Stern von Berlin Stern von Berlin

Reportage: Stern von Berlin

Galaktisch

Franziska Heyden am 15.04.2018

96 Boote bildeten im letzten Juli das wohl größte Anker-Päckchen der Bundeshauptstadt. Und das beste: Im Juni wird es einen neuen Rekordversuch geben

Der Himmel ist wolkenschwer, die Havel trägt mausgrau. Muss das sein, gerade heute? Gerhard nimmt Kurs auf einen einsamen Segler, der südlich der kleinen Insel Kälberwerder ankert. "Bist Du Markierungsboot?" Der Segler nickt. OK, weiter.

Vor der Pfaueninsel haben schon mehrere Yachten Anker geworfen. Hier ein Päckchen, dort ein Päckchen, drüben noch eins. Irgendwer hat die Boxen aufgedreht. "Love is in the air" weht herüber, "everywhere I look around, love is in the air …" Und tatsächlich, an diesem trüben Samstag im Juli 2017 liegt was in der Luft.

Betriebsamkeit, kribbelnde Vorfreude, eine Spur Nervosität. Kein Wunder, hat doch soeben ein Abenteuer begonnen, das später am Tag mit einem Rekord enden soll, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat – über hundert, vielleicht sogar an die 150 Sportboote, die vertäut miteinander im Kreis ankern. Der "Stern von Berlin"!

Gerhard, der uns vorhin pünktlich um 12 Uhr mit seiner Quicksilver 555 im Hafen Kladow abgeholt hat, gehört zum engeren Kreis der Organisatoren und ist heute für den Shuttle-Dienst zuständig. Kladow – Stern und zurück. Später müsse er noch einen Alphornbläser und die lokale Presse fahren, sagt er. Das, was sich auf dem Wasser zutragen wird, hat schließlich das Zeug zum Event. Sogar das Fernsehen ist eingeladen.

Vorsichtig steuert Gerhard sein 100 PS starkes Mittelkonsolenboot an denen vorbei, die schon im Päckchen dümpeln. Viele sind es noch nicht. "Die wollen alle in den Süden, da ist es wärmer", frotzelt es aus einem Cockpit. Gerhard bleibt optimistisch, die Angelegenheit fängt ja erst an.

Das Epizentrum des Sterns ist auf Position 52°26'20"N 13°08'19"E geplant. Exakt um diesen Punkt zwischen Pfaueninsel und Kälberwerder unweit Kilometer 13 der Unteren Havelwasserstraße soll sich der Kreis bilden. Acht Boote markieren seine gedachte Linie. Zwischen ihnen kann der Ankerplatz, unter Berücksichtigung der eigenen Bootsgröße, frei gewählt werden.

Ordner helfen beim Zurechtfinden. Jeder, der ein Boot mit Kennzeichen besitzt, kann mitmischen, und zwar kostenlos. 128 Skipper sind gemeldet, der angepeilte neue Rekord dürfte demnach in trockenen Tüchern sein. Die bisherige Bestleistung legte der Stern des Yachtclub Darmstadt vor – 111 Yachten formierten sich im Sommer 2014 zu einem gigantischen Ankerkreis auf dem Erfelder Altrhein.

Seinen ersten Stern richtete der Verein bereits 1990 aus. Neben Spaßhaben ging es auch darum: gemeinsam richtiges Anlegen, Ankern und Päckchenliegen üben. Daraus wurde mit der Zeit ein bundesweit beachtetes Ereignis, das im Zweijahresrhythmus stattfand.

2016 kam das "Aus" für die beliebte Veranstaltung. Ein überraschendes Hochwasser trug mit dazu bei, dass der Club zum Bedauern vieler Sportbootfahrer die Reißleine ziehen musste. Nun also auf der Havel. Auch hier ist alles geklärt und geregelt, bis hin zur Aufstiegsgenehmigung für eine "Flugdrohne". Mit diesem Multicopter soll das Spektakel aus der Luft dokumentiert werden.

Die Wasserschutzpolizei ist vor Ort, um das Ankermanöver abzusichern. Die Stern-Anwärter sind mit sämtlichen wichtigen Infos gebrieft, und ganz oben scheint man inzwischen Gefallen an den galaktischen Bemühungen bei 52°26'20"N 013°08'19"E gefunden zu haben. Immerhin wächst am Himmel ein Sonnenloch.

Der Wind hat sich dünne gemacht, gut so, ohne ihn haben es alle leichter. Bestimmt auch jener Skipper, der gerade am nördlichen Rand des wachsenden Ankerkreises ein Plätzchen sucht. Sein Boot dürfte den Windwiderstand eines Radladers haben. Achtern erhebt sich ein solider Aufbau, vorne befindet sich eine Art Veranda, in der Mitte steht ein Bus. Ein Bus? Wir gehen ran. 

Die vollständige Reportage lesen Sie in der Mai-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 17. April 2018 im Handel gibt. Für Abonnenten natürlich schon eher.

Franziska Heyden am 15.04.2018
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