Yachtcharter Knuth Yachtcharter Knuth

Portrait

Yachtcharter Knuth

Ingrid Bardenheuer am 02.06.2017

Gudula und Michael Knuth Yachtcharter Knuth, eine Institution im Ruhrgebiet. Für ihre Kunden setzen sie alle Hebel in Bewegung

Eigentlich wollte er mich mal mit in den Pütt genommen haben. An seinen Arbeitsplatz auf der Zeche Auguste Victoria, rund eineinhalb Kilometer unter der Erde. Irgendwie hat es nie geklappt, und mittlerweile ist Michael Knuth im Vorruhestand.

Unser Treffen findet nun über Tage statt, bei ihm und seiner Frau zu Hause. Gudula und Michael Knuthleben in einer ehemaligen Bergbausiedlung, die Nachbarn sind Kumpel wie er. Jenseits des Gartens schimmert Wasser – der Datteln-Hamm-Kanal.

Am Ufer gegenüber, in einem früheren Industriehafen, liegt das Westfälische Sportbootzentrum Marina Rünthe. Hier hat Yachtcharter Knuth seinen Sitz. Firmeninhaberin ist Gudula Knuth. Immer zur Stelle, wenn sie Unterstützung braucht: ihr Mann Michael.

Vor der Einfahrt in die Grube hätten sie mir als Erstes den Selbstretter erklärt, meint Michael Knuth und holt gleich eins dieser Atemschutzgeräte hervor, damit ich weiß, wovon er spricht. Danach zeigt er mir eine Vitrine. Auf ihr steht eine Figur der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute. Im Innern des Schrankes sind Wetterlampe, Henkelmann und andere Utensilien ausgestellt, auch zwei glänzende Steinkohlebrocken und ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Glückauf".

Michael Knuth, Jahrgang 1964, stammt aus einer Bergarbeiterfamilie in Kamen. Nach der Realschule folgt die Ausbildung auf einer Zeche. Und noch etwas passiert Anfang der 1980er: Zwischen ihm und Gudula „funkt" es. Seit ihrem 14. Lebensjahr kennen sie sich, fortan sind sie ein Paar. Gudula, ebenfalls Jahrgang 1964, wird kaufmännische Angestellte.

Michael ist unter Tage im Streckenvortrieb tätig. 1989 erwerben beide ein renovierungsbedürftiges Bergarbeiterhaus am Datteln- Hamm-Kanal. Sie krempeln die Ärmel hoch und machen daraus ein gemütliches Eigenheim – bis heute ihr Domizil.

Dass später in Sichtweite die Marina Rünthe entstehen würde, konnten sie seinerzeit nicht ahnen. Denn in jenen Tagen dreht sich im „Pott" noch alles um Kohle und Stahl. Bald mischt sich der Zufall (oder das Schicksal) aufs Neue ein.

Michael Knuth will Steiger werden und beginnt eine Fortbildung. An der Technikerschule bietet ein Lehrer neben dem üblichen Pensum einen Sportbootführerscheinkurs an. Michael Knuth bucht den Lehrgang, anschließend wird gechartert. So sind er und seine Frau aufs Wasser gekommen.

Ab den frühen 1990ern spitzt sich die Kohlekrise an Rhein und Ruhr zu. Gudula und Michael, inzwischen verheiratet, denken über ein zweites Standbein nach. Ihre Überlegungen beflügelt ein Projekt, das am Kanalufer gegenüber ihrem Haus angelaufen ist – die Umwandlung des dortigen Industriehafens in eine Marina. Schnell steht für sie fest: Wir kaufen ein Boot und vermieten es. Selbst manchem Revierskipper erschien das Vorhaben damals mehr als kühn. Michael Knuth pflegte zu kontern:

"Du fährst hier doch auch Boot. Warum? Weil es schön ist. Siehste!"

1995, mit Eröffnung des Westfälischen Sportbootzentrums Marina Rünthe, geht Yachtcharter Knuth an den Start. Gudula Knuth gehört der Betrieb, ihr Mann arbeitet weiterhin im Bergbau. Auf vier Boote ist die Knuth-Flotte seit Gründung der Firma angewachsen.

Und die Zukunft? Man lasse alles auf sich zukommen, so Gudula Knuth. Et kütt, wie et kütt, wie die Rheinländer verzällen. Doch halt, wir sind hier in Westfalen! Michael Knuths Lachfalten tanzen. „Jau", sagt er mit Nachdruck.

Ingrid Bardenheuer am 02.06.2017
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