Kartenwerke: Welche App ist für die Binnennavigation geeignet? Kartenwerke: Welche App ist für die Binnennavigation geeignet?

Zubehör: Navigation

Navi-Apps für Binnenreviere

Klaus Seelig am 28.04.2016

Sogenannte Navi-Apps gibt es viele. Doch welche sind für Binnenreviere geeignet und was können sie wirklich? Wir verschaffen Ihnen einen Überblick.

Inzwischen gehören Tablets oder Smartphones bei vielen Sportbooten bereits zur Standardausrüstung. Kein Wunder, denn sie sind vielseitig einsetzbar und ersetzen oder ergänzen darüber hinaus oft die traditionellen Navigationssysteme.

Im Seebereich wird die Diskussion über Sinnhaftigkeit und Qualität dieser Angebote bereits seit langem geführt. Doch wie sieht es damit im Binnenbereich aus? Unser Test soll bei der Entscheidung helfen.

Wenn man im App-Store von Apple oder im Play-Store von Google nach Navigations-Apps sucht, wird man schnell und umfangreich fündig. Beim näheren Hinschauen werden allerdings auch fundamentale Unterschiede gerade im Hinblick auf Binnenreviere deutlich. Viele der Anbieter haben gar keine Karten für Binnenwasserstraßen im Angebot.

Einige beschränken sich auf nur wenige Ausschnitte und lassen den ambitionierten Binnenkapitän quasi im Dunklen stehen, wenn er sich außerhalb dieses Bereichs bewegen will. Plan2Nav zum Beispiel hat zur Zeit nur Karten von Frankreich im Angebot. Andere wie Seapilot beschränken sich auf einige wenige Gewässer wie die Schlei, die Elbe bis Hamburg oder die Weser bis Bremen.

Navi-Apps

Navi-Apps

Wir haben uns bei der Betrachtung auf die Anbieter beschränkt, die ein einigermaßen flächendeckendes Angebot bereitstellen. Dies sind die Angebote der Kartenwerft aus Flensburg, des NV-Verlages aus Eckernförde, die iSailor-App von Transas aus Irland, SeaPal – eine gemeinsame Entwicklung der Hochschule Konstanz und der Internationalen Bodensee Nachrichten IBN und die Navionics-App aus Italien. Die Yacht-Navigator-App aus dem Delius Klasing Verlag wird dabei in einer späteren Ausgabe getestet, da die entsprechenden Binnenkarten erst im Verlauf dieses Jahres zur Verfügung stehen werden.

Datengrundlage
Die unterschiedliche Verfügbarkeit von Karten liegt auch daran, dass die Anbieter sehr unterschiedlich an die Aufgabe herangegangen sind. Am einfachsten ist es, sogenannte ENC-Datensätze zu verwenden. ENC bedeutet dabei "Electronic Navigational Charts". Die amtlich produzierten Daten im S-57-Format werden vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie  BSH hergestellt und stehen für die deutsche Ost- und Nordsee zur Verfügung.

Für den  Binnenbereich gibt es entsprechende Datensätze von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes WSV. Allerdings werden dabei nur die Hauptadern der Berufsschifffahrt dargestellt. Und dies gilt nicht nur für die auswählbaren Gebiete – der Elbe-Lübeck-Kanal oder die Ems sind beispielsweise nicht erhältlich – sondern auch für die Darstellung der einzelnen Streckenabschnitte.

Wegen der Bereitstellung für die Berufsschifffahrt wird auch nur die Fahrrinne ausführlich beschrieben. Alle Gewässer daneben werden nur rudimentär oder gar nicht beleuchtet. Das heißt, dass in einem solchen Fall die Wassertiefe in einer Bucht abseits der Fahrrinne für den Skipper oft ein Rätsel bleibt. Entscheidend ist also auch, inwieweit die Anbieter die bereitgestellten Datensätze bearbeiten, oder eventuell nach den amtlichen Kartensätzen selbst herstellen.

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Klaus Seelig am 28.04.2016
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