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Test: Cranchi Z 35

Leistungsträger

Peter Lässig am 14.09.2017

Cranchi Z 35: Es gibt nur einen Z-Cruiser von der Traditionswerft aus Italien – aber der hat es drauf und drin

Die italienische Werft Cranchi ist breit aufgestellt. Sie offeriert derzeit 18 Modelle – vom knapp 8 m langen Daycruiser für Außenbordmotoren bis hin zu Innenborder-Kabinenbooten, Trawlern und Yachten, die bei 19 m enden.

Die Bootswerft existiert seit 1870 und zählt zu den modernsten Europas. Mit der Ausrichtung auf neueste Technik und höchste Qualität fährt sie erfolgreich; schon mehrfach wurden Cranchi-Boote als European Powerboat of the Year ausgezeichnet. Auch die Z 35 zählte zu den Nominierten für den diesjährigen Titel. 

In puncto Verarbeitung außen und innen sowie technische und elektrische Installation hinterlässt sie insgesamt einen sehr sauberen Eindruck. Der Innenausbau fällt homogen aus, bei der Holzverarbeitung, der Lackierung und den Polstern innen und außen sammelt das Boot gute Noten. Die Z 35 ist übrigens trotz des Namens kein 35-Fuß-Boot, sondern knapp über 38 Fuß lang, misst also einen ganzen Meter mehr. 

Fotostrecke: Cranchi Z 35

 

Fahren und Manövrieren 

Zwei Motoren plus Bugstrahlruder garantieren Wendigkeit bei langsamen Manövern wie zum Beispiel beim An- oder Ablegen. Während der langsamen Passagen (7 kn) lassen wir beide Motoren maximal 1000 U/min drehen, damit die vom Boot erzeugten Wellen nicht stören.

Mit ganz beigetrimmten Antrieben und Trimmklappen auf Nullstellung geht die Z 35 bei guter Voraussicht und ohne sich allzu viel zu vertrimmen, zügig von Verdränger- in Gleitfahrt über.

Die kleinstmögliche Gleitfahrt messen wir bei Tempo 18 kn (2300 U/min), die Höchstgeschwindigkeit mit knapp 35,5 kn und 100 U/min über Nenndrehzahl. Angesichts der Beladung spricht das für passende Propeller.

Nach Auswertung unserer Messwerte zeigt sich, dass die Z 35 in einem Bereich zwischen 2500 bis 3000 U/min oder von 22 bis 28 kn in schneller Gleitfahrt wirtschaftlich unterwegs ist. Eine Tankfüllung reicht dann theoretisch für 227 bis 214 sm und bei Vollgas für etwa 166 sm zuzüglich 15 % Reserve. Soll erfüllt – gut. 

Alle mit Höchstgeschwindigkeit gefahrenen Extremmanöver absolviert die Z 35 mit Bravour: sowohl bei der imaginären Slalombahn, bei der man das Boot über die Längsachse zum Schwingen bringt, ohne die Insassen zu gefährden, als auch beim Verreißen des Ruders, wo es klaglos dem einmal eingeschlagenen Kurs folgt.

Das Gleiche gilt für die 180°-Wenden, die im Radius von etwa eineinhalb Bootslängen in einem Rutsch absolviert werden, ohne dass der Rumpf einhakt. Nur wenn die Antriebe in getrimmter Position verbleiben, macht sich das mit einer Setzbewegung bemerkbar, die jedoch nicht zu stark ausfällt.

Hervorragend: Zur Not lässt sich das Testboot auch mit nur einem Motor fahren; es ist dann etwas mehr als 11 kn schnell und kommt mit vollem Tank theoretisch knapp 150 sm weit (zuzüglich Reserve).

Unser Testrevier ist die Laguna di Ma­rano an der nördlichen Adria zwischen Venedig und Triest, wo sich auch das Testcenter von Cranchi befindet. Stahlblauer Himmel und eine nur leicht kabbelige See taugen nicht zum Rauwassertest, also müssen die eigenen und die von Fischerbooten erzeugten Wellen herhalten. Die bewältigt das Testboot ohne großes Aufheben und vermittelt, dass man auch mit größeren Kalibern umzugehen vermag.

Der Skipper sitzt auf einer nicht ver­stellbaren Bank mit teilweise klappbarer Sitzfläche und hat alle Instrumente sowie das Geschehen auf dem Wasser gut im Blick; wenn die Fenderkörbe bestückt sind, schränken sie das Sichtfeld jedoch ein. Außerdem stören uns die Reflexionen in der Windschutzscheibe, deren Tönung für unser Empfinden ein kleines bisschen heller ausfallen dürfte. Zudem ist sie aus Kunststoff und erscheint aufgrund der geringen Kratzfestigkeit für den Einsatz von Scheibenwischern wenig geeignet.

Die hydraulische Steuerung arbeitet durchweg leichtgängig, solange man das Ruder nicht zu schnell bewegt. Hektische Bewegungen dämpft in diesem Fall ein sich aufbauender Widerstand, was auch der Sicherheit dient.

 

Technik und Sicherheit

Eine Bodenluke gibt im Cockpit den Zugang zum Motorraum frei. Beanstanden müssen wir, dass diese nicht gegen Motor­raum­ausschnitt und Cockpitdrainage abdichtet und dadurch auch den Motorenlärm austreten lässt. Als Einstiegshilfe fungieren zwei Stufen.

Mit zwei Motoren, Zubehör und Aggregaten ist der Motorraum gut gefüllt, zumal die Decke (Cockpitboden) nicht allzu hoch über den Motoren angesiedelt ist. Hinunter geht man nur, wenn man muss, und bei Service- oder Reparaturarbeiten ist ein schlanker Monteur im Vorteil. Für die Revision lässt sich die Motorraumdecke entfernen.

Die Hauptschalter findet man leicht zugänglich in der Cockpit-Pantry und die Thermosicherungen in der Schalttafel im Salon. Kritik gilt dem sparsamen Umgang mit Handläufen und Haltegriffen im Cock­pit sowie dem Staufach für die Gasflasche unter dem Fahrersitz, dessen Entlüftung nicht der deutschen Norm entspricht. Und wenn schon (eigentlich lobenswert) Kraftstoffvorfilter installiert werden, dann bitte auch mit Wasser­alarmsensoren. Ohne sie macht diese Vorrichtung wenig Sinn. Ebenfalls unpassend: Der Schwanenhals der Tankentlüftung endet weit unterhalb des Einfüllstutzens.

Ansonsten werden alle von uns geforderte Standards erfüllt, wie zum Beispiel Feuerlöschanlage, fernabschaltbare und mechanische Kraftstoffhähne oder manuelle und elektrische Lenzpumpen. Beim Brenntest einer entnommenen Probe der allseitig vorhandenen Motorraumdämmung zeigt sich diese als brennbar, aber selbstverlöschend. Auch dank ihrer guten und vor allem sicheren Fahreigenschaften erhält die Z 35 in dieser Kategorie also insgesamt eine hohe Punktzahl.

 

Wohnen, Cockpit und Ausrüstung

Das Unterdeck füllen die Bugkabine, die Eignerkabine achtern und dazwischen der Salon mitsamt der voll ausgestatteten Pantry und der zur Notkoje wandelbaren Dinette. Nicht zu vergessen: ein Bad mit Seetoilette. Bis auf die für den Tester etwas zu schmal geschnittenen Türen der Kabinen und des Bads stimmen in allen Bereichen die Maße.

Geschlafen wird auf gut dimensionierten Doppelkojen, und dank der Räumlichkeiten und Fensterfronten erscheint der Wohnkomfort unter Deck mehr als angenehm. Dass es weder hier noch auf Deck an Stauraum mangelt, gehört zum Konzept.

Im Cockpit dominiert achtern die zur großen Liege wandelbare Sitzgruppe und vorn eine Sitzgelegenheit plus Fahrstand. Zur Sonnenliege vorn gelangt man ent­weder über Treppenstufen und das klappbare Scheibenmittelteil oder über die Seitendecks. Reling und Scheibenrahmen bieten dabei guten Halt. Von achtern betritt man die Z 35 entweder über die zen­tral montierte Gangway oder über die ausladende Badeplattform und Hecktür an Steuerbord.

Noch ein Wort zum Thema Ausstattung: Die Werft liefert die Z 35 fahrfertig aus. Durch eine gut bestückte Zubehörliste hat man die Möglichkeit, das Boot indi­viduell auszurüsten und auf den persön­lichen Geschmack zuzuschneiden. Dass man auch Notwendiges wie Fäkalientank, Echolot, Verdeck oder Persenning dazukaufen muss, gehört zum Marketing wie anderswo auch.

 

Fazit

In der Summe ist die Z 35 ein sauber verarbeitetes Boot mit ansprechendem und vor allem sicherem Fahrverhalten, das man jedem an die Hand geben kann. Die Räumlich­keiten auf und unter Deck gefallen, es bräuchte allerdings ein paar Haltegriffe mehr. Die Werft veröffentlicht realistische Verbrauchsdaten, die Zahlen stimmen mit unserem Test nahezu überein.

Datenblatt: Cranchi Z 35

Werft: Cantiere Nautico Cranchi S.p.A.
Typbezeichnung: Cranchi Z 35
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 11,70 m
Breite (m): 3,53 m
Verdrängung (kg): 7,25 t
Preis: 273.688,00 €
Peter Lässig am 14.09.2017
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