Stahlboot Spezial Stahlboot Spezial

Spezial: Stahlboote

Heiße Eisen

Erich Bogadtke am 07.08.2017

Kunststoff? Nein Danke! Im Land der Meere und Grachten setzen die Yachtbauer und Konstrukteure nach wie vor auf „Blech".

Stahlyachten gehören genauso zu den Niederlanden wie Tulpen, Tomaten, Windmühlen, Genever und Bitter­ballen. Man steht zu seinen Traditionen. Was jedoch nicht heißen soll, das unsere Nachbarn mit "alten Hüten" durch die Ge­gend schippern. Die Zeiten, in denen jeder Zweite "Holländer" wusste, wie man ein richtiges Boot baut und das auch tat, sind längst vorbei.

Es gibt mittlerweile neue Fertigungstechniken, besseres Material und jede Menge kreative Köpfe, die ihre Ideen in die Tat umsetzen. Die Prämisse „simple Verarbeitung und möglichst viel Raum für wenig Geld" ist out; wer heute eine niederländische Stahlyacht sucht, will alles andere, nur keine graue Maus. Inno­vation ist angesagt. Und das gilt für alle Belange.

König Kunde verlangt nach ei­nem Boot, mit dem er sich sehen lassen kann, grundsolide und funktionell soll es sein, dazu formschön und komfortabel.

Edle Hölzer und Stoffe, eine Eignersuite mit Blick aufs Meer, separate Badezimmer für die Gäste, eine komplett eingerichtete Bordküche, in der der Smut am liebsten übernachten würde, Klimaanlage und versenkbarer Flachbildschirm stehen auf dem Wunschzettel ganz weit oben. Das Interieur muss heutzutage nobel und schick sein, "Gel­senkirchener Barock" war vorgestern. 

Fotostrecke: Stahlboot-Spezial

Auch bei den Antrieben und der Navi­gation ist nullachtfünfzehn längst passe. Man(n) will Technik auf aktuellem Stand und ist bereit, dafür sein Konto zu plün­dern. Trotzdem sind konventionelle Wel­lenanlagen immer noch erste Wahl, was daran liegt, dass 90 Prozent der gebauten Stahlyachten als Verdränger konstruiert sind und mit Wendegetriebe, Welle und Ruderblatt bestens klarkommen.

Ob die Diesel in der per­fekt schallisolierten Motor­kammer 50, 100 oder 200 PS haben müssen, hängt davon ab, wie groß und schwer das Boot ist und was sein Eigner damit veranstalten möchte. Will er auch bei unsichti­gem Wetter Küstengewässer und/oder den Rhein gegen den Strom befahren, geht das nicht ohne leistungsstarke Motoren und moderne Navigationselektronik wie GPS, Radar und Plotter.

Und was ist mit Hafen- und Schleusenmanövern? Hier helfen per Joystick gesteuerte Bug- und Heckschrauben eigentlich allen, nur nicht den Scheidungsanwälten.

Soll heißen, die schlaflosen Nächte, Albträume und Ehekrisen der „Crew" haben mit der Erfindung der Dinger deutlich abgenommen. Man (und Frau) hat wieder Spaß am Bootfahren. 

Freude macht auch das Engagement der Stahlyachtbauer, die auf die Wünsche der potenziellen Eigner reagieren. Sie wissen: Wer am Markt erfolgreich sein will, muss flexibel und innovativ sein. Sieht man die "Gilde" als großes Ganzes, besitzt sie ein Portfolio (früher hieß das noch eine Sammlung von Objekten), das kaum einen Wunsch offenlässt.

Für diejenigen, die ständig groß denken, gibt es Flybridgeyachten, deren „feiner Anzug" in puncto Eleganz problemlos mit dem der Kunststoffkonkurrenz aus England und Italien mithalten kann.

Old-Fashion-Fans finden in den Classic- und Retro-Linien, die einige Werften im Programm haben, attraktive Modelle.

Bemerkenswert ist auch hier der Trend zum „kleinen" Boot (8 bis 9 m), den einige namhafte Werften setzen. 

Lieben Sie die Zweisamkeit? OK-Baureihen stehen vor allem bei Eignern hoch im Kurs, die ohne Kind und Kegel reisen wollen. Zum Verständnis: OK heißt Open Kuip, auf Deutsch "offene Plicht". OK-Eigner verzichten auf die Achterkajüte und genießen stattdessen die Vorzüge eines offenen Cockpits, das nur durch große Schiebetüren vom Salon getrennt wird und so eine Terrasse auf dem Wasser ist.

Selbstverständlich denken "Stahlbauer" auch an die Leute, die mit der Entdeckung der Langsamkeit nix am Hut haben. Die Lösung des Problems heißt Aluminium und Turbodiesel im Doppelpack. Will oder hat man beides, geht’s bei Bedarf auch zügig voran, wobei jedoch nicht vergessen werden darf, dass es D-Zug-Tempo nicht für ’nen Appel und ’n Ei gibt.

Allen Berufsskeptikern, die beim Stichwort Stahlyacht sofort an "Rostkloppen" und Mennige denken, sei gesagt, dass die Qualität der Bleche (so nennt man zu Tafeln gewalztes Metall) eine andere, weil deutlich bessere ist als vor zwanzig Jahren. Darüber hinaus sind die Zeiten von Schweißbrenner, Acetylen und Sauerstoff lange vorbei.

Heute schneidet man mit Plasma- oder Lasertechnik und schweißt mit Schutzgas – das garantiert Maßgenauigkeit und Form­stabilität. Ein wirksames Mittel gegen den Albtraum vom "Rostkloppen" sind moderne Zwei-Kom­po­nen­ten-Farbsysteme, die hervorragenden Korrosionsschutz bieten. Ein Grund mehr, optimistisch in die Zukunft zu sehen.

"Um auf Dauer erfolgreich zu sein, müssen wir auch morgen und übermorgen Trends erkennen und neue Märkte suchen und finden", sagt Bart Bouwhuis, Chef der Designer, Naval Architects und Ingenieure vom Yachtentwickler Vripack.

"Unser Erfolgsrezept", verrät er dem Autor dieser Zeilen, "ist Innovation in Kombi­nation mit der Kunst, zuzuhören und zu verstehen, unsere Qualität die Verbindung aus Fertigkeit und Enthusiasmus."

Das macht neugierig. Wir sind gespannt, wie es bei den niederländischen Yachtbauern weitergeht. Einen kleinen Vorgeschmack auf "Future made in Nederland" zeigen wir Ihnen hier:

 

STEELER

"Kitsch lassen wir weg", sagt Steeler-Chef Hans Webbing, "die Menschen, die Ihr Schiff bauen, sind echte Fachleute mit der Ambition, Yachten zu konstruieren, deren Genussfaktor in der funktionellen und komfortablen Innovation besteht."

Hört sich gut an. Und sieht auch gut aus. So gut, dass Steeler-Yachten 2015 und 2016 als European Power Boat of the Year aus­gezeichnet wurden. Ob Steeler mit seiner neuen NG 57S das "Triple" gewinnen kann, wird sich zeigen.

"Custom-built" ist bei Steeler mehr als ein Schlagwort. So entstand die Idee für den Bau der NG 57 aus dem Wunsch eines NG-50-Eigners nach etwas Größerem. Der Lebensraum an Bord sollte zunehmen, der Salon jedoch immer im Mittelpunkt stehen.

Geht das? Klar, man stellt Salon und Cockpit auf das gleiche Niveau, öffnet die Bordküche, installiert zwei Masterkabinen, die mit Dusche und Toilette ausgestattet werden, und stellt in den Salon nicht nur zwei bequeme Sitzgruppen und ein Esszimmer, sondern mit dem Fahrstand auch die Kommandozentrale, aus der Navigationselektronik, Bug- und Heckschraube und der 305 PS starke Diesel gesteuert werden. Infos: www.steeleryachts.com

Stahlboote

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SK-JACHTBOUW

Die können auch zuhören. Sicher, man kann, was man tut. Ihre handwerklichen Fertigkeiten will und kann den Leuten vom Sneeker Meer niemand absprechen. Aber sie können noch viel mehr. Ihre größte Stärke, sagen sie selbst, sei ihr offenes Ohr für die Wünsche ihrer Kunden. Und die wollten offensichtlich nicht länger "im Untergrund" leben.

Stahlboote

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Man hör(t)e und staune: SK hat den Salon- und Cockpitboden der Pilot 1350 einfach – mit großem Aufwand und
Erfolg – um 25 cm angehoben. Damit mutiert das Salonsofa zur "Aussichtsplattform", die Kabine darunter ist deutlich geräumiger geworden, es gibt mehr Stauraum, und die Motorkammer bietet ab sofort viel Platz für Installationen und obendrein bei der Motorenwahl andere Möglichkeiten, was dem 150 PS starken "Platzhalter" von Volvo Penta weniger gefällt als dem potenziellen Käufer.

Der bekommt mit der Pilot 1350 ein robustes Boot, mit dem er bei jedem Wetter unterwegs sein kann. Wer’s in diesem Punkt lieber eine Nummer kleiner mag, findet in der achtern offenen Cabrioversion der 1350 eine geeignete Alternative. Übrigens: Bugkabine, Duschbad und Küche gibt es für beide. Infos: www.sk-jachtbouw.nl

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Erich Bogadtke am 07.08.2017
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