„Gypsy Life“ in Grönland „Gypsy Life“ in Grönland

Abenteuer: „Gypsy Life“

Vier Jahre Arktis

Harald Paul am 09.04.2017

Expedition in die Einsamkeit: Von 2013 bis 2016 erkundeten Harald und Silvia Paul mit ihrer „Gypsy Life“ die abgeschiedenen Küsten Grönlands und Labradors, eine Welt der Stürme und des Eises

Grönland, Anfang April. Inzwischen setzt die Dämmerung hier oben erst wieder am späteren Abend ein. Die "Gypsy Life" liegt in einer von Felsen umfassten Bucht vor Anker. Bei sechs Meter Wassertiefe haben wir gut 40 Me­ter Ankergeschirr mit Kette ausgesteckt. Leichter Schneefall setzt ein, sodass wir uns samt Hund frühzeitig an Bord ver­krümeln. Solange das düstere Zwielicht draußen noch anhält, beobachten wir die weiß verhüllte Landschaft.

Der Holzofen knackt, es ist mollig warm, und Silvia bereitet in völliger Ruhe das Abendessen vor. Da legt sich unser Stahlverdränger vollkommen unerwartet und urplötzlich um mindestens 20 Grad auf die Steuerbordseite!

Der liebevoll gedeckte Tisch wird im Bruchteil einer Sekunde abgeräumt, und auch Silvia findet sich mit weit geöffneten Augen auf dem Salonboden wieder. Ich habe noch keinen klaren Gedanken gefasst, da trifft es uns noch einmal.

Es sind brutale Böen, die von allen Seiten auf uns einprügeln. An starke Winde und Stürme haben wir uns gewöhnt, weil sie hier im Winter fast schon die Regel sind, doch solche Böen aus dem Blauen heraus, ohne bereits vorherrschenden Wind, sind für uns neu. Erst jetzt wird er spürbar und nimmt umso schneller zu. Die Böen häufen sich dramatisch. In mir steigt das ungute Gefühl auf, dass dieser eigentlich ganz gut geschützte Ankerplatz für einen ausgewachsenen Orkan nicht ausreicht.

In der Wetterprognose war zwar von 20 bis 30 m/s die Rede, also bis zu elf Beaufort, doch das gilt hier oben fast noch als "normaler" Wind und ist nichts Außergewöhnliches.

So schnell wie möglich machen wir alles wetterfest. Zwischenzeitlich gehe ich aufs Vordeck und messe die Windstärke: Zwischen 25 und 35 m/s pendelt sich das Instrument ein. Durch meinen erhöhten Stehplatz kann ich über die Felsen schauen und sehe dort das Wasser horizontal fliegen. Mein Gefühl drängt mich dazu, unseren Ankerplatz trotz anbrechender Nacht zu verlassen, denn um mehr Kette auszustecken, haben wir hier nicht genügend Raum. Die kleine Bucht könnte zur Falle werden.

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Harald Paul am 09.04.2017
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