Riva Riva Nachbau

Reportage: Riva-Nachbau

Klaus und seine Giulia

Sebastian Fuchs am 06.07.2017

Immer wieder reist Klaus Hunfeld ins norditalienische Sarnico, um sich Originalteile für seinen Nachbau einer Riva Ariston zu besorgen. Eine Liebesgeschichte aus Holz, Zeit und einem starken Willen.

Es wird auf einer der Italienreisen passiert sein, die er als Kind mit seinen Eltern unternahm. Damals ging es noch im VW Käfer nach Süden. Vielleicht geschah es auch erst später, als er im Wohnmobil an die italienische Riviera reiste. Tatsache ist, dass sich der Kieler Unternehmens­berater und Hobbypilot Klaus Hunfeld in das 6,80 Meter lange Holzboot Riva Aris­ton verliebte. 

Die Perfektion einer Riva erschließt sich auch dem Laien: Bei klassischen Modellen besteht der Bootskörper aus feinem Holz mit fugenloser, tiefroter Mahagonibe­plankung. Ein kräftiger Innenborder mit tiefem Geräusch treibt die Boote an. Glän­zende Chromteile, eine Panoramascheibe, das übersichtliche Instrumentenbrett und das schlank auslaufende Heck machen sie zur Designikone.

Diesem Charme war auch der damals noch in Elmshorn leben­de Familienvater Klaus Hunfeld verfallen. 

 

Anders ist es nicht zu erklären, dass er im Alter von 49 Jahren beschloss, sich seine eigene Riva zu bauen. 

 

Ein Rückblick: Als Jugendlicher war Klaus Hunfeld passionierter Modellbauer. Bereits im Alter von elf Jahren schnitt er sich seine Teile selbst zu, um Flugzeuge und Boote zu fertigen. Und schon damals hatte er den Traum, irgendetwas Großes zu bauen. Theoretisch, sagt er, könne man alles nachbauen, solange man die richti­gen Pläne habe. Und die gibt es, frei zu­gänglich im Internet…

Der Bauplan wurde von der Riva-Werft im Maßstab 1 : 10 für die Modellbauerszene veröffentlicht.
Schiffbau hat ihn von jeher fasziniert: Seine Diplomarbeit schrieb er während des BWL-Studiums in der Meyer-Werft in Papenburg. Das Thema: „Planung von komplexen Fertigungsprozessen".

„Ein Boot zu bauen ist keine Hexerei, dachte ich mir; man muss nur Pläne lesen und sie um­setzen können. Und man muss vor allem einfach anfangen, statt zu reden."

Die Riva war schon immer Statussymbol für diejenigen, die es geschafft haben. Gunter Sachs setzte genauso auf das Ma­ha­goniboot wie Sophia Loren oder Bri­gitte Bardot – die besaß gleich drei. Der internationale Jetset ließ sich vor allem in den Sechziger- und Siebzigerjahren auf den Riva-Booten ablichten.

Schon damals waren sie für den Normalverbraucher unerschwinglich: 1966 kostete ein Mercedes 250 SE Coupé 22 000 DM, für eine Riva Ariston musste man im Jahr 1968 bereits 35 000 DM ausgeben. Alle wussten von Klaus Hunfelds Spleen. Auch seine Frau, die ihm zu seinem 50. Geburtstag ein maßstabsgerechtes Modell der Riva Ariston schenkte.

Als dreifacher Familienvater war es für Klaus keine Op­tion, sich einfach mal so eine echte Riva
zu kaufen. Die Preise auf dem Gebrauchtmarkt sind hoch; nur rund 4000 Exem­plare seines Traumbootes wurden gebaut, und davon existieren schätzungsweise nur noch die Hälfte.

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Sebastian Fuchs am 06.07.2017
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