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Revier: Cornwall / England

Milder Westen

Christian Tiedt am 05.04.2017

Wo England endet, ragt die Halbinsel Cornwall wie eine Speerspitze in den Atlantik. Von Land’s End bis Plymouth Hoe erleben Skipper trotzdem immer wieder mediterrane Momente – dem Golfstrom sei Dank!

Fotostrecke: Cornwalls Südküste

Ees gab Zeiten, als die Seefahrt kaum ein Auge hatte für die Schönheiten Cornwalls. Seine schroffen Steilküsten, flachen Strände und versteckten Häfen galten selbst den wohlwollendsten Steuerleuten als ärgerliche Hindernisse, von denen man sich besser freihielt. Am Ufer, so hieß es, lebe man nämlich gut davon, was das Meer hergebe – und damit waren nicht nur Fische gemeint:

Schmuggelei, Strandräuberei und ein bisschen Piraterie sorgten (wenn die Gelegenheit sich bot) zusätzlich für volle Teller in den Häusern der Küstenbewohner

Das mag lange her sein. Die Erinnerung daran wird in Cornwall aber dennoch lebendig gehalten. Zum einen, weil salzverkrustetes Seemanngarn eine romantische Anziehungskraft auf Touristen ausübt. Zum anderen ist diese rauhe Vergangenheit ein Teil der Identität Cornwalls. Die Gezeiten bestimmen die täglichen Abläufe  schließlich auch weiterhin, und man lebt in gewisser Weise noch immer draußen im Atlantik. London liegt dagegen (nicht nur gefühlt) ziemlich weit entfernt.

Gerade diese Mischung aus Geschichte, Gegenwart und außergewöhnlicher Natur ist es aber, die jenen Teil von Englands West Country zu einem so beliebten wie abwechslungsreichen Törnziel gemacht hat.

Dazu stimmt die nautische Infrastruktur, und der Golfstrom sorgt mit seiner Wärme nicht nur für milde Winter und blühende Gärten im Frühjahr, sondern schafft an sonnigen Sommertagen sogar mediterrane Verhältnisse. Wir stellen das Revier und seine Highlights vor – von Land’s End bis Plymouth Hoe.

Land’s End

Der weiße Wegweiser am Besucherzen­trum von Land’s End gehört zu den be­liebtesten Fotomotiven im Vereinigten Kö­nigreich: 2800 Seemeilen sind es bis nach New York. Selbst der nächste Landfall auf der anderen Seite des offenen Atlantiks – Neufundland – ist 1800 Seemeilen entfernt. Sogar bei schönem Wetter wirkt die hohe Steilküste der Landspitze imposant, und der Meeresgrund zu ihren Füßen mit seinem Labyrinth aus Granitfel­sen ist bis heute Schiffsfriedhof geblieben.

Davon zeugen die rostenden Reste des erst 2003 gestrandeten Frachters "Mül­heim". Der Schiffsverkehr zwischen der Keltischen See und dem Ärmelkanal, der Land’s End runden muss, hält sich seewärts der vorgelagerten Longships-Felsen mit ihrem Leuchtturm und den Scilly-Inseln 20 Seemeilen im Westen. Der nächste Hafen, um Land’s End von Land her zu erkunden, ist Penzance (s. unten), von wo im Sommer regelmäßig Busse zum Besucherzentrum pendeln. www.landsend-landmark.co.uk

Mousehole

Wer das malerische Cornwall aus den Werbebroschüren sucht (und nichts gegen Scharen von landseitigen Touristen hat), wird im Westen von Mount’s Bay in Mousehole fündig: Der winzige Küstenort wird seinem Namen mehr als gerecht. Weiß gekalkte Häuser stehen dicht gedrängt mit dem Rücken zum grünen, steil ansteigenden Hinterland, eine einzige Durchgangsstraße, die auch als Promenade dient, führt von einem Ende zum anderen.

Die halbmondförmige Bucht direkt davor, die trockenfällt und von mächtigen Molen umschlossen wird, bietet Platz für Fischerboote und die Dingis der Ankerlieger im geschützten Bereich östlich des Hafens zwischen Südmole und der etwa 400 Meter vorgelagerten St. Clement’s Isle. Revierunkundige sollten die Ansteuerung jedoch genau vorbereiten.

Das komplette Revierporträt der Südküste Cornwalls finden Sie in der aktuellen BOOTE 05/2017 am Kiosk, oder online direkt im Delius-Klasing-Shop

Christian Tiedt am 05.04.2017
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