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Test: Scarab 215 HO Impulse

Hot Shot

Peter Lässig am 05.02.2018

Wer hier am Steuer sitzt, muss alles vergessen, was er von herkömmlichen Booten mit Außenborder oder Innenbordmotor gewohnt ist …

Ein 21-Fuß-Boot mit 500 PS und Jet­antrieb! Kenner erinnern sich da an Art Carlson, der mit Glastron-Carlson-Booten und insbesondere mit seiner CVX-20 in den späten 1970ern den Jet­antrieb gesellschaftsfähig machte und vielen Sportbootfahrern im wahrsten Wortsinn die Tränen in die Augen trieb.

Dessen bewusst, steigen wir in die Scarab 215 HO Impulse – und stellen fest, dass das Adrenalin nach wie vor sprudelt, wenn man den Gashebel in einem Zug nach vorn schiebt und hinter einem zweimal 250 PS mit maximal 8000 U/min Wasser durch zwei Düsen pumpen, während sich der Zeiger des analogen Geschwindigkeitsmessers unaufhaltsam auf die 60 mph-Marke zu­bewegt oder das digitale Zentral­instru­ment zügig in Richtung 92 (km/h) rattert.

Solange sich der Fahrer zurückhält und Ruder plus Gashebel sanft bedient, bekommt man als Beifahrer nicht viel davon mit; das Boot eignet sich dann auch für Fami­lien oder um Wakeboard- oder Wasserskifahrer hinterherzuziehen.

Verfällt der Skipper jedoch der Macht, sprich den Pferdestärken, wird die 215 HO zum ultimativen Herzschlagbeschleuniger. Dazu muss er aber alle Sinne geschärft haben – und alles, was er über das Fahrverhalten herkömmlicher Boote mit Außen- oder Innenborder weiß, vergessen.

Außer den Gleitstufen am Rumpf ist nichts im Wasser, was dem Boot eine Führung geben kann. Das Wichtigste sind der Gashebel und das Ruder. Jetskifahrer kennen das. Und im Grunde genommen ist die 215 HO von ihren Genen her auch ein Jet­ski, allerdings ein sehr komfortabler, in dem man mit mehreren Personen gut sitzen kann.

Jetskigleich steuert man das Boot ausschließlich über den Schub, das heißt mit den beiden Wasserstrahlen, die achtern aus den Düsen strömen und mithilfe des Ruders dirigiert werden. Damit lassen sich Kurven mit normalen Radien fahren, aber auch solche mit extrem kleinen, die einer Bootslänge entsprechen und einer Pirou­ette gleichen. Das Zusammenspiel zwischen Rudereinschlag und Bootsbewegung ist also perfekt. Gut zu wissen, um beispielsweise einem plötzlich auftauchenden Hindernis auszuweichen. Die Fliehkräfte, die dabei auf die Insassen wirken, sind aushalt­bar, da der Rumpf nicht einhakt oder groß schaukelt.

Rückwärts fahren? Dafür sind die Klappen hinter den Düsen verantwortlich, die den Wasserstrahl mehr und weniger stark ablenken.

Dies kann man je nach Strömung des Gewässers so am Armaturenbrett programmieren, dass das Boot mit dem Schalthebel auf Neutralstellung auf der Stelle stehen kann – feine Sache. Was einen aber beim An-, Ablegen oder beim Slippen zur Verzweiflung bringen kann, ist, dass man in Rückwärtsfahrt nicht in die Richtung fährt, in die man das Ruder dreht, sondern in die entgegengesetzte. Mit der Zeit gewöhnt man sich daran.

Dafür ist es möglich, während der Fahrt vom Vorwärts- in den Rückwärtsgang zu schalten – etwas, was nur mit einem Jetantrieb gut klappt. Mit der 215 HO gelingt es auf diese Weise, die Geschwindigkeit vom Topspeed (92 km/h) innerhalb von etwa 120 m auf 8 km/h zu reduzieren – kürzer geht nicht. Und was die Berufsschifffahrt auf dem Main an Wellen produziert, wird problemlos bewältigt. Fährt man parallel zu Wellen, zum Beispiel am Heckwasser von vorausfahrenden Booten, muss man mit Gas und Ruder hantieren, damit man von der Heckwelle nicht weggelenkt wird.

Was läuft durch? In langsamer Fahrt – weniger als 1800 U/min sind systembedingt nicht möglich – reicht eine Tankfüllung bei 4 kn theoretisch für eine Wegstrecke von 147 sm plus 15 % Reserve.

Ab 8 kn beginnt das Testboot zu gleiten, während beide Rotax-Motoren mit 4000 U/min drehen. Mit 1000 U/min mehr, bei 25 kn, ist es unseren Messdaten zufolge wirtschaftlich unterwegs. Dann reicht eine Tankfüllung für 97 sm Nonstopfahrt plus Reserve. Damit erfüllt die 215 HO un­sere Mindestreichweitenforderung. Wer die Drehzahlen voll auskostet, der muss sich schon nach etwa 46 sm nach einer Tankmöglichkeit umschauen, soll die Reserve erhalten bleiben. Dann macht einem zudem die Akustik zu schaffen. Unser Schall­druckpegelmesser zeigt bei 5000 U/min 86 dB(A) mit zunehmender Tendenz an.

Skipper und Co sitzen komfortabel und sicher in passend dimensionierten Schalensitzen. Reflexionen in Scheibe und Instrumenten beeinträchtigen die ansonsten gute Voraussicht. Sonst gibt es am Fahrstand nichts weiter zu bemängeln. Die Gäste sitzen entweder auf der U-för­mi­gen Cockpitbank oder im Bug, wo sie an passend montierten Griffen Halt finden.

Vier Takte, drei Zylinder, Zwei-Kreis-Kühlung, eine Aufladung: In der Summe ergibt das 250 PS mit Jetantrieb. Zwei solche Motoren sind eingebaut, wir sehen aber nur einen Gashebel.

Die Lösung: Beide Motoren werden allein vom Computer überwacht und gesteuert. Der reguliert neben anderem auch den Tempomat. Die Technik steckt weitestgehend unter der Heckbank-Sonnenliege. Aber angesichts derselben wird man sich auf allgemeine Sichtkontrollen und Prüfung der Ölstände beschränken und den Rest dem Servicetechniker überlassen. Wesentliche Ausrüstung wie Handlenzpumpe, Kraftstoffhahn oder Sprit-Vorfilter haben wir nicht entdeckt – dafür jedoch einen automatischen Feuerlöscher im Motor-Tank-Raum.

In puncto Verarbeitung gibt es nicht viel zu kritisieren. Nur hier und da, etwa beim Verschluss der Motorraumklappe, besteht noch Optimierungsbedarf. In der von uns gefahrenen Im­pulse-Version steckt be­reits einiges an Zubehör; hinzu kommen weitere Optionen zur individuellen Gestaltung des Boots.     

Fazit

Die Scarab 215 HO Impulse eignet sich für Familien, Wakeboardund Wasser­skifahrer, aber auch zum "Entschleunigen" mit hohem Adrenalin­faktor, um den Kopf freizupusten – solange man ver­antwortungsvoll bei der Sache ist.

Der Artikel erschien in BOOTE-Ausgabe 5/2017

Peter Lässig am 05.02.2018
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