Außenborder von 70 bis 75 PS Außenborder von 70 bis 75 PS
Außenbordmotoren

Test: Außenborder 70 bis 75 PS. Teil 2

Sebastian Gollasch am 15.03.2013

Außenborder von 70 bis 75 PS: Unser Test zeigt, dass sich moderne Zweitakter hinter den Viertaktern nicht verstecken müssen. TEIL 2: Testergebnisse

DIES IST DER 2. TEIL UNSERES VERGLEICHSTESTS DER AUSSENBORDER VON 70 BIS 75 PS. TEIL 1 MIT DER MODELLÜBERSICHT FINDEN SIE HIER

Außenborder von 70 bis 75 PS

Außenborder von 70 bis 75 PS:

Fotostrecke: Außenborder von 70 bis 75 PS: Testergebnisse

Wir lassen jeden Motorenhersteller die Anbauhöhe ebenso wie die Propellerwahl am Testboot selbst abstimmen, denn jeder hat seine eigene Philosophie und weiß, was sein Motor kann oder können sollte. Für die Montagearbeit standen uns bei diesem Test die Werkstatträumlichkeiten der Firma "Sportbootambulanz" zur Verfügung unter der Leitung von Jörn Lässig in Kahl am Main. Geslippt wurde wie immer auf dem Gelände der Marina Lässig direkt am Main; aufgrund der jahrelan-gen Kooperation kennt Inhaberin Heike Roth mittlerweile die Vornamen der BOOTE-Testcrew. Der Abschnitt des Mains in Kahl bietet gleich bleibende Voraussetzungen, was bei einem solchen Test unabdingbar ist.

Die vorgenannte freie Propellerwahl beinhaltet auch, ob eine Edelstahl-, Stahl- oder Aluminiumschraube montiert wird. Serienmäßig sind bei Evinrude, Mercury, Suzuki, Tohatsu und Yamaha Aluminumpropeller im Lieferumfang, die der Händler auf das Boot abstimmt, enthalten. Wer einen Edelstahlpropeller will, zahlt drauf. Honda liefert seinen Motor ohne Propeller; er muss extra erworben werden.

Beim Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt tat sich nur der 70-PS-"schwache" Yamaha etwas schwer. Das fahrfertige Boot mit Motor und Crew hat ein Gewicht zwischen 951 kg und 999 kg, je nachdem, welcher Motor am Spiegel hängt. Während sich bei den Testmotoren der Bug der Hawk nur kurz anhob und gering die Voraussicht beeinflusste, bevor er sich wieder senkte, dauerte dieser Vorgang mit dem F70 länger an.

Deutlicher wird das bei den Beschleunigungswerten. So beschleunigt Evinrude die Silver Hawk 540 CC in nur 6,9 s auf Tempo 50 km/h, wohingegen der Yamaha mehr als das Doppelte an Zeit benötigt. Alle anderen Motoren, egal ob Zwei- oder Viertakter, 70 oder 75 PS, brauchen für den Sprint aus dem Stand auf 50 km/h zwischen 7,6 und 8,6 s.

Wichtig: Beim Beschleunigen muss der Motor anfangs immer ganz an den Spiegel getrimmt sein. Mit steigender Geschwindigkeit muss für eine optimale Trimmlage immer weiter hochgetrimmt werden. Den Sprint auf 35 km/h absolviert der Suzuki in nur 4,1 s, dicht gefolgt von Evinrude mit zwei Zehnteln Unterschied und Mercury, gleichauf mit Hondas BF75 auf Platz drei bei 4,4 s. Mit dem Stahlpropeller 3 x 13 1/2"x 16" hinkt Yamaha beim Beschleunigen deutlich hinterher.

Gleiches gilt für die Höchstgeschwindigkeit. Die erreichten 56,8 km/h befördern den F70 auf den letzten Platz. Ganze 8,1 km/h schneller war der E75 von Evinrude mit einem 3-x-13-1/2"-x-17"-Edelstahlpropeller. Honda hatte ebenfalls einen Edelstahlpropeller montiert, aufgrund der Getriebeübersetzung jedoch mit einer anderen Steigung. Gemessen haben wir 63,4 km/h, was Platz zwei bedeutet. Identische Getriebeübersetzung und Propellerabmessungen, jedoch aus Aluminium, waren beim Mercury und Tohatsu installiert; auch die Höchstgeschwindigkeit beider Motoren ist identisch. Sie teilen sich mit den erreichten 62,2 km/h Platz drei bei der Geschwindigkeitswertung.

Jedoch sind Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit nicht alles. Wichtiger sind meist Verbrauch und Geräuschentwicklung. Hier konnte der "kleine" Yamaha seine Stärken zeigen. Bei Volllast sind mit dem F70 die 105 l Kraftstoff, bei einem Verbrauch von 0,36 l/km, nach einer Distanz von 293 km aufgezehrt – was dem Yamaha einen weiteren Pluspunkt beschert. Platz Nummer zwei mit respektablen 265 km geht an Mercury, gefolgt von Suzuki mit 246 km auf Platz drei. In Sachen Lautstärke bei Volllast glänzt Honda mit dem niedrigsten Wert von allen. 88 dB/A und damit 3 dB/A lauter als der Honda ist der Yamaha. Die Differenz zum drittplatzierten Mercury beträgt nur 1 dB/A.

Mit einem Gleiter wirtschaftlich zu fahren, heißt schnell und gleichzeitig sparsam unterwegs zu sein. Die wirtschaftlichste Geschwindigkeit der Kombination Silver Hawk und Yamaha E70 liegt bei 35 km/h. Fährt man dieses Tempo, fließen 0,27 l/km durch die Einspritzdüsen, und eine Tankfüllung reicht für 386 km. Im Hinblick auf die Lautstärke bewegt man sich dann bei 76 dB/A, was gleichzeitig der niedrigste Wert ist. Beim Honda ergeben sich 40 km/h als ökonomische Geschwindigkeit. Die Reichweite beträgt dabei 367 km bei einem Verbrauch von 0,29 l/km. Mit 78 dB/A auf der Messskala ist er dabei auch angenehm leise. Überrascht hat der OptiMax von Mercury. Zweitakter gelten als "Saufziegen", was wir aufgrund der Messergebnisse nicht bestätigen können. Gleitet man bei 40 km/h übers Wasser, fließen 0,30 l/km durch die Kraftstoffleitung. Auch die 81 dB/A, die der Motor dabei produziert, sind akzeptabel.

Fazit: Honda zeigt, dass es sich lohnt, einen Edelstahlpropeller zu montieren, und der Evinrude kann seinen Titel als schnellster Motor verteidigen. Motorenbauer Mercury erbringt den Beweis, dass auch Zweitakter heutzutage sparsam und leise sein können. Möchte man einen leichten Motor mit niedrigem Verbrauch und geringer Lautstärke, jedoch ohne Sprintereigenschaften haben, ist man mit dem Yamaha E70 gut bedient. Wenn man lieber schnell unterwegs ist und Verbauch und Geräuschaufkommen keine große Rolle spielen, empfiehlt sich der wartungsarme und günstige Evinrude. Hondas BF75 platziert sich in jeder Kategorie im oberen Segment, hier bekommt man einen echten Alleskönner zum Preis von 9900 Euro plus Propeller.

Sebastian Gollasch am 15.03.2013