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Test: Voyager for 2

Deutsches Tourenboot für zwei

Torsten Moench am 28.11.2016

Voyager for 2: Tourentaugliches Elektroboot für zwei. Wir fuhren das elektrisch angetriebene Reiseboot auf der Müritz.

Elektroboote liegen im Trend. Nicht zuletzt aufgrund vieler neuer Motoren-Typen (siehe dazu auch unsere Marktübersicht in BOOTE 5/2016 ab Seite 56), bieten immer mehr Werften ihre Boote als E-Versionen an. Um eines davon, die Voyager for 2, geht es in diesem Test.

Elektro-Doppelmotoren und hydraulische Lenkung lassen keine Wünsche offen

Das Boot an sich ist nicht neu. Die deutsche Holtkamp und Partner OHG produziert die Voyager in verschiedenen Versionen mit unterschiedlichen Motorisierungen. Allen gemein ist ihr ungewöhnlich großes Platzangebot im Verhältnis zur Bootslänge.

Spötter mögen sagen "das sieht man dem Boot auch an", Praktiker, wie wir, sagen: "Die Form folgt der Funktion". Die Voyager for 2 ist, wie der Name schon sagt, für zwei Personen ausgelegt. Diese finden auf dem rund 8,6 Meter langen Boot ausreichend Platz für längere Wasserwanderungen.

 Das Boot fährt und lenkt sich gut, die Kurstreue ist perfekt

Neben der großen und vor allem großflächig verglasten Kajüte gibt es noch eine Nasszelle mit Pump-WC und Waschbecken sowie eine kleine Pantry mit Kühlschrank und einflammigem Induktionskochfeld. Die Stehhöhe in allen Räumen beträgt knapp 2 m, was auf Booten dieser Größe eher die Ausnahme ist.

Das Cockpit bietet neben dem Fahrstand genügend Raum für einen Tisch und zwei Stühle. Der Fahrstand ist übersichtlich, lediglich die fehlende Rückenlehne des Fahrersitzes stört uns.


Ungewöhnlich ist der bewusste Verzicht auf Seitendecks. Das Vorschiff der Voyager erreicht man über eine gut dimensionierte „Vordertür" im Salon. Dieser Designertrick verbreitert die nutzbare Bootsbreite um immerhin rund 30 cm, was dem Wohnkomfort zugutekommt.

Der Clou an der von uns gefahrenen Voyager-for-2- Version ist jedoch ihr Antrieb.

Zwei Torqeedo-Elektromotoren mit jeweils 2 kW Leistung (Cruise 2.0 R) bringen das Boot spielend auf seine theoretische Rumpfgeschwindigkeit von knapp 12 km/h. Dies reicht aus, um auf Binnenrevieren, wie beispielsweise der Müritz, oder auf Kanälen sein Ziel zu erreichen.

Für schnellfließende Gewässer ist die Elektro-Voyager dagegen weder gedacht, noch geeignet. Gespeist werden die Torqeedo-Motoren aus einer 300-Ah-Batterie mit einer Spannung von 24 Volt. Die tatsächlich nutzbare Kapazität beträgt rund 240 Ah.

Glaubt man dem Hersteller, kann man mit dieser Kombination rund 6 Stunden Fahrtzeit erreichen. Laut unserer Messungen reicht die Batteriekapazität bei 8 km/h für rund 4,5 h Marschfahrt zuzüglich der obligatorischen 15 % Reserve.

Die Reichweite beträgt dann 36 km. Ist das Boot, wie unser Testboot, mit den optionalen 1,5-kW-Solarpaneelen ausgestattet, ist der Reichweite bei kleinen Geschwindigkeiten theoretisch keine Grenze gesetzt, was das Reichweiten-Display mit dem Kürzel "TTG: infinity" anzeigt.

Beispiel: Am Testtag lieferte die Solaranlage bei bedecktem Himmel rund 15 A, was in etwa dem Verbrauch bei 6 km/h entspricht. Die Fahreigenschaften der Voyager sind als gutmütig einzustufen, Gewichtsverlagerungen haben keinen Einfluss auf die Kurstreue. Da die Motoren synchron geschaltet sind, können sie nicht (wie sonst üblich) gegenläufig eingekuppelt werden, die Wendekreise betragen dennoch zu beiden Seiten nur etwa 1 ½ Bootslängen, typische Werte für diese Bootsklasse. 

Unser Fazit

Die Elektro-Voyager for 2 ist ein gelungenes, wenn auch optisch gewöhnungsbedürftiges, Tourenboot für geschützte Binnenreviere. Die Reichweite ist mit Solarpaneelen enorm, die Fahreigenschaften sind gutmütig.

Fotostrecke: Voyager for 2

Datenblatt: Voyager for 2

Werft: Woterfitz
Typbezeichnung: Voyager for 2
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 8,60 m
Breite (m): 2,55 m
Verdrängung (kg): 1,80 t
Preis: 89.900,00 €
Torsten Moench am 28.11.2016
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