Drago 23 Yachtline Drago 23 Yachtline

Test: Drago 23 Yachtline

Die Sprint-Königin

Ralf Marquard am 03.08.2016

Drago 23 Yachtline: zeigt mit Volvos neuem V6-Benziner Spurtqualitäten. Wir testeten die jüngste Wide-Beam-Ausführung auf dem Bodensee

In BOOTE 9/15 haben wir die beiden großen Schwestern Drago 29 mit und ohne Wide-Beam-Rumpf sowie Benziner gegen Dieselmotor gegeneinander antreten lassen. Da wurde unter anderem dem Benziner in der Beschleunigung eher ein müdes Verhalten zugesprochen. Unser neues Testboot hingegen, die Drago 23 Yachtline Wide Beam, zeigt sie sich in der Beschleunigungsphase mit Volvos neuem V6-Benziner und ihren 240 PS  äußerst sportlich oder gar "bissig".

Dass die Übergangsphase von Verdränger- in Gleitfahrt damit keine Probleme bereitet, kann sich jeder vorstellen, doch was passiert, wenn das Boot mit etwa 20 kn fährt, und man den Hebel dann ganz nach vorn schiebt?

Der Rumpf macht einen "Raketenstart" und die Fahrgemeinschaft wird deutlich spürbar in die Sitze gedrückt.

Das geht bis zum Erreichen der Höchstgeschwindigkeit von über 38 kn kontinuierlich weiter. Einziges Manko: die 5000 U/min bei Vollgas sind laut Volvo mindestens 400 U/min zu wenig. Ergo, hier muss noch an der Propeller-Abstimmung gearbeitet werden.

Getrimmt haben wir die Drago per Hand, leichter geht’s für den Eigner mit der installierten Trimmautomatik, die je nach Geschwindigkeit selbstständig den Powertrimm steuert. 

Wer mit optimalem Fahrtrimm (etwa +3 auf der Anzeige) in schnelle Kurven fährt, darf diese nicht zu eng drehen, damit der Propeller keine Luft zieht. Besser geht’s mit dem ganz an den Spiegel getrimmten Z-Antrieb, dann zieht der Rumpf ohne Luftschnappen eng seine Runden, schaukelt nicht, jedoch treten deutlich merkbare Seitenkräfte auf und die Devise heißt „gut festhalten".

Gleiches gilt beim Verreißen des Lenkrades und auf Slalomkursen, bei denen der Rumpf nicht bockt, jedoch einfach die physikalischen Kräfte wirken. Die Drago ist mit der leichtgängigen Steuerung immer exakt und gut zu kontrollieren Wie sich der Wide-Beam-Rumpf im Kabbelwasser schlägt, können wir aufgrund kleiner Wellen auf dem Bodensee nicht objektiv sagen. Die Hecksee von den Berufsschiffen durchfuhr der Rumpf auf jeden Fall problemlos.

Geht es um die wirtschaftliche Fahrweise, sind bei unserer Testkombination 3500 U/min (25 kn) anzupeilen.

In dieser Situation laufen 1,16 l/sm Sprit durch die Leitung, was bei einem Tankinhalt von 170 l immerhin eine Reichweite von 124 sm plus 15 % Reserve ergibt und die Streckentauglichkeit der Drago unterstreicht. Plus-Minus: Das Lautstärkemessgerät zeigt in Marschfahrt nur 80 und bei Vollgas 82 dB/A. Die dafür verantwortliche Schaumstoff-Schallisolierung lässt sich mit einem Feuerzeug leicht entzünden und brennt dann lichterloh weiter. 

Auf langsamen Routen muss der Fahrer den Kurs ab und zu etwas ausgleichen, das gilt auch bei Gewichtsverlagerung von einer Person. Manövrieren lässt sich die Drago 23 Wide Beam unproblematisch, dafür sorgen enge Wendekreise und ein ansprechendes Umsteuerverhalten. Gelenkt wird an einem griffigen, gut positionierten Sportlenkrad und geschaltet an Volvos leichtgängiger EVC-Schaltung. 

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Ralf Marquard am 03.08.2016
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