Jeanneau Leader 36 Sporttop Jeanneau Leader 36 Sporttop

Test: Jeanneau Leader 36 Sporttop

Clever unterwegs

Peter Lässig am 15.01.2016

Die Jeanneau 36 Leader Sporttop ist der ideale Allrounder für die Familie und ambitionierte Wassersportler, die Spaß haben wollen

Im Heft 12/2014 haben wir die große Schwester vorgestellt. Wie sich die Nummer kleiner – das neueste Modell Leader 36 – schlägt, erfahren wir auf dem Mittelmeer vor Cannes. Sie gibt es in zwei Versionen: als Open oder mit Hardtop, das bei Jeanneau Sporttop heißt. Das Boot ist der Form nach ein sportlicher Daycruiser mit zwei Kabinen plus Bad mit WC-Raum unter Deck. Neben dem Sporttop sind die schwarz oder silber lackierten Antriebe am Heck ein Unterscheidungsmerkmal. Dann stehen entweder zwei MerCruiser oder zwei Volvo Penta im Motorraum, die Benzin oder Diesel verbrennen. Wir fahren das Boot mit zwei Volvo Penta D4-300-Diesel und Duoprop-Z-Antrieben.

Fahren und Manövrieren
Zwei Motoren bedeuten wendiges Verhalten in langsamer Fahrt, An- oder Ablegemanöver gelingen einfach. Aber mit Joystick plus Bugstrahlruder (beides Extra) gelingt es besser. Damit die vom Boot erzeugten Wellen nicht stören, fahren wir die langsamen Passagen mit maximal 7 kn. Mit ganz beigetrimmten Antrieben und den Trimmklappen auf Nullstellung steigt einem das Vordeck der Leader 36 während des Übergangs von Verdränger- in Gleitfahrt kurz vor die Nase. Bei Vollgas messen wir maximal 3600 U/min, einhundert Umdrehungen mehr, als erlaubt – das passt angesichts der geringen Beladung des Bootes. Als Höchstgeschwindigkeit loggen sich knapp 36 kn auf dem GPS ein und maximal 85 dB/A zeigt der Schalldruckpegelmesser. Für die kleinste Gleitfahrt sollten beide Motoren nicht unter 2400 U/min drehen.

Nach Auswertung unserer Messdaten ermitteln wir Drehzahlen von 2500 U/min oder 22 kn Fahrt als den wirtschaftlichen Bereich in Gleitfahrt, bei der eine Tank-füllung für einen theoretischen Aktionsradius von 184 sm plus 15 % Reserve reicht. Und bei Vollgas sollte man sich schon nach etwa 144 sm nach einer Bunkersta-tion umsehen, damit die Reserve erhalten bleibt. Wer weiter kommen will, muss als Verdränger fahren. Damit fällt das Testboot durch das Reichweiten-Raster, 270 sm plus Reserve sollten es in Gleitfahrt schon sein.

Fotostrecke: Jeanneau 36 Leader Sporttop

Beim Anfahren mit volleingeschlagenen Antrieben fährt man eine Spirale, die sich nach einem Durchmesser von etwa 100 m zum Vollkreis schließt. Für Kurvenfahrten über Backbord ist es für die Seitensicht günstig, das elektrische Schiebedach geöffnet zu haben, ansonsten wird das Manöver zum Blindflug. Bei Kurvenfahrten über Steuerbord muss man sich lediglich am Fahrstand leicht ducken.

Ruppiges Wasser und Windstärken bis fünf Beaufort lassen die Wellen stellenweise über einen Meter Höhe wachsen, was der Rumpf aber gut wegsteckt. Und wenn man sich mit der Fahrt etwas anpasst, wird es auch komfortabel. Dass gegen Wind und Wellen auch mal Gischt überkommt, ist normal, womit die beiden Scheibenwischer kein Problem haben. Höchstens der Skipper könnte angesichts der bescheidenen Wischfelder Schwierigkeiten mit der Sicht bekommen.

Die Extremmanöver in voller Fahrt verlaufen allesamt sehr moderat, da der Einschlagwinkel beider Antriebe von Drehzahlen und Geschwindigkeit dominiert werden. Das bedeutet, enge Kurven unter 100 m Durchmesser bei Vollgas gibt es nicht. Und wenn man das Ruder wie bei den 180°-Wenden oder beim Verreißen abrupt eindreht, dauert es knapp eine Sekunde, bis die Antriebe folgen. Das Ergebnis ist stets eine weitläufige Kurve. Auf der imaginären Slalombahn bringt man das Testboot ungefährlich über die Längsachse zum Schwingen. 

Der Skipper sitzt auf einer nicht verstellbaren Sitzbank, deren Sitzkissen teilweise hochgeklappt werden können. Dies begünstigt, zusammen mit einem Klappbrett im Fußraum, Fahren im Stehen. Kritik gilt der zu weichen Polsterung. Bis auf die störenden Spiegelungen des hellen Untergrundes in den Scheiben ist die Sicht am Fahrtstand gegeben. Im Sitzen lassen sich die Instrumente gut einsehen, um aber den Kompass ablesen zu können, muss man sich strecken. Bedienelemente und Schalter sind in akzeptabler Reichweite montiert. Der Beifahrer sitzt vis-á-vis und kann sich an einem Griff gut halten.

Motor, Tank, Elektrik
Um an Technik und Motoren zu gelangen, muss der hintere Teil der U-förmigen Cockpitsitzbank, zugleich Sonnenliege, per Knopfdruck hochgeklappt werden. Das Platzangebot für Service und Kontrolle im Motorraum ist akzeptabel. Beide Motoren werden aus einem Tank versorgt und die Kraftstoffhähne können in der Unterflurkabine geschlossen werden. Ebenso sind hier die Batteriehauptschalter und Thermosicherungen untergebracht. Der Batteriehauptschalter am Fußende der vorderen Koje und die Sicherungen hinter einer Klappe am Kopfende an der Außenwand.

Sicherheit
Hier punkten die guten und sicheren Fahreigenschaften. Kritik gilt den fehlenden Wasseralarmsensoren an beiden Kraftstoffvorfiltern, die so weniger Sinn machen. Die Anzahl und Platzierung der Haltegriffe und Handläufe erscheint passend. Eine Handlenzpumpe neben der elektrisch arbeitenden werten wir positiv. Ebenso das nach außenbord selbstlenzende Cockpit und die Löschanlage im Motorraum. Die Seitendecks harmonieren mit der Reling und die Klappbadeleiter samt Haltegriff am Heck gefallen. Letzteres gilt auch für die Installationen: Bei der Verarbeitung gefällt uns besonders ein eckiger Ausschnitt beim Eingang nicht, der Rest geht meist in Ordnung.

Jeanneau 36 Leader Sporttop

Jeanneau 36 Leader Sporttop

Wohnen Cockpit und Ausrüstung
Bei der Anordnung von Salon und Bugkabine hat sich jemand intensiv Gedanken gemacht und beides in einem Raum kombiniert. Bugkabine samt Sitzgruppe mit Tisch sind durch eine Tür von Pantry und Bad separiert. Die Bugkabine gewinnt so deutlich an Raum, und dass man die Koje mittels Einlegepolster verlängern kann, bringt wertvollen Platz. Wechselnde Stehhöhen sind Bestandteil der Unterflurkabine, genauso wie die Sitzbank an Backbord und den zwei Einzelkojen gegenüber, die mittels Einlegteilen zu einer Doppelliege gewandelt werden können. In beiden Kabinen mangelt es weder an Stauraum noch an Platz. Bis auf den wenigen Stauraum passt die Nasszelle mit Dusche und WC.

Das Cockpit wird im vorderen Teil vom Fahrstand an Steuerbord und dem gegenüberliegenden Beifahrersitz mit seitlich kleinem Diwan dominiert. Achtern beanspruchen die U-förmige Sitzbank und der Tisch den Raum. Die Heckbank ist Teil der Sonnenliege, bei der die Rückenlehne nach vorn geklappt als Kopfstütze dient. Stauraum? Genug.

Auf der Zubehörliste steht Ausrüstung, die dem Komfort dient: Zum Beispiel Abdeckplanen, Landanschluss, die Dusche im Bad oder die Trimmklappen. Fast alles, was zum Ankern dazugehört, ist serienmäßig inbegriffen, wie die sechs Belegklampen oder die Scheuerzierleiste. Uns fehlen die in Deutschland zugelassenen Navigationslampen, was wir abwerten.                      

Fazit
An der gesamten Verarbeitung gibt es wenig zu mäkeln. Kritik gilt den unbehandelten Kunststoff-Schnittkanten und dem zu eckigen Ausschnitt vom Kabineneingang, an dem man sich den Kopf anstoßen kann, weshalb wir den Punkt Verarbeitung des Kunststoffs abwerten. Hinsichtlich der Fahreigenschaften punktet das Boot durchweg positiv und ist auch für Anfänger gut geeignet. Ein Allround-Boot, bei dem rundum fast alles passt.

Datenblatt: Jeanneau Leader 36 Sporttop

Werft: Jeanneau
Typbezeichnung: Jeanneau Leader 36 Sporttop
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 11,47 m
Breite (m): 3,62 m
Verdrängung (kg): 6,62 t
Preis: 249.947,00 €
Peter Lässig am 15.01.2016
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