Zodiac Futura Mark III Zodiac Futura Mark III
Bootstests

Zodiac Futura Mark III

Sebastian Gollasch am 01.07.2012

Doppelt fährt besser: Der französische Schlauchboot Hersteller Zodiac sattelt bei der Anzahl der Schläuche bei der Futura drauf.

Zodiac Futura Mark III

Zodiac Futura Mark III

Fotostrecke: Zodiac Futura Mark III

Zodiac, einer der größten Schlauchboot-Hersteller, rüstet die Futura MK III mit sogenannten Speed-Schläuchen aus. Dabei handelt es sich um zwei Zusatzschläuche, die in Längsrichtung unter den Tragschläuchen angebracht sind. Laut Zodiac verbessern sich dadurch Rauwassereigenschaften und Kurvenstabilität. Diese Aussage können wir unterschreiben.

Anders sieht es bei der Personenzahl aus, diese gibt der Hersteller mit neun an. Wir meinen jedoch, dass lediglich sechs Leute in unserem Testboot ausreichend Platz finden. Auf den zwei Bänken können je zwei Besatzungsmitglieder gut sitzen. Bei der Polsterung haben die Techniker die richtige Wahl getroffen. Soll heißen: Sie ist weder zu weich noch zu hart. So können auch längere Touren ohne Zwangspausen unternommen werden.

Die Sitzgelegenheiten hat man mit einem Schienensystem auf dem Aluminiumboden verschraubt. Letzterer bietet nass wie trocken über seine Oberflächenstruktur Rutschfestigkeit. Festhalten hingegen kann man sich an Bord der Futura am Süllrand, was bei eng gefahrenen Kurven in Gleitfahrt erforderlich wird. Die Speed-Schläuche lassen das 4,50 m lange Schlauchboot wie auf Schienen um die Kurve fahren, dabei werden die Passagiere hohen Fliehkräften ausgesetzt.

Die Geradeausfahrt wird von Gewichtsverlagerungen an Bord nur gering beeinflusst, und der Skipper muss den Kurs selten bis gar nicht korrigieren. Falls doch Korrekturen nötig sind, erledigt er diese von der hinteren Bank an einem gut dimensionierten 5-Speichen-Sportlenkrad. Die leichtgängige Kabellenkung in Kombination mit der Mercury-Einhebelschaltung lässt den Skipper nie die Kontrolle über das Boot verlieren. Am Spiegel „unserer“ Zodiac war ein Mercury F50 EFI angebaut und von einem Techniker des Motorenherstellers abgestimmt. Mit 50 PS liegt der Langschaft-Außenborder 10 PS unter der maximal zulässigen Motorisierung.

Der Hubraum von 995 ccm wird gleichmäßig auf vier Zylinder aufgeteilt, von denen jeder zwei Ventile besitzt. Die Gemisch–aufbereitung des Viertakters wird elektronisch geregelt. Ebenso geregelt ist die Lichtmaschine, sie leistet maximal 18 A für Bordelektrik und zur Ladung der Batterie, welche fest in einem geeigneten Kunststoffkasten steht, der mit einem Spanngurt an der letzten Bodenplatte verzurrt wird. Einen Hauptschalter suchten wir vergebens.

Die Befestigung des Kraftstofftanks ist identisch mit der der Batterie. Alle Leitungen und Schläuche werden in einer UV-beständigen Schutzhülle gebündelt und zum Motor geleitet, der das Boot auf maximal gemessene 28 kn beschleunigt. Der Drehzahlmesser zeigt dann 5640/min an. Verbrauchstechnisch konnten wir bei dieser Fahrweise 0,52 l/sm ermitteln.

So errechnet sich mit dem serienmäßigen 25-l-Tank eine Reichweite von 76 sm, bevor es an die 15-%-Reserve geht. Über 100 sm, nämlich genau 101, kommt man in der wirtschaftlichsten Gleitfahrt voran. In dieser Situation dreht der Motor 4000/min und verbraucht 0,39 l/sm. Der Geräuschpegel klettert auf 81 dB/A – ein gut aushaltbarer Wert.

Der Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt findet zwischen 2000/min und 3500/min statt, der Bug versperrt dabei für kurze Zeit die Sicht. Länger dauert der Übergang – und damit der „Blindflug“ – wenn man vergessen hat, den Motor ganz an die Spiegelplatte zu trimmen. Ganz beigetrimmt gehört der Antrieb ebenfalls bei Kurvenfahrten. Auf diese Weise in immer enger werdende Kreise eingefahren, dauert es sehr lange, bis der Propeller Luft schnappt. Dabei neigt sich die Futura nicht in die Kurve, sondern fährt aufgrund der Speed-Schläuche „in guter Haltung“ herum.

Die Lenkbefehle des Skippers werden beim imaginären Slalomkurs direkt umgesetzt – ein Nachkippeln über die Längsachse oder ein Versetzen des Hecks konnten wir nicht feststellen. Dieses Fahrverhalten verlangt eine ruhige Hand am Steuerrad, möchte man nicht baden gehen. Bei langsamer Geschwindigkeit (vorwärts eingekuppelt) glänzt die Zodiac mit Wendekreisen von 1 ¼ Bootslängen. Geringer, nämlich 1 Bootslänge, sind die Kreise rückwärts eingekuppelt. Das Umsteuern von Steuer- nach Backbord und zurück erfolgt zögerlich – bei starkem Seitenwind ist das Manöver nur unter Einsatz des Gashebels durchführbar.

Kleinere Rempler „schluckt“ der robuste Tragschlauch mit einer spritzwasserabweisenden Scheuerleiste. Zum Festmachen kann man die stabilen Haltegriffe nutzen, von denen je zwei pro Seite angebracht werden. Für Trailerkapitäne montiert Zodiac am Bug drei Ösen zusätzlich zum Bugbeschlag und zwei Heck-Zurrpunkte.
Übrigens: Das „Konsumverhalten“ der Konkurrenten des Mercury F 50 EFI am Testboot  Zodiac können Sie in BOOTE 1/2012 in unserem 50-PS-Außenbordertest nachlesen.

Sebastian Gollasch am 01.07.2012