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Britische Inseln

Irland: Royal Canal

Robert Tremmel am 15.10.2013

Weiter Weg durch den Torf: Nach 50 Jahren Stillstand kehren die Boote auf Irlands „königlichen Kanal“ zurück. Der Royal Canal ist wieder schiffbar.

Royal Canal

Der Royal Canal ist wieder schiffbar.

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Eigentlich sollte der überwucherte Royal Canal in den Siebzigerjahren im Straßenbett einer Autobahn verschwinden. Denn nach seiner Schließung schien das 146 Kilometer lange Wasserstraßenrelikt zwischen Dublin und dem Shannon vollkommen nutzlos. Aber eine Handvoll Enthusiasten entfachte den Heimatstolz der Bevölkerung. Die Rettung des kulturellen Erbes wurde zur Generationenaufgabe – mit Happy End für den Wassersport.

In den Hafenpubs verträumter Provinznester, wie dem "46th Lock" in Cloondara oder dem "Rustic Inn" in Abbeyshrule, trifft man auf fröhliche Veteranen der Royal Canal Society. Schon beim ersten Guinness geben sie zu: "Am Anfang waren hier alle gegen uns." Inzwischen ist the Canal vielen Landsleuten ans Herz gewachsen. Tuckert neuerdings eines der Charterboote vorbei, winken sie teilnehmend am Ufer und freuen sich wie die
Erfinder eines Lausbubenstreichs.

Die dramatischen ups and downs des Kanals passen räumlich und zeitlich perfekt in die gern erzählte Passionsgeschichte der Iren, mit raffgierigen Landlords, großer Hungersnot und dem bis heute anhaltenden Exodus der besten Leute in das "gelobte Land" Amerika: Bereits der Kanalbau von 1793 bis 1813 verlief finan-ziell desaströs.

Eine bis zu zehn Meter starke, tückische Torfmoorschicht lag der Streckenplanung im Weg. Doch als die Kunst der Ingenieure diesen Albtraum mit beeindruckenden Dämmen, Tunneln, Aquädukten und Schleusen schließlich gebannt hatte, folgte die eigentliche Tragödie: die Erfindung der Eisenbahn. Die Trasse wurde von Dampfrössern vereinnahmt, die gnadenlos effizient waren gegenüber den schmalen Frachtkähnen mit ihren gutmütigen Ochsengespannen.

Es ist der Bootstourismus, der den Reiz der Langsamkeit jetzt wiederentdeckt. Denn die Landschaft im Kanalverlauf ist wie geschaffen für eine Panoramafahrt durch das grüne Herzland Irlands. Der Blick geht weit hinaus auf saftige Koppeln, tiefschwarze Torfstiche und gelb leuchtende Ginsterhecken.

Besonders die Parallelstrecke zum silbern glänzenden River Inny zwischen Ballymahon und Ballynacargy verleitet zum spontanen Anlegen. Alle paar Kilometer kommt eine der 46 historischen Schleusen mit einer schmalen Steinbogenbrücke in Sicht. Hier heißt es, die Handkurbel quietschen lassen, um die restaurierten Stemmtore zu bewegen.

Wer landseitig etwas erleben will, unternimmt vor allem Spaziergänge: zur Ruine der Zisterzienserabtei von Abbeyshrule oder zum 2000-jährigen Corlea-Trackway in Keenagh, den Resten einer Kelten-Straße durchs Moor. Am eindrücklichsten aber bleibt, wenn sich Gastgeber und Gast gegenseitig beglückwünschen, dass der Kanal jetzt in guten Händen ist.

Nautische Informationen

  • Länge: 145,6 Kilometer
  • Höchstgeschwindigkeit: 6 km/h
  • Wassertiefe: 1,20 Meter
  • Durchfahrtshöhe: 3,00 Meter
  • Schleusen: 46 Schleusen à 21 Meter Länge und 3,90 Meter Breite. Schleusenschlüssel gibt es vom Charteranbieter oder für das eigene Boot nach Anmeldung bei Waterways Ireland. Bootstouristen können wahlweise als manuelle Selbstbediener unterwegs sein oder sich von einem Schleusenhelfer an Land begleiten lassen. Die Schleusengebühren sind für Chartergäste im Mietpreis inbegriffen. Skipper mit eigenem Boot können zwischen einer umfänglichen Jahreslizenz oder einer Monatskarte für die Nutzung aller Anlegestellen wählen, bei zusätzlichen individuellen Gebühren nach Anzahl der Schleusungen. Eine vollständige Umfahrt über Dublin mit Royal Canal, Grand Canal und Shannon (etwa 3 Wochen, siehe Karte) bedarf genauer Planung: Eine Eisenbahnbrücke in Dublin wird nur einmal im Monat zum festgelegten Tag für kurze Zeit geöffnet.
  • Informationen und Anmeldungen: www.waterwaysireland.org
  • Bootsführerschein: Irlands Binnen-wasserstraßen sind führerscheinfrei. 

Chartern im Revier

Die europaweit vertretene Firma Locaboat betreibt einen Charterstützpunkt am westlichen Ende des Royal Canal in der Ortschaft Cloondara. Wegen der engen Brückendurchfahrten werden drei kleinere Modelle des Hausboottyps Pénichette für maximal sieben Personen angeboten. Die Kanaltour kann auch in Ergänzung zu einem mehrwöchigen Bootsurlaub mit Fahrt über den Shannon eingeplant werden. Für One-Way-Törns steht dazu eine weitere Basis in Ballinamore am Shannon-Erne-Waterway zur Verfügung. Kontakt: Locaboat Holidays, Postfach 867, 79008 Freiburg, Tel. 0761-20 73 70.

Törnliteratur

Waterways Ireland gibt einen detaillierten "Guide to the Royal Canal" auf Englisch heraus. Darin enthalten sind Revierkarten, Schleusenangaben, Gastliegeplätze, Serviceeinrichtungen und Versorgungsmöglichkeiten an Land. Das 78-seitige Ringbuch befindet sich an Bord der Charterboote oder kann für 10 Euro im Online-Shop von Waterways Ireland bestellt werden: www.shopwaterwaysireland.org 

Robert Tremmel am 15.10.2013