Bavaria Sport 31 Bavaria Sport 31
Bootstests

Bavaria Sport 31

Peter Lässig am 09.05.2012

Mit Vollgas in die Zukunft: Den Franken gelang mit der neuen Bavaria Sport 31 eine gute Kombination aus Sportlichkeit, Eleganz und Raumangebot.

Bavaria Sport 31

Bavaria Sport 31

Fotostrecke: Bavaria Sport 31

Fotostrecke: Bavaria Sport 31

Die Bavaria Sport 31 wurde erstmals 2011 auf der Messe in Friedrichshafen der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie ist zwischen der Sport 28 und Sport 34 angesiedelt und hat aus beiden Booten – was die Raumausnutzung angeht – das Beste leicht modifiziert mitbekommen: Aus der Sport 28 die Unterflurkabine und aus der Sport 34 den Motorraum, den Salon mit Dinette und das Bad sowie das Vorschiff mit den zwei großen Kojen. Man kann daher sagen, die Sport 31 ist eine „kleine Sport 34“. Bei der Motorisierung gibt es die Wahl zwischen einem oder zwei Diesel- oder zwei Ottomotoren mit Z-Antrieben. Motoren- sowie Antriebslieferanten heißen MerCruiser und Volvo Penta.

Unser Testboot ist das erste Boot, das für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Andere Werften nennen das „Prototyp“, um damit Qualitäts- oder Verarbeitungsmängel zu entschuldigen. Wir haben daher auf und in der Sport 31 intensiv nach Schwachpunkten gesucht. Gefunden haben wir ein paar nicht verrundete Holzschnittkanten bei Kabel- und Schlauchdurchführungen im Wohnbereich und zwei nicht behandelte Kunststoffschnittkanten unter dem Motorraumdeckel.

Sonst haben wir nichts festgestellt, was die Werft nicht auch schon auf ihrer Liste notiert hat, wie zum Beispiel, dass man die Kraftstoffzuleitung zu den Motoren seitlich und nicht auf den Fundamentstringern anbringt oder dass man die über das Boot hinausragende Reling anpasst. Davon abgesehen sind die Motorboote von Bavaria neben CE zusätzlich von Lloyds zertifiziert und entsprechen den überaus strengen Einbaurichtlinien von Volvo Penta. Unser Kommentar im Testbogen bei dem Punkt „Verarbeitung und Gesamteindruck bei der Ausführung der Kunststoff- und Holzarbeiten sowie technische und elektrische Installationen“ fällt kurz und knapp aus: gut.

Fahren und Manövrieren

Unser Testboot ist mit zwei Volvo-Penta-V8-Motoren bestückt. Schalten und Gasgeben erfolgen dank EVC-D-Schaltbox auf elektrischem Weg präzise und leichtgängig. Die letztgenannte Eigenschaft besitzt die Servosteuerung hingegen nicht. Da müssen die Franken noch was tun. Zwei Motoren mit zwei Antrieben sind ein Garant für Wendigkeit, da benötigt man in langsamer Fahrt eigentlich kein Ruder, sondern bestenfalls das optionale Bugstrahlruder, wenn beim An- oder Ablegen Wind oder Querströmung stören.

Unser Testboot lässt sich jedenfalls in enge Boxen rückwärts ohne Probleme „einparken“ und dreht auf der Stelle, wenn ein Schalthebel auf „voraus“ und der andere auf „zurück“ steht. Sind beide Getriebe vorwärts eingekuppelt, durchmisst ein Vollkreis knapp 1 1/2 Bootslängen.

Um die vom Boot in langsamer Fahrt (6 kn) erzeugten Wellen niedrig zu halten, lassen wir beide Motoren nicht höher als 1200/min drehen. Der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt ist mit kurzer Sichtbehinderung verbunden, das Vordeck gerät ins Blickfeld. Die kleinste Gleitfahrt messen wir bei 2800/min (17 kn), und ökonomisch fährt man in schneller Gleitfahrt mit dem Testboot bei 3500/min oder mit einem Tempo von 25 kn.

Die beiden Motoren beschleunigen das Boot auf maximal gut 40 kn. Bei wirtschaftlicher Fahrweise reicht eine Tankfüllung Normalbenzin für eine Wegstrecke von etwa 124 sm und bei Vollgas für knapp 100 sm, bis man sich nach einer Bunkerstation umschauen muss, sollen die 15 % Reserve erhalten bleiben. Damit verfehlt die Sport 31 mit den beiden V8 unsere Minimalforderung von wenigstens 150 sm Aktionsradius plus Reserve und wird mit gerade noch „ausreichend“ gewertet.

Die gleiche Note erhält die Schalldämmung, da der Schalldruck ab 4000/min die Komfortgrenze von 85 dB/A überschreitet. Dafür überzeugt die maximale Motorraumtemperatur, die nur 2 °C über der Außenlufttemperatur liegt.

In den immer enger verlaufenden schnellen Kurven neigt sich die Sport 31 mit ganz beigetrimmten Z-Antrieben leicht zum Kurvenmittelpunkt und zieht ihre Bahn, während sie sich von allein bis auf schnelle Verdrängerfahrt abbremst. An engster Stelle zeigt sich leichtes Schaukeln, jedoch ohne dass der  Rumpf einhakt, der unvermittelt nach dem Herauslenken wieder Fahrt aufnimmt.

Mit Trimm passiert das Gleiche, nur dass das Testboot einen Tick früher zu schaukeln beginnt und am Ende die Propeller ventilieren. Das ist nicht ungewöhnlich und bedeutet „neu anfahren“. Auf dem imaginären Slalomkurs pendelt die Sport 31 ungefährlich über die Längsachse, beim Verreißen des Ruders folgt sie dem eingeschlagenen Kurs, ohne zu mucken.

Fürs Thema „Rauwasser“ mussten die Wellen von anderen Sportbooten und Fähren herhalten, was aber für das Testboot keine große Aufgabe darstellte. Der Rumpf signalisierte, dass er auch mit größeren Wellen klarkommt.
Gut gestaltet präsentiert sich der Fahrstand samt in Längsrichtung verstellbarem Fahrerschalensitz: sicheres Sitzen, alles im Blick und Griff.

Vor dem Fahrer ist die Sicht durch die Frontscheibe dank darunter angeordnetem, reflexfreiem Kabinendachfenster ungehindert, an Backbord spiegelt sich dagegen der helle Untergrund in der Windschutzscheibe. Gut: Ein stabiler Scheibenwischer auf der Fahrerseite mit Endschalter zählt wie Log und Lot zur Serienausstattung.

Motor, Tank, Elektrik

In den Motorraum gelangt man von oben, wenn der darüber liegende Deckel mit großem Stauraum darin und Sonnenliege darauf auf Knopfdruck hochgefahren wird. Dann blickt man auf die tief liegenden Motoren und eine Aluminiumplattform mit Leiter (Extra), die den Ab- und Aufstieg sicher ermöglicht.

Die V8 stehen frei in einem sauber gestalteten und mit feiner Installation versehenen Motorraum, wo neben anderen Aggregaten auch Benzintank und Batterien untergebracht sind. Letztere stehen gut gehaltert in separaten mit Deckeln versehenen Kunststoffkästen.

Den Kraftstofffluss regulieren Magnetventile über die Zündung, und große Vorfilter ohne Wasseralarmsensoren sorgen für sauberen Sprit. Die Elektrik für Boot und Motoren wird am Fahrstand über Drucktasten geschaltet. Drei permanent laufende Absaug-gebläse halten die Motorraumtemperaturen auf niedrigem Niveau.

Sicherheit

Hier punktet die Bavaria Sport 31 mit ihren guten und berechenbaren Fahreigenschaften und dem außenbords lenzenden Cockpit. Lobenswert ist die automatische Feuerlöscheinrichtung im und die Handlenzpumpe für den Motorraum. Dass aber die elektrische Lenzpumpe und Einstiegsleiter darin auf der Zubehörliste stehen, kritisieren wir und werten das mit „ausreichend“.

Gut ist, dass man über Alarmsensoren in den Kraftstoffvorfiltern und einen Haltegriff im Cockpit über der Bar nachdenken will. Ansonsten, gibt es, was Haltegriffe angeht, nichts zu mäkeln. Unser Testboot ist mit der aufpreispflichtigen großen Badeplattform ausgestattet, in der Badeleiter nebst Haltegriff integriert sind. Darüber hinaus sind bis aufs Vordeck alle begehbaren Ebenen mit Teakholzersatz belegt, der für sicheren Tritt sorgt. Die Auf- und Abgänge auf die Seitendecks sind ebenfalls sicher.

Wohnen, Cockpit und Ausrüstung

Die Sport 31 ist ihrem Aussehen nach ein großer Daycruiser. Unter Deck hat die Werft im Vorschiff eine V-Koje für zwei Erwachsene untergebracht, die mittels Vorhang vom Salon separiert wird. Die Pantry ist im Salon an Steuerbord eingebaut und mit Spüle, Kühlschrank und einem aufpreispflichtigen Gaskocher ausgestattet. Gegenüber sitzt man am festen Tisch auf einer L-Sitzbank mit Stauraum darunter und dahinter.

Im Anschluss an die Pantry geht es ins Bad mit Marine-WC und dazugehörigem Fäkalientank. Wer warm duschen will, muss für Boiler und Brause Aufpreis zahlen, serienmäßig duscht man mit kaltem Wasser an der Heckdusche. Respektabel geräumig präsentiert sich die Unterflurkabine unter dem Cockpit. Doppelbett, Schränke, Stauräume, Sitzbank, Stehhöhe am Eingang, alles da. Für die Lüftung wünscht man sich größere Bullaugen.

Das Cockpit ist zweigeteilt. Vorn U-Sitzbank mit Tisch an Steuerbord und gegenüber Fahrstand mit Cockpitbar. Hinter der Sitzgruppe bilden Motorraumdeckel, Staukasten und Sonnenliege eine Einheit. Über allem thront der Kunststoff-Geräteträger, an dem das Verdeckgestänge befestigt ist.

Bavaria rüstet die Sport 31 serienmäßig fahrfertig aus. Unser Testboot besitzt nahezu Vollausstattung und kostet mit zwei 320-PS-V8-Benzinern 177 334 Euro. Manko: Man zwingt den Kunden, auf der Zubehörliste Lenzpumpe und Leiter im Motorraum anzukreuzen, die nach unserer Meinung ein Muss sind. Extra kosten Verdeck und Persenning, was wir mit „mangelhaft“ werten. Dafür zählen sechs große Belegklampen, Ankerkasten mit Bugbeschlag und in Deutschland zulässige Navigationslampen zur Serienausstattung.

Peter Lässig am 09.05.2012