Delphia Escape 1080 Delphia Escape 1080

Test: Delphias Escape 1080 Soley

Polnischer Preishammer

Sebastian Gollasch am 31.10.2017

Gut und günstig: Delphias Escape 1080 Soley ist ein Kunststoff-Verdränger mit Segelboot-Flair für Um- und Einsteiger. Das polnische Kajütboot im Test.

Dieser Test erschien in BOOTE-Ausgabe 06/2014. Aktuelle Tests lesen Sie im gedruckten Magazin, oder in der Digital-Ausgabe.

Die Escape 1080 Soley gehört zu den Motorboot-Modellen der Werft Delphia. Neben ihr produzieren die polnischen Bootsbauer noch fünf weitere Motor- und acht Segelyachten. Mit dem Bau der Letzteren begann die Werft im Jahr 1990, Motorboote folgten erst später – nämlich als die ersten Interessenten nach einem ausschließlich motor-angetriebenen Boot fragten. Der "Einfluss der Segelboot-Sparte" bleibt freilich dennoch erkennbar und spiegelt sich auch bei unserem Testboot an einigen Stellen wider.

Die Delphia Escape 1080 Soley ist eine Motoryacht mit 10,80 m Länge, 3,45 m Breite und bringt insgesamt 5300 kg auf die Waage. Je nach Raumaufteilung bietet sie vier oder sechs Schlafplätze plus zwei Notkojen im Salon. Hinsichtlich des Fahrgebietes lautet die CE-Kategorie bei einer Crew von maximal acht Personen "B" (außerhalb von Küstengewässern).

Fahren und Manövrieren

Mit vorwärts eingelegter Schaltung und Leerlaufdrehzahl des Motors betragen die Wendekreise zu beiden Seiten je 1 1/2 Bootslängen. Schaltet man in den Rückwärtsgang und fährt die gleichen Manöver, vergrößern sich die Kreisdurchmesser auf je 2 Bootslängen. Das Umsteuern bei Rückwärtsfahrt dauert von Steuer- nach Backbord 7 Sekunden; etwas länger (9 Sekunden) braucht es, bis sich der Bug von Back- nach Steuerbord dreht. Ansonsten läuft der Rumpf ohne eine Ruderbewegung gerade auf einer Linie. Hinsichtlich des Eindringens von Wasser bei Rückwärtsfahrt braucht man sich (selbst bei Volllast) keine Sorgen zu machen: Das Freibord im Heck beträgt an dessen Durchgang knapp 0,90 m.

Auf langsamen Passagen lässt man den Drehzahlmesser des Motors nicht mehr als 1250/min anzeigen, was knapp 4 kn entspricht. Die Wellenbildung hält sich bei dieser Geschwindigkeit im akzeptablen Bereich, und das Boot bleibt – auch bei Platzwechsel der Passagiere – kursstabil; der Rumpf krängt lediglich gering zum Gewichtsschwerpunkt. Bei 2000/min oder 5,8 kn – was gleichzeitig der wirtschaftlichsten Geschwindigkeit entspricht – läuft unser Testboot sehr gut.

Fotostrecke: Delphia Escape 1080

So unterwegs reicht eine Füllung des 300 l fassenden Kraftstofftanks für 413 sm, bis es an die Reserve geht. Rechnet man das Ganze um, verbraucht die Delphia 0,62 l Diesel je Seemeile und liegt damit weit über der von BOOTE geforderten Reichweite von 270 sm für Boote dieser Verdrängerklasse. Für die Sicht nach allen Seiten gilt ebenfalls das Prädikat"gut": Weder Bug noch Teile des Aufbaus "ragen" ins Blickfeld. Hinsichtlich der Lautstärke beträgt der von uns gemessene Wert 64 dB/A – was überaus gering ist. 

Mit 1,33 l/sm ist der Konsum des Motors bei Volllast mehr als doppelt so hoch wie bei wirtschaftlicher Fahrt. Die Maximalgeschwindigkeit haben wir bei 7,7 kn gemessen; einen Tankstopp muss man dann bereits nach 192 sm einlegen, will man die Reserve schonen. – Der Geräuschpegel am Fahrstand steigt bei diesem Tempo auf
70 dB/A, was von einer guten Schalldämmung des Motors zeugt.

Als durchweg positiv werten wir die Fahreigenschaften der Escape 1080 in den mit Vollgas gefahrenen Manövern. Bei den immer enger werdenden Kurven neigt sich die Delphia zum Kurvenausgang. Ein Verhalten, das unkritisch ist, und das wir von anderen Verdränger-Booten bestens kennen. Fährt man über Backbord in die Spirale, vernimmt man am Steuerstand "ein Grummeln" des Propellers. 180°-Wenden und Slalomkurse bewältigt die Escape 1080 Soley ohne Ausreißer. Sie neigt sich jeweils – wie schon bei den Kreisen – zu den Kurvenaußenseiten. Beim Verreißen des Steuers folgt der Rumpf eher behäbig den Steuerbefehlen des Skippers.

Zum Thema "Rauwasserverhalten" können wir nicht viel sagen, da unser Testrevier, der Zernsee, kaum "Seegang" bot. Die selbsterzeugten Wellen durchfuhr der Rumpf jedoch aüßerst sanft.

Motor, Tank, Elektrik

Bestellt werden kann die Delphia mit einem bis zu 180 PS starken Diesel-Innenborder; unser Testboot war mit einem Nanni-Diesel ausgerüstet. Er leistet 50 PS aus seinen knapp 2,2 l Hubraum und erhält dabei weder vom Turbolader noch von einem Kompressor Unterstützung. Die vier Zylinder werden im Betrieb von einer Zweikreiskühlung mit Wärmetauscher thermisch konstant gehalten. Ausgerüstet ist der Nanni N4.50 ab Werk mit einer 12-V/100-A-Lichtmaschine; das Gewicht gibt der Hersteller (Motor inklusive TMC60-Getriebe) mit 235 kg an. Abgastechnisch ist der Motor unter anderem auch für den Bodensee zertifiziert – was das aus Delphia Escape 1080 Soley und Nanni N4.50 bestehende "Paket" für solche Reviere interessant macht.

Für die tägliche Sichtkontrolle des Motors muss der Skipper sich bei unserem mit zwei Mittelkabinen ausgestatteten Testboot jeweils in die Kabinen begeben und dort eine Serviceluke öffnen. Auf längere Sicht ein mühseliges Unterfangen, das man eher von Segelbooten kennt.

Kritisch (unterdimensioniert) sieht der BOOTE-Tester auch  die Motorraumbe- und Entlüftung. Grund: Bei unserem Test stieg die Temperatur dieser Räumlichkeit auf über 30 °C – bei einer Außentemperatur von 6,5 °C und einer Wassertemperatur von 8 °C! Im Sommer könnte somit die Motorraumtemperatur höher ansteigen und sich negativ auf Leistung und Lang-lebigkeit der Maschine auswirken.

Der Kraftstofftank ist aus Edelstahl und befindet sich unter dem Salonboden. Er wird von angeschweißten Laschen und Schrauben gehalten. Die Batterien stehen gut befestigt in Kunststoffboxen. Als Hauptschalter dient ein Modell mit Drehmechanismus.

Sicherheit

Neben einer nahtlosen Anti-Rutsch-Struktur auf den begehbaren Oberflächen, stabiler Reling und gut positionierten Handgriffen und -läufen weist die Delphia weitere Sicherheitsmerkmale auf, die man nicht gleich bemerkt. So besitzt der Kraftstofftank neben einer manuellen zusätzlich eine Fernabschaltung am Fahrstand, und alle Borddurchlässe sind schnell über Serviceluken erreichbar.

Wohnen, Cockpit und Ausrüstung

Unters Deck gelangt man über einen Niedergang mit Holzstufen, der mittels Einsteckschott und Schiebeluk verschlossen wird. Die Polster der Kojen wie auch der Sitzgruppe unter Deck sind straff und dick genug, dass sie auch auf langen Strecken nicht durchgesessen werden, und die Staumöglichkeiten in den Kabinen und in der Pantry zeigen sich mehr als ausreichend. Das Platzangebot im WC-Raum ist ebenfalls ausreichend, wobei die Stehhöhe mit 1,92 m positiv auffällt. Sechs Belegklampen, ein Bugstrahlruder, Kochstelle mit zwei Flammen, 230-V-Umformer, 30-l- Wasserboiler und Lowrance-Elite-4-Plotter gehören, ebenso wie Kompass, LED-Navigationsbeleuchtung (auf allen deutschen Revieren zulässig) und je eine elektrische und manuelle Bilgenpumpe, zur Serienausstattung.

DIE WERFT SAGT

Delphia Escape 1080 Soley ist die neueste Motoryacht ihrer Baureihe. Der niedrige Spritverbrauch in Verbindung mit einem klassischen Rumpf macht dieses Boot zum ide-alen Cruiser. Bei der Escape 1080 Soley wurde der perfekte Kompromiss zwischen Funktionalität, Raum und Ästhetik geschaffen. Sie ist, je nach Bedarf, als Zwei- oder Drei-Kabinen-Version erhältlich.

WIR SAGEN

Mit dem oben genannten Boot hat die ehemals reine Segelboot-Werft ein Motorboot gebaut, das sich als durchaus konkurrenzfähig erweist. Das Raumangebot an und unter Deck sowie die Standardausrüstung können sich – ebenso wie die Installationen – sehen lassen. Nicht so überzeugend sind Feuerlöscheinrichtung sowie Servicefreundlichkeit des Motors.

Sebastian Gollasch am 31.10.2017