Nordhavn auf dem Atlantik Nordhavn auf dem Atlantik

Bootspraxis: Seegängige Motorboote

Einmal über den Atlantik

Julian Buss am 12.06.2016

Langfahrten und Ozean-Überquerungen von Seglern sind heute an der Tagesordnung. Doch geht das auch mit Motorbooten?

Eine Auszeit von ein, zwei oder drei Jahren haben. Und dann mit dem eigenen Motorboot zu den Kanalinseln, zu den Kapverden, vielleicht Island oder sogar über den Großen Teich in die Karibik? Und zwar ohne Segel, dafür mit stetiger Geschwindigkeit und unabhängig vom Wind. Ist das wirklich möglich? Jedes Jahr überqueren viele Segelyachten den Atlantik. Und es ist selbstverständlich, dass Segelboote jeder Größe auf jedem Meer unterwegs sind. 

Wenn man dagegen einem durchschnittlichen Sportbootfahrer erklärt, man möchte mit dem eigenen Motorboot der Zehn- bis Fünfzehn-Meter- Klasse den Atlantik überqueren, so wird man in der Regel für verrückt gehalten.

Dabei haben Reisen über offenes Meer und sogar Ozeane mit dem Motorboot eine lange Tradition: Schon 1975 brachte Robert P. Beebe eine Reihe von Konzepten für seegehende Motorboote in seinem Klassiker "Voyaging Under Power" zu Papier. Und er hatte seine Ideen vorher in seinem eigenen Boot, der "Passagemaker", bereits 1963 verwirklicht und damit in fünf Jahren 50 000 Seemeilen über alle Meere der Welt zurückgelegt.

Mittlerweile bezeichnet der Begriff "Passagemaker" in den USA eine eigene Bootsklasse: Seegehende Motorboote, die nicht nur jedes Wetter auf offener See überstehen, sondern auch die Reichweite haben, um Ozeane zu überqueren. Prominente Beispiele dafür sind Yachten von Nordhavn oder Kadey Krogen.

So hat beispielsweise eine Nordhavn 40, kaum mehr als zwölf Meter lang, von 2001 bis 2002 einmal die Welt umrundet und dabei 24 000 Seemeilen zurückgelegt.

In Europa jedoch stößt die Vorstellung, mit einem zwischen zehn und fünfzehn Meter großen Motorboot die Ostsee, Nordsee oder gar den Atlantik oder Pazifik zu bereisen, fast immer auf Unverständnis. Aber warum sollen solche Reisen denn nur mit dem Segelboot machbar sein? Hauptsächlich gibt es zwei Gründe. Erstens die Reichweite: Das Segelboot verbraucht keinen Brennstoff und kann daher theoretisch beliebig weit fahren.

Zweitens das Verhalten im Seegang: Ein Segel stabilisiert das Boot bei den meisten Winden so, dass es zwar noch stampft, aber nur noch sehr wenig rollt – was die Reise erheblich angenehmer macht. Motorboote dagegen verbrauchen nach allgemeiner Meinung so viel Brennstoff, dass eine übliche Reichweite in Hunderten von Seemeilen gemessen wird, was sicherlich nur für küstennahe Fahrt ausreicht.

Und der Seegang! Motorboote rollen je nach Welle so heftig, dass die Besatzung zwangsweise seekrank oder zumindest so beansprucht wird, dass das sichere Führen des Bootes kaum noch möglich ist. Und doch: Beide Punkte lassen sich überraschend einfach abstellen.

Ein seegehendes Motorboot verbraucht wenig Brennstoff

Zuerst zum Brennstoffverbrauch. Dieser hängt von zwei Faktoren ab: der Art des Bootes, also Gleiter, Halbgleiter oder Verdränger, und der Geschwindigkeit, mit der es fährt. Um einen Gleiter oder Halbgleiter auf Geschwindigkeit zu bringen, ist sehr viel Energie nötig. Deswegen verbrauchen sie schnell 50 Liter pro Stunde oder mehr bei über 20 Knoten (also über 2,5 Liter pro Seemeile).

Eine übliche Route über den Großen Teich misst in etwa 2500 Seemeilen. Mit 20 Knoten wäre man dann zwar schon in etwas über fünf Tagen am Ziel, würde aber um die 6250 Liter Kraftstoff verbrennen. Das sind über sechs Tonnen zusätzliches Gewicht. Und wie soll ein Gleiter so viel Brennstoff tragen? 

DEN GESAMTEN ARTIKEL FINDEN SIE IN DER AKTUELLEN JULI-AUSGABE VON BOOTE AB DEM 22.06.2016 IM HANDEL

Julian Buss am 12.06.2016
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