Jetthruster Jetthruster

Praxistest: Jetthruster

Wasser Marsch!

Alexander Worms am 29.09.2017

Eine große Pumpe, zwei Auslässe, eine Steuerung: So einfach ist das Jetthruster-System. Doch funktioniert es auch?

Nahezu lautlos gleitet die Motor­yacht in den Hafen. Bis kurz vor der Box herrscht Stille, dann beginnt die Bugschraube zu rattern, und mit der Ruhe ist es vorbei, denn die Kavitation an der Schraube im engen Tunnel sorgt für einigen Lärm.

Ähnliches erwartet der Steuermann bei der Verwendung der Anlegehilfe an Bord des Testschiffs, einer Newport Bass aus GFK. Doch Fehlanzeige. Eine Pumpe ist hörbar, wenn auch nur leise, denn sie ist im gut isolierten Motorraum untergebracht. Etwas Plätschern, das war’s. Mehr Geräusche vernimmt der Wassersportler nicht. Dabei vermag der Jetthruster, der in dem neun Meter langen und immer­hin etwa fünf Tonnen schweren Schiff verbaut ist, ordentlich Druck zu machen.

Problemlos dreht er das Boot auf dem Teller, auch gegen den Wind, der am Testtag etwas böig weht. Wie bei einem gewöhnlichen Bugstrahler entsteht im ersten Augenblick das Gefühl, es würde einen von den Füßen holen.

Auch wenn Bug- und Heckstrahler gleichzeitig arbeiten, dreht sich das Schiff artig – bauartbedingt allerdings mit halber Kraft pro Auslass, denn es ist nur eine Pumpe verbaut, deren Leistung sich dann die beiden Auslässe teilen müssen. "Natürlich können wir bei Bedarf auch zwei Pumpen installieren, dann besteht das Problem nicht", erläutert Pieter Cats. Er ist Geschäftsführer bei Holland Marine Parts, dem Hersteller des Jetthrusters.

Erforderlich erscheint das nicht, denn das Boot folgt minutenlang den Anweisungen der Joysticks. Dann benötigt der Elek­tromotor eine Abkühlphase, genau wie das bei konventionellen Bugstrahlrudern auch der Fall ist. Nachteilig an der Installation auf dem Testboot war der Einbauort im warmen Motorraum. In einem kühlen Schapp unterhalb der Wasserlinie verbaut, erfolgt die unvermeidbare Erhitzung sicher langsamer, die Betriebsdauer steigt.

Dennoch: Das System funktioniert. Geeignet ist es besonders für Schiffe bis etwa 12 Meter Länge. Pieter Cats: "Das ist die Stärke des Jetthruster: Der benötigte Einbauraum ist gering“.

Zudem können die Komponenten flexibel im Boot verteilt werden. Und durch die vergleichsweise kleinen Öffnungen, die die Düsen am Bug benötigen, können diese sehr weit vorn platziert werden." Das, so der Experte, sei sinnvoll wegen des längeren Hebelarms vor dem Drehpunkt des Schiffs.

Somit wird der geringere Wirkungsgrad, den eine Pumpe im Vergleich zu einem Propeller im Wasser (wie bei einer Bugschraube) hat, nahezu ausgeglichen. Trotzdem hat der Motor, der die Pumpe antreibt, schon beim kleinsten System satte 3000 Watt Leistung. Eine Bugschraube mit der gleichen Schubkraft benötigt einen genau halb so großen Antrieb.

Das wirft die Frage nach dem Preis auf: Ohne Einbau kostet das kleinste komplette Jetthruster-System, das JT 30, rund 4000 Euro. Einen klassischen Bugstrahler gleicher Schubkraft mit allen Komponenten gibt es für rund die Hälfte. Bei dem ist jedoch der Einbauaufwand höher, muss doch das Rohr einlaminiert oder geschweißt werden, während beim Jetthruster lediglich einige Borddurchlässe samt Elektroinstallation anfallen.

Der Preisunterschied relativiert sich weiter, wenn mit der gleichen Pumpe Bug- und Heckstrahler versorgt werden. Denn dann fallen nur weitere Kosten für das zusätzliche Drei-Wege-Ventil sowie Schläuche und Borddurchlässe an. Die Pumpe wird einfach für beide verwendet. Dem gegenüber steht bei konventionellen Anlagen eine komplette Doppel­installation mit doppelten Kosten.

Doch nicht immer ist der Preis ausschlaggebend: "Bei vielen Booten bieten wir wegen des geringen Düsendurchmessers und der Tatsache, dass die Auslässe nur etwa sieben Zentimeter unter der Was­serlinie verbaut werden müssen, die einzige Möglichkeit, überhaupt sinnvoll eine Anlegehilfe zu installieren. Wir verkaufen zum Beispiel viele Systeme für Kajütgleiter, bei denen der Vorfuß flach ist und oft erst ein ganzes Stück achtern des Bugs überhaupt beginnt", erklärt Cats. "Ein Bugstrahler müsste wegen des Röh­rendurchmessers so weit achtern verbaut werden, dass es keinen Sinn mehr macht, überhaupt ein System zu installieren."

Nicht anders sieht die Sache am Heck aus. Ein oder mehrere Z-Antriebe, alternativ Wellen und Ruder, Trimmklappen, Badeplattform: Da wird der Raum, um auch noch einen Tunnel für ein Strahlruder unterzubringen, knapp. "Dann sind unsere Düsen oft die einzige Möglichkeit. Die können entweder seitlich oder versteckt am Spiegel, dann in der 90-Grad-Ver­sion, verbaut werden. So lässt sich auch das Heck genau dirigieren", sagt Cats.

Für große Stahlverdränger ist der Jet­thruster übrigens weniger gedacht: "Die haben ja alle schon einen Tunnel, und Platz ist zumeist auch kein Problem."

Wer jedoch einen (Halb-)Gleiter sein Eigen nennt und sich wünscht, bei den Anlegemanövern eine unsichtbare und obendrein kaum hörbare Hand Hilfe zu bekommen, der sollte den Jetthruster einmal näher betrachten. Nicht ohne Grund setzen mittlerweile auch Serienwerften wie Mastercraft, Outerlimits oder Long Island auf das System, was größere Stück­zahlen und somit eine sichere Ersatzteilversorgung mit sich bringt.

Alexander Worms am 29.09.2017
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