ZAR 43 Formenti ZAR 43
Bootstests

Formenti ZAR 43

Christian Tiedt am 11.07.2012

Black and white: Der italienische Luxus-RIB-Hersteller Formenti vereint in der kompakten ZAR 43 sportliche Eleganz und robustes Stehvermögen.

ZAR 43

ZAR 43

Das 4,50 m lange RIB ZAR 43 präsentiert sich schwarz-weiß: schwarzer Rumpf, weißer Innenraum.  Diese Farben besitzen nämlich Eigenschaften, die sich die italienischen Designer zunutze gemacht haben. Eine helle Oberfläche heizt sich in der Sonne nicht so auf wie eine dunkle. Wogegen ein schwarzer Rumpf schmutzunempfindlicher ist als ein weißer.

ZAR 43

ZAR 43

Getrennt werden Bug- und Heckbereich des Bootes von der Centerkonsole; es bietet Platz für bis zu sieben Personen. Die Sitzgelegenheiten kann man mit wenigen Handgriffen zu Sonnenliegen umbauen, die dann im Bug mit 1,05 x 1,30 m und im Heck mit 1,20 x 1,30 m Liegeflächen aufwarten. Proviant und Ausrüstung finden in zwei abschließbaren und großzügig dimensionierten Stauräumen vorn im Boot und unter der Rückbank Platz.

Auf Letzterer sitzend, hat man einen guten Überblick auf Motorinstrumente, Schalter und Kompass. Die Einhebelschaltung von Yamaha ist ebenso leichtgängig wie die Kabellenkung. Angetrieben wurde unser Testboot von einem Yamaha E70 in der Langschaft-Variante. Dieser schöpft seine Leistung von 70 PS aus 996 ccm Hubraum.

Den Volllastdrehzahlbereich gibt der Hersteller mit 5300–6300/min an. Yamaha bietet zum Abstimmen von Boot und Motor für den E70 insgesamt 23 Propeller, für unseren Bootstest war der 3-x-13 ¼"-x-17"-Aluminium-Propeller montiert.

Bei voller Fahrt zeigte der Drehzahlmesser genau 6000/min. Die Höchstgeschwindigkeit in optimaler Trimmlage betrug so 34,6 kn. Bei diesem Tempo folgt die ZAR bereitwillig den Lenkbewegungen des Skippers. Ein Tänzeln des Hecks konnten wir nicht feststellen – Indiz dafür, dass die ZAR mit 70 PS nicht übermotorisiert ist. Laut CE-Schild dürfen Außenborder bis 90 PS an den Spiegel.

Den Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt bewältigt die ZAR 43 zwischen 2000–3000/min. Dabei hebt sich der Bug nur gering an – die Geradeaussicht bleibt erhalten. Als kleinste Gleitfahrt haben wir 3500/min gemessen.
Wirtschaftlich unterwegs ist man mit 4000/min oder 21 kn, der 100-l-Kraftstoffvorrat ermöglicht so eine Nonstop-Reise von 176 sm, bis die 15-%- Reserve angebrochen wird. Somit fließen 0,48 l/sm Super durch die Einspritzdüsen des Motors. Fährt man die ganze Zeit mit Vollgas, reduziert sich die Reichweite auf 136 sm – ein Durchschnittsverbrauch von 0,63 l/sm.

Bei schnellen Manövern gleitet das RIB ohne Schaukeln oder Wippen um jede Kurve; dass dabei der Motor ganz an den Spiegel getrimmt gehört, liegt auf der Hand. Immer enger werdende Kreise meistert die Italienerin souverän, der Rumpf bremst sich langsam ab und hakt nicht ein. Skipper und Crew werden allerdings, wie in einem Sportwagen, hohen Seitenkräften ausgesetzt, bevor der Propeller Luft zieht.

Befindet sich der Motor dabei noch im Fahrtrimm, ist die Kreisfahrt aufgrund der Propeller-Ventilation schnell zu Ende. In diesem Fall gilt: Gashebel zurücknehmen und neu anfahren. Auf dem imaginären Slalomkurs setzt die ZAR jede Steuerbewegung sofort in eine Kursänderung um. – Binnenschifferwellen mussten für unseren „Rauwasser-Test“ herhalten. Fazit: Der Rumpf setzte sanft ein, das Spritzwasser wurde sehr gut von ihm und den zwei Tragschläuchen umgelenkt. Letztere besitzen insgesamt 6 Luftkammern und werden von Hand aus CSM gefertigt.

Aber auch die „langsame Gangart“ beherrscht die ZAR: Manövrieren bei geringer Geschwindigkeit gelingt gut; Wendekreise von 1 ½ Bootslängen steuer- wie auch backbordseitig unterstreichen diese Aussage. Bei schneller Verdrängerfahrt mit rund 6 kn muss der Skipper gelegentlich den Kurs korrigieren – eine gleitertypische Erscheinung.

Sicherheit wird bei Formenti groß geschrieben. So gibt es einen Fire-Port in der Konsole, um einen Brand am Kraftstofftank im Notfall löschen zu können. Außerdem sind Tank und Tankdeckel mit einem Kabel für den Potenzialausgleich ausgerüstet. Für Bewegungssicherheit sorgt eine durchgehende Antislipstruktur auf dem gesamten Boot; zum Festhalten gibt es zahlreiche Haltegriffe.

Fazit: Die ZAR 43, bestückt mit dem Yamaha E70, macht richtig Spaß. Einsteiger wie erfahrene Skipper, die sportlich und komfortabel unterwegs sein möchten, finden in dem RIB ein guten Begleiter. Für den Preis von 31 600 Euro bekommt man ein sehr gut verarbeitetes Boot. Dass im Standard-Lieferumfang weder Bimini-Top noch Hafenpersenning enthalten sind, bemängeln wir allerdings genauso wie fehlen-de Bilgenpumpe, Feuerlöscher und Navigationsbeleuchtung.

Christian Tiedt am 11.07.2012