Stahlboot Spezial Stahlboot Spezial

Spezial: Stahlboote

Heisse Eisen

Erich Bogadtke am 10.08.2016

Kunststoff? Nein Danke! Im Land der Meere und Grachten setzen die Yachtbauer und Konstrukteure nach wie vor auf „Blech".

Stahlyachten gehören genauso zu den Niederlanden wie Tulpen, Tomaten, Windmühlen, Genever und Bitter­ballen. Man steht zu seinen Traditionen. Was jedoch nicht heißen soll, das unsere Nachbarn mit "alten Hüten" durch die Ge­gend schippern. Die Zeiten, in denen jeder Zweite "Holländer" wusste, wie man ein richtiges Boot baut und das auch tat, sind längst vorbei.

Es gibt mittlerweile neue Fertigungstechniken, besseres Material und jede Menge kreative Köpfe, die ihre Ideen in die Tat umsetzen. Die Prämisse „simple Verarbeitung und möglichst viel Raum für wenig Geld" ist out; wer heute eine niederländische Stahlyacht sucht, will alles andere, nur keine graue Maus. Inno­vation ist angesagt. Und das gilt für alle Belange.

König Kunde verlangt nach ei­nem Boot, mit dem er sich sehen lassen kann, grundsolide und funktionell soll es sein, dazu formschön und komfortabel.

Edle Hölzer und Stoffe, eine Eignersuite mit Blick aufs Meer, separate Badezimmer für die Gäste, eine komplett eingerichtete Bordküche, in der der Smut am liebsten übernachten würde, Klimaanlage und versenkbarer Flachbildschirm stehen auf dem Wunschzettel ganz weit oben. Das Interieur muss heutzutage nobel und schick sein, "Gel­senkirchener Barock" war vorgestern. 

Auch bei den Antrieben und der Navi­gation ist nullachtfünfzehn längst passe. Man(n) will Technik auf aktuellem Stand und ist bereit, dafür sein Konto zu plün­dern. Trotzdem sind konventionelle Wel­lenanlagen immer noch erste Wahl, was daran liegt, dass 90 Prozent der gebauten Stahlyachten als Verdränger konstruiert sind und mit Wendegetriebe, Welle und Ruderblatt bestens klarkommen.

Ob die Diesel in der per­fekt schallisolierten Motor­kammer 50, 100 oder 200 PS haben müssen, hängt davon ab, wie groß und schwer das Boot ist und was sein Eigner damit veranstalten möchte. Will er auch bei unsichti­gem Wetter Küstengewässer und/oder den Rhein gegen den Strom befahren, geht das nicht ohne leistungsstarke Motoren und moderne Navigationselektronik wie GPS, Radar und Plotter.

Und was ist mit Hafen- und Schleusenmanövern? Hier helfen per Joystick gesteuerte Bug- und Heckschrauben eigentlich allen, nur nicht den Scheidungsanwälten.

Soll heißen, die schlaflosen Nächte, Albträume und Ehekrisen der „Crew" haben mit der Erfindung der Dinger deutlich abgenommen. Man (und Frau) hat wieder Spaß am Bootfahren. 

Freude macht auch das Engagement der Stahlyachtbauer, die auf die Wünsche der potenziellen Eigner reagieren. Sie wissen: Wer am Markt erfolgreich sein will, muss flexibel und innovativ sein. Sieht man die "Gilde" als großes Ganzes, besitzt sie ein Portfolio (früher hieß das noch eine Sammlung von Objekten), das kaum einen Wunsch offenlässt.

Für diejenigen, die ständig groß denken, gibt es Flybridgeyachten, deren „feiner Anzug" in puncto Eleganz problemlos mit dem der Kunststoffkonkurrenz aus England und Italien mithalten kann.

Old-Fashion-Fans finden in den Classic- und Retro-Linien, die einige Werften im Programm haben, attraktive Modelle.

Bemerkenswert ist auch hier der Trend zum „kleinen" Boot (8 bis 9 m), den einige namhafte Werften setzen. 

 

Das vollständige Stahlboot-Spezial finden Sie in der September-Ausgabe von BOOTE, ab dem 17.08.2016 im Handel.

Fotostrecke: Stahlboot Spezial

 

 

Erich Bogadtke am 10.08.2016
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