Außenborder von 70 bis 75 PS Außenborder von 70 bis 75 PS
Außenbordmotoren

Test: Außenborder 70 bis 75 PS. Teil 1

Sebastian Gollasch am 12.03.2013

Außenborder von 70 bis 75 PS: Unser Test zeigt, dass sich moderne Zweitakter hinter den Viertaktern nicht verstecken müssen. TEIL 1: Modellübersicht

Außenborder von 70 bis 75 PS

Außenborder von 70 bis 75 PS:

Fotostrecke: Außenborder von 70 bis 75 PS: Modellübersicht

Zum Einsatz kommen obige Motoren an RIBs, kleinen Kajütbooten und offenen Sportbooten der 5- und 6-m-Klasse. Der Test-Spiegel, an den wir Evinrude-, Honda-, Mercury-, Suzuki-, Tohatsu- und Yamaha-Motoren anhängten, gehört einer Silver Hawk 540 CC. Dabei handelt es sich um ein offenes Centerkonsol-Boot mit Aluminiumrumpf und GFK-Innenausbau. Der serienmäßig installierte Einbautank fasst 105 l Kraftstoff. Das 5,40 m lange Boot ohne Motor wiegt laut Werftangabe 520 kg. Als maximale Motorisierung sind auf der CE-Plakette
74 kW vermerkt, was 100 PS entspricht. Somit liegen wir bei unserem Motorentest leistungsmäßig im Mittelfeld. Den Bootstest der Hawk 540 CC lesen Sie in einer unserer nächsten Ausgaben.

In der 75-PS-Außenborder-Klasse freut man sich seit Mitte letzten Jahres über Zuwachs. Mit dem Tohatsu MD75C überarbeitete der japanische Motorenhersteller seine Angebotspalette (und gleichzeitig unsere Testkandidatenliste). Als Basis der Überarbeitung hat man bei Tohatsu den älteren MD70B genommen. Somit stehen insgesamt sechs Motoren auf dem Prüfstand. Die Hälfte von ihnen sind Zweitakter, die häufig noch als laut und stinkend gelten. Bei den Viertaktern gibt es zwei Motoren mit 70 PS, alle anderen leisten
5 PS mehr.

Neben der Höchstgeschwindigkeit haben wir Gewicht, Verbrauch und Lautstärke gemessen. Dass heutzutage Zweitaktmotoren nicht in jedem Fall die Leichtesten sind, stellten wir als Erstes fest. Beim Gewicht kommt keiner der Konkurrenten an den Minimalwert von 131 kg des Viertakters Yamaha F70 ran. Gemessen wird immer der fahrfertige Motor, sprich mit Öl und Propeller. Ganze 17 kg mehr bringt der Evinrude als Zweitleichtester auf die Waage. Platz drei belegt der Zweitakter Tohatsu mit 157 kg. Als wahres Schwergewicht geht der Mercury OptiMax mit gemessenen 179 kg aus dem Vergleich hervor. 

Um die Differenz von ganzen 48 kg zwischen Platz 1 und 6 zu erklären, schaut man sich den "Stammbaum" der Motoren an. So hat der Yamaha mit seinen 996 ccm Hubraum nur "kleinere Brüder" nämlich den F50 und F60. Alle anderen sind, bis auf den Mercury, abgespeckte 90-PS-Motoren. Beim "Schwarzen", wie Mercury aufgrund seiner tiefschwarzen Farbe auch genannt wird, kommt man von "noch weiter oben". Der Zweitakter mit Kompressor und Direkteinspritzung leistet bis zu 125 PS. Jedenfalls ist bewiesen, dass Viertakt-Außenborder nicht zwangsläufig schwerer als ihre Zweitakt-Konkurrenten sind.

Unter der Haube aller Motoren arbeitet eine Steuerelektronik. Diese soll nicht nur den Kraftstoffverbrauch (und damit die Schadstoffemissionen) reduzieren, was mit einer optimal berechneten Einspritzmenge, Zünd- und Einspritzzeitpunkt realisiert wird, sondern auch die Bedienerfreundlichkeit und Betriebssicherheit erhöhen. Bei den Zweitaktern steuert die Elektrik zusätzlich die Schmierung der zahlreichen Lagerstellen durch die zentrale Schmiereinheit.

Letztere kann der Eigner eines Evinrude E75 über die Schaltung anweisen, den Motor einzuwintern. In diesem speziellen Programm spritzt der Motor zum Konservieren entsprechend mehr Öl ein und schaltet sich anschließend selbst ab. Startet man ihn dann im Frühjahr wieder, soll anfangs weniger Öl eingespritzt werden, damit das "Konservierungsöl" erst rückstandslos verbrennt.

Zwecks Betriebssicherheit übernehmen Warnsysteme die Aufgabe – beispielsweise bei Öldruckverlust (Viertaktmotoren) und Ölmangel (Zweitaktmotoren) –, akustisch wie auch optisch Alarm zu geben. Bei Überhitzung wird ebenfalls gewarnt. Die Systeme sind so weit entwickelt und eingebunden, dass sie bei Gefahr für den Motor aktiv ins Motormanagement eingreifen. So wird bei Überhitzung neben dem Alarmgeben auch die Drehzahl reduziert; steigt die Temperatur weiter, senkt die Elektrik erneut die Motorumdrehungen.

Die Gemischaufbereitung reagiert bei allen Motoren sehr sensibel auf Verunreinigungen im Kraftstoff. Der Einbau eines Kraftstofffilters mit Wasserabscheider sollte in jedem Boot Pflicht sein, da die Kraftstofffilter allein am Motor nicht ausreichen. Die elektronischen Hochdruck-Benzinpumpen wie auch die Einspritz-düsen der Multi-Point-Injection bei den Viertaktern sorgen gemeinsam für eine bestmögliche Zerstäubung des Kraftstoffs. Evinrude, Tohatsu und Mercury spritzen das Benzin direkt in den Brennraum, wo es entzündet wird.

Wir empfehlen, die Motoren mit Superbenzin (oder besserem Kraftstoff) zu betreiben; auch wenn alle Modelle E10-tauglich sind, spricht die oftmals lange Standzeit gegen dessen Einsatz. Interessant für Kapitäne im ferneren Ausland: Die Oktan-Untergrenze liegt bei den Motoren, bis auf Mercury, auf Niveau von Normalbenzin (91 Oktan) bei den Amerikanern reichen sogar noch 87 Oktan.

Haben die Maschinen alles, was sie brauchen (guten Kraftstoff und 12 V), muss man nur kurz am Zündschlüssel drehen, und los geht’s. Das heißt, sie springen kalt wie warm problemlos an und laufen sofort rund. Es versteht sich von selbst, dass im Jahre 2013 keine Qualm- oder Rauchwolken aufsteigen. Unter dem Stichwort "Komfort" stehen beispielsweise Leerlaufregulierung, multifunktionale Instrumente für Drehzahl, Trimm, Batteriespannung, Betriebsstunden und Kraftstoffverbrauch und die Power-Trimm-Tilt-Einrichtung.

Mit Letzterer lässt sich der Motor per Knopfdruck bis an die Wasseroberfläche heben und wieder absenken. Während der Fahrt geht es nicht ganz so hoch; der Kippwinkel wird dann automatisch auf den Trimmbereich beschränkt. Damit bringt man das Boot in der Regel mühelos in die beste Trimmlage. In welcher Position sich der Motor befindet, zeigen gut ablesbare Instrumente. 

TEIL 2 MIT DEN TESTERGEBNISSEN ALLER SECHS AUSSENBORDER FINDEN SIE HIER

Sebastian Gollasch am 12.03.2013