Polen: Krakauer Weichsel

20.10.2012 Bodo Müller - Auch am Oberlauf von Polens großem Strom können jetzt Hausboote gechartert werden. Wir gingen auf Erkundungstörn zwischen Gestern und Heute.

Unterwegs auf der Krakauer Weichsel
© Bodo Müller
Unterwegs auf der Krakauer Weichsel

Krakau gilt als schönste Stadt Polens und zählt zu den Schönsten Europas. Nur wenige wissen, dass man Krakau auch mit dem Boot erreichen kann. Die ehemalige Hauptstadt Polens liegt an der Weichsel, die bekanntlich in die Ostsee mündet. Doch die rund 900 Kilometer vom Baltischen Meer bis nach Krakau, das am Fuße des Beskiden-Gebirges liegt, sind nur mühsam mit einem flach gehenden Boot oder Schiff zu schaffen – immer vorausgesetzt, dass der auf weiten Strecken unregulierte Strom genügend Wasser führt.

Doch anders sieht der Oberlauf des Flusses aus: Von Nowa Huta, dem ehemaligen Industriestandort östlich von Krakau, über die Altstadt von Krakau und dann weiter in Richtung Westen bis nach Oświęcim (Auschwitz) ist der Fluss auf rund 90 Kilometern Länge schiffbar reguliert. Die für riesige Frachtschiffe dimensionierten Schleusenbauwerke wirken etwas fremd in der Landschaft – zumal man hier nie ein Frachtschiff fahren sieht. Die kanalisierte, breite Schifffahrtsstraße, die Krakauer Weichsel heißt, liegt wie ein beidseitig abgeschnittenes blaues Band im Mittelgebirge und hat keinen Anschluss an andere Wasserstraßen, die mit großen Schiffen befahrbar sind.

Man fragt sich, was müssen das für Planer gewesen sein, die aus dem Oberlauf eines Flusses eine Großschifffahrtsstraße bauen und die „restlichen“ über 900 Kilometer bis zum Meer unreguliert dem Spiel der Natur überlassen?

„Das haben wir den Kommunisten zu verdanken“, schmunzelt der Vercharterer Lukasz Krajewski, Inhaber der polnischen Charterfirma Vistula Cruises. „Sie wollten die Weichsel von der Quelle bis zur Mündung als Schifffahrtsstraße ausbauen. Aber nach 90 Kilometern ging ihnen der Atem aus. Komischerweise hatten sie nicht unten, sondern oben angefangen zu bauen. Ihnen habe ich es zu verdanken, dass ich heute ein inte-ressantes Revier für meine Hausboote habe.“

Krajewski fährt uns am Südufer der Weichsel entlang zu unserem Bootsliegeplatz. Wir sehen den berühmten Wawel von Krakau, den einstigen Sitz der polnischen Könige, dahinter schließt sich die Altstadt an, über der die Türme der ebenso berühmten Marienkirche thronen. Nur eine Marina sehe ich nicht. Als würde der Vercharterer meine Gedanken lesen, zeigt er auf ein am Nord-ufer vertäutes Hotelschiff mit Namen „Basia“. Um das Schiff herum liegen vier Motorboote, ein Segel-Katamaran und am Heck unser Hausboot vom Typ „Weekend 820“.

„Das ist unsere Marina, inklusive Sanitäranlagen und Restaurant“, meint Krajewski. „Es gibt erst wenige Sportboote auf der Krakauer Weichsel, aber in ein paar Jahren haben wir sicher auch eine Marina.“
Wir steigen über das Heck des Hotelschiffes auf unser Hausboot. Das „Weekend 820“ ist einfach zu bedienen, in-sofern bedarf es nur einer kurzen Einweisung. Wohin fahren? Die Altstadt von Krakau, Krönungsstätte aller polnischen Könige und seit dem Jahr 1978 UNESCO-Weltkulturerbe, liegt vor uns.

Um einen Eindruck der Stadt vom Wasser aus zu bekommen, sollte man im Nordwesten beginnen, genau dort, wo noch heute ein gespenstischer Drache steht und sein Feuer über die Weichsel spuckt. Er erinnert an die Legende über die Stadtgründung zurzeit König Kraks. 

Über der Höhle des Feuer spuckenden Drachen liegt die königliche Burg, der Wawel, wo im Wawel-Dom über Jahrhunderte die polnischen Könige gekrönt und bestattet wurden. Wir fahren stromabwärts und kreuzen mehrmals die Linie der Tramwaj Wodny, der Wasser-Straßenbahn.

Die schwimmende Tram mit Außenborder ist Teil des preisgünstigen Straßenbahnnetzes der Universitätsstadt. Wir unterqueren die Grunewald-Brücke, und an Backbord folgt die Paulinerkirche „Auf dem Felsen“, eine Perle des osteuropäischen Barocks. Wir folgen dem Flusslauf in Richtung Osten, wobei die Türme der Altstadt stets linker Hand zum Greifen nahe erscheinen.

Der Auszug stammt aus der Reisereportage „Könige und Kloster“ über unseren Chartertörn auf der Krakauer Weichsel. Den vollständigen Artikel finden Sie in der aktuellen November-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 24. November im Handel gibt.

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