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Interview: Howard Pridding über den Brexit

Zügig Klarheit schaffen

Angelika Nielsen am 13.04.2018

British Marine CEO Howard Pridding über den Brexit, die reformierte London Boat Show und ein Jubiläum

BOOTE: Wie hat die Branche das Brexit-Votum verkraftet?

Howard Pridding: Das Referendum vor knapp zwei Jahren war zunächst ein Schock für Wirtschaft und Verbraucher. Aber bereits drei Monate später auf der Southampton Boat Show schienen sich die Menschen vom Schock wieder erholt zu haben.

In der Beziehung hat die Branche das Votum also gut verkraftet. Wir sind eine starke Exportnation und von jeher robust und flexibel. Britische Bootsbauer genießen einen ausgezeichneten Ruf für gute Qualität, Design und Innovation, und wegen des geschwächten Pfundes bieten wir zurzeit ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis.

An der Exportfront sieht es zurzeit also sehr gut aus. Ähnliches gilt für den maritimen Tourismus: Die Anzahl ausländischer Touristen, die ihren Bootsurlaub in Großbritannien verbringen, ist gestiegen und auch viele Briten verbringen den Urlaub in der Heimat.

Das größte Problem für die Wirtschaft stellt die aktuelle Unsicherheit dar. Deshalb steht British Marine in ständigem Kontakt mit unserer Regierung. Unsere nachdrückliche Forderung an die Politiker: Wir kümmern uns weiter um unser Geschäft, aber Ihr müsst jetzt zügig politische Klarheit schaffen.

BOOTE: Ihre Wünsche für den Brexit?

Howard Pridding: Die britische Bootsbranche wünscht sich so reibungslose Zollregelungen wie möglich, damit der Warenverkehr auch weiterhin frei fließen kann. Ein besonderes Anliegen der Branche ist es, den Status von Fahrzeugen als Unionsware und für Boote den Status als "EU-versteuert" beizubehalten, damit der Gebrauchtbootemarkt zwischen Großbritannien und der EU weiterbestehen kann.

Wir möchten, dass Großbritannien ein attraktiver Arbeitsplatz für qualifizierte EU-Bürger bleibt mit möglichst niedrigen Hürden, damit qualifizierte Fachkräfte aus Großbritannien und der EU uneingeschränkt grenzüberschreitend arbeiten können.

Wir streben auch den Fortbestand der Angleichung der Rechtsvorschriften (z. B. die einheitlichen Vorschriften für Wassersportfahrzeuge) an, um sicherzustellen, dass es keine Zollschranken zwischen Großbritannien und der EU gibt und dass der bürokratische Aufwand nicht zunimmt.

BOOTE: Im Januar fand unter Ihrer Leitung wieder die London Boat Show statt. Dieses Jahr hatten Sie die Ausstellung von zehn auf fünf Tage verkürzt. War das neue Konzept erfolgreich?

Howard Pridding: Ja, wir hatten die Show hauptsächlich aus Kostengründen verkürzt. Für viele Unternehmen sind zehn Tage aufgrund der hohen Übernachtungskosten in London, Personalkosten usw. einfach zu teuer. Die verkürzte Ausstellungsdauer hat 70 neue Aussteller angezogen.

Insgesamt belief sich die Ausstellerzahl dieses Jahr auf 347, also mehr als im letzten Jahr. Wir konnten unseren Besuchern viel Neues bieten: 94 Boots- und Produktpremieren, bisher unbekannte Marken, innovative neue Start-ups, neue Attraktionen für die ganze Familie, neue Arten, Wassersport zu erleben, Urlaubsideen.

Howard Pridding

Insgesamt konnten wir über 52 000 Besucher begrüßen – weitaus mehr pro Tag als im Vorjahr. Das hat zu einer guten, lebendigen Atmosphäre beigetragen.

BOOTE: Welche Highlights erwarten uns auf der Southampton Boat Show im September?

Howard Pridding: Die Southampton Boat Show feiert 2018 ihr 50-jähriges Bestehen. Es wird das größte Wassersportfestival des Jahres. Ob Segelanfänger, Paddleboarder oder erfahrener Skipper, alle kommen auf ihre Kosten.

Das Highlight der Show ist nach wie vor die weltweit bekannte Marina, Europas größter, eigens angelegter Yachthafen mit über 2 km Stegen mit mehr als 330 neuen Bootsmodellen bekannter britischer und internationaler Hersteller.

Angelika Nielsen am 13.04.2018
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