern keine Megayacht, sondern schlicht und einfach ein Haus mit vier Wänden, Türen und Fenstern sowie Spitzdach, Dachrinne und Veluxfenstern.

Das Besondere ist lediglich, dass dieses Haus auf dem Wasser schwimmt und jetzt aus eigener Kraft in den Hafen von Spakenburg steuert. Alle Urlauber, die uns zufällig sehen,  finden das unglaublich – ich übrigens auch. Ein 500 Meter langer, aber nur 18 Meter schmaler Kanal führt ins Zentrum des Ortes.

Fotostrecke: Mit dem Hausboot durch Holland

Spakenburg ist eine schöne alte Seefahrerstadt am Südufer der sogenannten Randmeere, die vor einem halben Jahrhundert noch zum südlichen IJsselmeer gehörten. Zu beiden Seiten des schmalen Kanals, der dem Seewind ungeschützt ausgesetzt ist, liegen Yachten und schmucke kleine Holzboote, sodass der Wasserweg dazwischen keine zehn Meter mehr breit ist.

Und genau da laufen wir mit einem schwimmenden Haus ein. An Steuerbord sehe ich den Hafenmeister eilig mit dem Fahrrad kommen. Er gestikuliert und ruft etwas auf Holländisch, was ich nicht verstehe. An Backbord der schmalen Gasse, in die wir hineinfahren, liegen wunderschön gepflegte, alte hölzerne Segelboote. Ich mag gar nicht hinsehen, als wir mit unserem 26 Tonnen schweren Haus in zwei Metern Abstand davor entlang "segeln".

Zwischen zwei Segelbooten entdecke ich eine etwa 15 Meter schmale Lücke und bitte Skipperin Siegrun, hier aufzustoppen. Sie schaltet auf Leerlauf und dann beherzt auf Rückwärtsfahrt. Sie blickt in beide Rückspiegel, während sie rückwärts Gas gibt. Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis unser viel zu schwacher Einbaumotor das schwimmende Haus zum Stehen bekommt. Backbord neben uns liegt ein schönes altes Holzboot.

Der Skipper mit wuscheligen Dreadlocks dreht sich entspannt eine Tüte und zündet sie an.

Als er unser Haus kommen sieht, lässt er erschrocken den Joint fallen, springt auf, reißt alle Backskisten auf und hängt die gesamte Breitseite seines Schiffchens voller Fender. Skipperin Siegrun fragt besorgt: Wohin? (...)

Die vollständige Reportage über unseren Chartertörn mit dem schwimmenden Ferienhaus in den Niederladen, lesen Sie in der Juni-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 25. Mai am Kiosk gibt.

Bodo Müller am 13.05.2016
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