Thundercats Thundercats

Reportage: Thundercats

Nur die Harten kommen in den Garten

Rainer Bergmann am 21.05.2016

Die spannende Geschichte der Thundercats, auch wenn sie durch einen tragischen Unfall beim letzten Lauf zur deutschen Meisterschaft auf der Elbe kein erfreuliches Ende nahm

Die harten kommen in den Garten, sagt man so. Offenbar nicht alle. An diesem freundlich bewölkten Sonntag scheinen einige ausgebüchst zu sein, stapfen durch den Sand am Elbe-Strand. "Verkleidet" mit Rennanzug, Rettungsweste und einem beeindruckenden Sturzhelm erinnern die "Darsteller" an Filmstatisten eines Weltraumspektakels. Also handelt es sich um eine Art Volksbelustigung? Keineswegs. Cat-Piloten sehen sich nicht als spektakuläre Volksbelustiger. Sie fühlen sich vielmehr einem noch jungen Wassersport verbunden, der Kondition und Härte erfordert. Einerseits. 

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Andererseits ist speziell in Deutschland eine gehörige Portion Idealismus gefragt; denn die übrige Thundercat-Welt in Südafrika, Großbritannien, Italien, Norwegen, Schweden, Australien oder Neuseeland surft längst auf einer erfolgreichen Profiwelle.

Und so sind bei Europa- und Weltmeisterschaften die Deutschen, verglichen mit diesen Cracks, regelrecht arme Amateurschlucker, die sich Freizeit und Moneten für ihr Hobby meist mühsam zusammensparen.

Sie sind zufrieden, wenigstens eine deutsche Meisterschaft auszufahren. Oder vielleicht irgendwann nicht mehr. Beispielsweise wie Ex-Cat-Teilnehmer Frank Budde. Kürzlich danach befragt, warum ich ihn nicht mehr in der Liste der zur Zeit 16 deutschen Aufrechten finde – gemeint ist die Anzahl der gemeldeten Teams – erklärte er mir seinen Entschluss.

"Wissen Sie, ich habe mich in Grünendeich mit einer Service-Werkstatt für Außenbordmotoren selbständig gemacht. Ich arbeite hier nur zusammen mit meinem Vater, der als Rentner für mich seine Zeit opfert. Wo soll ich da noch die Stunden für Training und Rennen herzaubern, zumal mein junger Co-Pilot mit seinem Hausbau eine Auszeit nehmen musste? Deshalb habe ich mein Gemini-Boot samt 50 PS Tohatsu schweren Herzens verkauft".

Wieder zwei weniger in einer bislang lupenreinen Männer-Domäne, in der das Berliner gemischte Doppel Hagen Jerzynski mit seiner Co-Pilotin Melani Oertel als Team "1000 in 1 Day" die Frauenquote wenigstens im Gespräch hält. Frank Budde ist kein Einzelfall. Muss man dann noch nach weiteren Ursachen fahnden, warum es in Deutschland bislang – bis auf wenige Ausnahmen – an einer schlagkräftigen internationalen Beteiligung fehlt? Weil im Gegensatz zur übrigen Cat-Welt, deren Ursprung in Südafrika bereits an die 30 Jahre zurückliegt, in Deutschland eine noch junge Sportart Anerkennung sucht.

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Rainer Bergmann am 21.05.2016
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