Reise / Törnberichte

Buletten und Berliner Luft - Teil 1 / Teil 2

Eine mehr oder weniger kulinarische Rundreise durch Berlins "Kneipen am Wasser".
Andreas Saal hat sie besichtigt.

Kleine und große Gourmettempel gibt es in Berlin ohne Ende - auch am Wasser. Die Qual der Wahl ist groß, und so haben wir schon mal alle Etablissements ausgeblendet, die keinen eigenen Steg vorm Haus haben. Denn wer will nach einem deftigen Berliner Eisbein mit Sauerkraut und Erbspüree und der dazu obligatorischen "Molle mit Korn" noch meilenweit zum Boot laufen? Außerdem: Berliner Nächte sind lang...
Die Berliner Gastronomie bietet vom handfesten Imbiss bis zum Gourmettempel von internationalem Rang alles, was die Zunge begehrt.
Heute laden wir Sie zu einem Kneipenbummel entlang der Havel ein, der in Potsdam beginnt und in Spandau endet.

Bootshaus Seekrug -Potsdamer Havel
km 21,50 (RU) - Ein Feststeg für 8 Boote. Wassertiefe 2 m. Der Steg wurde etwas zu hoch gebaut. Skipper mit kleineren Booten sollten auf gute Fenderlage achten. An Bord übernachten kostet 20 DM. Auf dem Gelände der legendären Potsdamer Rudergesellschaft betreibt Familie Müller-Schmidt seit 1997 das Bootshaus Seekrug. Im geschmackvoll restaurierten Gebäude ist seit 1938 Gastronomie zu Haus. Die tolle Lage am Templiner See ist auch unter Bootsleuten schon lange kein Geheimtipp mehr. Von der großen Terrasse genießt man eine herrliche Aussicht auf die Potsdamer Havel.
Familie Müller-Schmidt serviert eine abwechslungsreiche deutsche Küche: Wie wär’s mit Aal "grün", Dillsauce und Butterkartoffeln? Bei der Hausmannskost stehen Eisbeinsülze mit Bratkartoffeln und Kohlroulade mit Speck-Zwiebelsauce ganz oben auf der Karte.
Anschrift: Bootshaus Seekrug, An der Pirschheide 28, 14471 Potsdam. Telefon: 0331-97 25 77.

Inselhotel Potsdam-Hermannswerder - Potsdamer Havel
km 22,80 (LU) - Ein Feststeg mit Ausleger. Wassertiefe bis 2 m. Übernachten im Boot ist erlaubt. Als Gast kostenlos.
Das Hotel wurde 1996 auf der Insel Hermannswerder (Templiner See) gebaut. Der Werbeslogan "Wohlfühlen und Wiederkommen" trifft den Punkt. Die Einrichtung des 172-Betten-Hotels kann man als edel klassifizieren. Ein gepflegter Park, Hallenbad, Sauna, Solarium und Fitnessraum: Alles zum Wohlfühlen.
Im Restaurant "Fontane" oder auf der Seeterrasse wird feinster Gaumenschmaus offeriert. Küchenchef Arno Schmädicke empfiehlt als Spezialitäten Jüterboger Senfsuppe, Zander in allen Varianten, Beelitzer Kaninchenragout mit Sanddornsauce und Putenfilet in Haselnusspanade. Und die Desserts? Die Auswahl reicht von Preußischer Marzipanflammeri bis zur Roten Grütze oder Kaffeepudding. Das Inselhotel ist eine willkommene Abwechselung für Skipper mit kleinen Booten, die nach einem längeren Törn mal wieder in einem richtigen Bett schlafen möchten.
Anschrift: Inselhotel Potsdam-Hermannswerder, 14473 Potsdam. Tel.: 0331-2 32 00.

Seehaase - Untere-Havel-Wasserstraße
km 11,40 (LU) - Kleiner Hafen mit mehreren Feststegen für Boote bis 9 x 2,60 m. Größere Boote liegen am Kopfsteg. Wassertiefe 1,70 bis 2 m. 60 Liegeplätze. Übernachten im Boot ist erlaubt. Preis nach Absprache.
Die Brüder Hans-Joachim und Dieter Haase blicken auf 50 Jahre Familienbetrieb zurück. Ihr Restaurant an der Aussichtsplattform des Flensburger Löwen gehörte zu Berlin wie das Brandenburger Tor. Jeder kennt es. Schon seit vielen Jahren zählte der Seehaase zur Institution am Wannsee. Rustikale Grillgerichte und Fischspezialitäten mit Bratkartoffeln waren vom Feinsten.
Waren? Leider ja! Das Restaurant wird in diesem Jahr geschlossen. Der Hafen und der Kiosk bleiben bis 2004 erhalten. Haase will bis zur endgültigen Betriebsaufgabe den Service am Kiosk erweitern. Es werden Getränke verkauft und kleine Gerichte wie Currywurst, Steaks oder Bratkartoffeln zubereitet. Anschrift: Restaurant Seehaase, Am Großen Wannsee 58, 14109 Berlin. Telefon: 030-8 05 35 05.

Bolles Bootshaus - Untere-Havel-Wasserstraße
km 11,40 (LU) - Kleiner Hafen mit zwei Feststegen für Boote bis 8 x 3 m. Gäste liegen am Kopfsteg. Wassertiefe 1,70 m. 40 Liegeplätze. Übernachten im Boot kostet 15 DM.
Bolles Bootshaus liegt direkt neben dem Seehaase. Bootsfahrer schätzen den herrlichen Biergarten mit Sommerblumen und das naturbelassene Umfeld. Von hier kann man immer am See entlang bis zur Glienicker Brücke wandern und Rad fahren.
Pächter sind seit sechs Jahren Anne und Horst Biskup. Beide haben sich auf Fischgerichte spezialisiert. Aber auch frischer Spargel (saisonal), Pilze und zünftige Grillteller stehen auf der Speisekarte. "Schollen verkaufen wir in der Saison gleich zentnerweise", berichtet Horst Biskup. "Die Dinger werden uns regelrecht aus den Händen gerissen." Das freut ihn. Wasserwanderern serviert er nach Absprache auch ein handfestes Frühstück.
Anschrift: Bolles Bootshaus, Am Großen Wannsee 60, 14109 Berlin. Telefon: 030-8 05 23 01.

Insel Lindwerder - Untere-Havel-Wasserstraße
km 8,10 (LU) - Mehrere Feststege für alle Bootsgrößen. Wassertiefe 6 bis 6,50 m. 20 Liegeplätze. Übernachten im Boot ist behördlich untersagt.
Beim Betreten des Restaurants kamen wir aus dem Staunen nicht heraus. Auf alles waren wir vorbereitet, aber nicht auf einen Wirt mit urbayerischem Dialekt. Und nicht nur seine Aussprache verblüffte uns, sondern auch seine äußere Erscheinung. Der 48-jährige vom Chiemsee vermittelt mit seiner kernigen Figur ein typisch "bayerisches Mannsbild". Eigentlich heißt er Johann Hundhammer, aber das wissen die wenigsten. Hier nennt ihn jeder schlicht "Hans".
Und weil Hans seit 20 Jahren in Berlin wohnt, hat er "seine" Insel voll im Griff. Seine Devise "sind Sie reif für die Insel" passt wie Pott zum Deckel. Wer Ruhe und Erholung sucht, kommt an Lindwerder nicht vorbei. "Die Insel hat 22 000 Quadratmeter geschützte Natur mit 56 Linden, 37 Eichen, 34 Buchen und 28 Birken", erklärt Hans. Hinzu kommen die verschiedensten Büsche, Sträucher, Blumen und jede Menge Vogelgezwitscher. Für einen Spaziergang gibt’s 1000 Meter ”Küste".
Lindwerder mauserte sich in den vergangenen Jahren zu einer beliebten Adresse bei Tourenskippern auf dem Wege von und nach Berlin. "Die kommen bei uns gleich in Scharen", sagt Hans. Mehr noch: An jedem Pfingstwochenende wird bei ihm das "Borncruiser-Treffen" veranstaltet. Meistens ankern gleich 100 Boote mit 500 Personen.
Sie alle kennen seine gute Küche und die Spezialität des Hauses: Die "Inselpfanne" mit Rostbratwurst, Kasslerbraten, Kotelett, Knödel und bayrischem Kraut. Längst haben sich auch die zünftigen Grillabende und Sommerfeste auf der tollen Terrasse herumgesprochen. Und das nicht nur bei Bootsleuten, denn auch "Landratten" erreichen die Insel mit einer kleinen Personenfähre. Anschrift: Restaurant Insel Lindwerder, Havelchaussee, 14193 Berlin. Telefon: 030-8 03 65 84.

Kapitän’s Kajüte - Untere-Havel-Wasserstraße
km 6,00 (RU) - Ein Feststeg für alle Bootsgrößen. Gäste liegen am Kopfsteg. Wassertiefe 2 m. 18 Liegeplätze. Hausgäste dürfen kostenlos im Boot übernachten.
Festmachen lohnt: In der nobel eingerichteten Kapitän’s Kajüte verstehen es Werner Pochat und sein Team, die Gäste zu verwöhnen. Dafür sorgt ein ausgesuchtes Angebot an Speisen der gehobenen deutschen Küche. Zudem fühlt man sich hier ganz dem maritimen Namen verpflichtet und bringt feine Fischspezialitäten auf den Tisch.
Noch in dieser Saison soll ein schöner Biergarten direkt am Ufer der Havel eingeweiht werden. Der makellose Service wird durch fünf gut ausgestattete Doppelzimmer ergänzt. Bei einem Landgang sollte man einen gemütlichen Bummel durch den alten Dorfkern von Gatow unbedingt einplanen. Hier geht es wirklich noch "dörflich" zu.
Anschrift: Restaurant Kapitän’s Kajüte, Alt Gatow 23, 14089 Berlin. Telefon: 030-3 61 80 40.

Wirtshaus Schildhorn - Untere-Havel-Wasserstraße
km 5,00 (LU) - Ein Feststeg zum längsseitigen Anlegen. Der Kopfsteg bleibt dem hauseigenem Fahrgastschiff "MS Schildhorn" vorbehalten. Weitere Anlegemöglichkeiten bestehen am befestigten Ufer. Wassertiefe 1 bis 1,50 m. 5 bis 6 Liegeplätze. Übernachten im Boot nach Absprache.
Das Wirtshaus Schildhorn liegt in einer traumhaft schönen Lage direkt an der Jürgen Lanke. Die "Oase mitten im Grünen" gleicht einem riesigen Park. Und den Biergarten am Wasser überspannen mächtige Kastanien. Im Schildhorn zu verweilen ist schon etwas Besonderes.
Das nobel eingerichtete Restaurant mit schickem Wintergarten und exklusiver "Avantgarde-Küche" zählt zur gehobenen Klasse. Schon bei der Menüauswahl beginnt das Rendezvous der Sinne: Knackige Salatteller gehören ebenso dazu wie Havelzander mit Lauch (27 DM), Matjesfilet mit französischen Minikartoffeln (22,50 DM) oder Hirschgulasch mit Preiselbeeren (24,50 DM). Für größere Crews werden abwechslungsreiche Menüs und Buffets angeboten. Bei telefonischen Anfragen wendet man sich am besten an die Veranstaltungsleiterin Sylvia Löhr. Sie organisiert auch exklusive Törns mit dem hauseigenen Charterschiff "MS Schlidhorn".
Anschrift: Wirtshaus Schildhorn, Straße am Schildhorn 4a, 14193 Berlin. Telefon: 030-3 05 31 11.

Alte Liebe - Untere-Havel-Wasserstraße
km 4,00 (LU) - Kein Steg. Festgemacht wird längsseits am Schiff. Es gibt solide Poller zum Belegen. Wassertiefe 2,50 bis 3 m. Übernachten im Boot ist behördlich untersagt.
Sie liegt zu Füßen des Grunewalds östlich des Pichelsdorfer Gemünds, an der Einfahrt zum Stößensee. An der guten "Alten Liebe" vorbei zu fahren, wäre jammerschade, denn für einen Besuch gibt es gute Gründe. Auch die Geschichte der alten Lady: 1912 in Hamburg gebaut und als Elbfähre "Godeffroy" bis Mitte der sechziger Jahre im Fährdienst. Länge 35 m, Breite 7 m. Die Dampfmaschine wurde später durch einen Dieselmotor ersetzt. Anfang der Siebziger wurde sie zum Restaurant umgebaut und zu ihrem jetzigen Liegeplatz geschleppt.
Die Einrichtung mit Messinglampen, Schiffsglocke, Messingbeschlägen und Mahagoni ist so richtig knuffig-maritim.
Vor vier Jahren hat Marc-Oliver Lüdecke mit seiner Familie die Alte Liebe übernommen. Die Lüdeckes bemühen sich um den Erhalt des Schiffes und um ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Ihre zünftige deutsche Küche lockt mit Zanderfilet in Sahnesauce (25,50 DM), Scholle mit Specksalat (19,50) und Berliner Sülze (13,50 DM). "Der Renner ist unsere Skipperplatte", sagt Lüdecke. "Zu Zander, Lachs und Scholle servieren wir kernige Bratkartoffeln." Wir konnten bei unserer Stippvisite nicht widerstehen. Und tatsächlich: Wer sie einmal probiert hat, kommt garantiert wieder.
Anschrift: Schiffsrestaurant Alte Liebe, Havelchaussee 107, 14055 Berlin. Telefon: 030-3 04 82 58.

Werft-Casino - Untere-Havel-Wasserstraße
km 3,70 (LU) - Mehrere einfache kleine Feststege. Wassertiefe 0,80 bis maximal 1 m. Übernachten im Boot nach Absprache.
Das gesamte Anwesen hat einen einfachen, aber total urigen Charakter. Und es hat Tradition, denn das Gartenlokal existiert bereits seit 40 Jahren. Pächter ist Familie Block. "An lauen Sommerabenden geht bei uns die Post ab", sagt Kellnerin Bärbel Hundeck. "Dann kommen die Bootsleute gleich im Rudel und liegen in Päckchen." Idyllisch unter großen Bäumen sitzen und bei Lampions und Life-Musik das tolle Panorama auf den Pichelssee genießen - das ist es, was die Gäste animiert. Und wenn nachts so richtig schön gebechert wurde, lockt morgens ein zünftiges Frühstück. Und das alles zu moderaten Preisen! Beispielweise: Bulette mit Salat 5,50 DM; ein Paar Wiener mit Brot 4,50 DM; 0.5 l Schultheiß vom Fass 4,50 DM; Cappuccino 2,50 DM.
Anschrift: Gartenlokal Werft-Casino, Pichelswerder Süd, 13595 Berlin. Telefon: 030-3 62 42 86.

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