Hamburg und Unterelbe Hamburg und Unterelbe

Mit dem Motorboot auf der Elbe in Hamburg

Spezial: Hamburg und die Unterelbe

Torsten Moench am 28.08.2015

Die Unterelbe mit dem Motorboot: Törntipps, Sehenswürdigkeiten, Befahrensregeln, Liegeplätze, Häfen, Restaurants am Wasser, Tank- und Servicestellen

Die Unterelbe ist zweifellos eines der interessantesten und spannendsten deutschen Sportboot-Reviere. Die Kombination aus breitem Tidenstrom, ruhigen Nebenflüssen, idyllischen Anker- und Badeplätzen, quirligem Hafenleben und beeindruckender Großschifffahrt findet man in keinem anderen deutschen Revier. Und selbst den internationalen Vergleich brauchen Hamburg und sein Fluss nicht zu scheuen. Hamburgern ist "ihr" Revier gewiss bekannt, dennoch möchte ich wetten, dass auch Ihnen der ein oder andere Tipp auf den kommenden 20
Seiten neu ist. Allen anderen Skippern möchte ich raten: Kommen Sie nach Hamburg. Egal ob auf eigenem Kiel, per Trailerboot oder als Charterer eines Mietbootes; Hamburg wird Sie in jeder Hinsicht überraschen und in seinen Bann ziehen. Navigatorisch gilt das Tidenrevier zwischen Geesthacht und Cuxhaven als mittelmäßig anspruchsvoll. Wer unsere Tipps beherzigt, wird jedoch problemlos klarkommen.

Fotostrecke: Hamburg und die Unterelbe

DIE ZEHN GEBOTE FÜR SPORTBOOTE IM HAMBURGER HAFENGEBIET

1 Rechts halten
Im Hafengebiet gilt die gesamte Wasserfläche von Ufer zu Ufer als Fahrwasser. Halten Sie sich stets auf der rechten Seite.

2 Wasserstand beachten
Wer auf der Unterelbe unterwegs ist, braucht einen aktuellen Tidenkalender aus dem die Hoch- und Niedrigwasserzeiten hervorgehen. Insbesondere Boote mit größerem Tiefgang (über 1 m) und Durchfahrtshöhen von über 3 Metern brauchen die Wasserstandsinfos für die Törnplanung auf den Nebengewässern. Langsamen Booten hilft die Angabe der Gezeiten bei der Strömungsplanung.

3 Geschwindigkeit einhalten
Im Hafengebiet sind 22 km/h (12 kn) erlaubt, in den Nebengewässern, wie beispielsweise der Speicherstadt oder der Doveelbe, dagegen nur 8 km/h.

4  Vorrang geben
Fahrzeuge auf dem Hauptfahrwasser haben Vorrang. Wer aus einem Nebenfahrwasser kommt, muss das beachten.

5  Schlepper und Fähren
Selbst wenn Sie mit Ihrem Boot Vorfahrt haben, bestehen Sie nicht darauf. Die Berufsschifffahrt, hier insbesondere kleinere Einheiten wie Schlepper und Fähren, sind zum Teil recht flott unterwegs und können nicht immer sofort reagieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich deutlich entfernt und lässt sie bei Bedarf passieren.

6  Seegang und Schwell
Die Kaimauern der Hafenanlagen reflektieren die Wellen der Berufsschifffahrt. Daraus ergeben sich zum Teil Kreuzseen mit erstaunlichen Wellenhöhen. Das Boot sollte sich also im "Seeklar"-Modus (Luken geschlossen, lose Dinge fest verzurrt, Rettungswesten angelegt) befinden.

7  No-Go-Areas
Die Tankschiffhäfen (gekennzeichnet) sind für Sportboote tabu.

8  UKW-Funk
Wer UKW an Bord hat, hört Kanal 74. Hier kündigt die Berufsschifffahrt ihre Manöver an und tauscht Informationen aus.

9  Schleusen
Die Hamburger Schleusen sind kostenpflichtig. Wer länger vor Ort ist, kauft sich an der ersten Schleuse eine Jahreskarte (35 Euro). Kurzurlauber zahlen jeden Schleusengang einzeln.

10  Umsicht
Insbesondere an den Wochenenden ist auf der Elbe eine Menge los. Barkassen, Fähren, Ausflugsboote, Sportboote und Segler teilen sich das Revier. Rechnen Sie immer mit unvorhergesehenen Manövern anderer Verkehrsteilnehmer – das gebietet schon die gute Seemannschaft.

Hamburg

Hamburg


Fast alle BOOTE-Mitarbeiter nennen Hamburg und die Unterelbe ihr Heimatrevier. Hier die persönlichen Tipps einiger unserer Redaktionsmitglieder:

»Torsten Moench: "Für mich gehört die Dove Elbe mit ihren kleinen Inseln und Badebuchten zu den schönsten
Gegenden Hamburgs. Sie bietet ideale Vorraussetzungen für den kleinen Wochenendurlaub zwischendurch".«

»Christian Tiedt: Mein Tipp heißt Cuxhaven. Klar, ein Ort mit eher rauem Charme und lange nicht so lauschig wie so manches "grüne Loch" entlang der Unterelbe. Dafür kommt zwischen Alter Liebe und Kugelbake aber schon echtes Nordsee-Feeling auf – und der Strand ist auch nicht weit.«

»Susanne Stachelroth: Mein Lieblingsort ist der Hafen Borsfleth in der Störmündung. Ein bezauberndes Plätzchen, an dem man Ruhe und Entspannung findet. Brötchen bestellt man beim Hafenmeister und holt sie am nächsten Morgen aus einem umgebauten Bauwagen, der auch eine kleine Leihbibliothek enthält.«

»Ralf Marquard: "Die Fahrt durch den Hamburger Hafen funk-tioniert auch mit kleinen Gleitbooten ab etwa 4 Meter. Wichtig ist, den Bug mittels Trimm und Gashebel möglichst hochzuhalten".«

»Gernot Apfelstedt: Es muss nicht immer Großstadt sein. Mit kleineren Booten erreicht man über die Nebenflüsse malerische Orte wie Stade (Schwinge) oder Buxtehude (Este) im Alten Land. «

Hamburg

Hamburg

Elbinseln: Die Inseln, wie beispielsweise die im Foto gezeigte Schweinesand, bieten Strände und idyllische Ankerplätze. Insbesondere an den Wochenenden finden hier auch Wasserskifahrer und Badegäste ein ideales Revier. Wichtig ist jedoch ein Blick in den Tidenkalender. Bei Niedrigwasser ist die Passage zwischen den Inseln und dem Südufer der Elbe kaum möglich.
Der Hamburger Yachthafen: Mit rund 2000 Liegeplätzen ist dieser Hafen der größte seiner Art in Deutschland. Selbst bei Niedrigwasser beträgt die Wassertiefe rund 2 m und ist damit auch für größere Boote problemlos anzulaufen. Zu beachten sind jedoch Strömungen im Hafenbecken, die das An- und Ablegen beeinträchtigen können. Das Serviceangebot reicht vom WLAN über Werkstätten und Gastronomie bis zur Bootstankstelle, die sowohl Diesel, als auch Benzin im Angebot hat.
Blankenese: Liegt man vor Schweinesand, hat man den besten Ausblick auf Hamburgs noblen Elbvorort Blankenese. In alten Lotsen-, Kapitäns- und  Fischerhäusern wohnen jedoch schon lange keine "Normalverdiener" mehr. Darüber trohnt der Süllberg mit seinem Sterne-Restaurant (im Bild oben rechts).
Große Pötte, kleine Jollen: Die Hamburger Elbsegler sind ein ganz besonderes Völkchen. Sie scheuen weder Berufsschifffahrt noch die von Ebbe und Flut geprägten wechselnden Strömungen.
In Situationen, in denen normalen Motorbootfahrern der Atem stockt, leben diese Jungs und Mädels erst richtig auf.
Trockenfallen: Ist das Boot dazu geeignet (flacher Boden, klappbarer Antrieb), kann man hinter den Elbinseln problemlos trocken fallen. Anfänger und Elb-Neulinge sollten sich jedoch vorher mit revierkundigen Sportskameraden austauschen, um keine bösen Überraschungen zu erleben und am nächsten Morgen mitten in der Fahrtrinne aufzuwachen.
Nebenflüsse: Die sieben Elb-Nebenflüsse bieten eine interessante Alternative zum großen Strom. Oft kann man an kleinen Vereinsstegen festmachen und auch übernachten.
Teufelsbrück: Der kleine Hafen ist idyllisch, fällt aber bei Niedrigwasser trocken. Kleine Boote bis etwa 7 m finden hier dennoch Platz und das empfehlenswerte Restaurant "Dübelbrücker Kajüt". Daneben gibt es eine Slipanlage, Stellplätze sind jedoch rar.
Die Haseldorfer Binnenelbe bietet geschütze Ankerplätze und einen kleinen Hafen mit Imbissbude. Im Hintergrund: Pagensand und die betonnte Pagensander Nebenelbe.
Die Entfernung täuscht: Auch wenn die Berufsschifffahrt weit weg erscheint, man sollte sie immer im Blick behalten. Hier sind die Schiffe deutlich schneller unterwegs, als man es von den weiter stadteinwärts liegenden Abschnitten kennt und erwartet. Insbesondere Verdrängerpiloten sollten lieber auf Nummer sicher gehen.
Stade mit seiner schönen Fachwerk-Innenstadt ist immer einen Besuch wert. Hier findet man sehr schöne Restaurants und Lokale, die problemlos zu Fuß vom Hafen aus erreichbar sind. Der historische "Tretkran" (Foto) liegt am Alten Fischmarkt.
Elbverlauf vor Stade mit der Insel Schwarztonnensand. Sie steht unter Naturschutz und darf nicht betreten werden.
Glückstädter Binnenhafen: Das Sperrwerk zwischen Binnen- und Außenhafen öffnet nur rund 2 Stunden vor Hochwasser und bleibt bis zum Hochwasser geöffnet. Die Liegeplätze dahinter sind begehrt und schnell belegt. Davor gibt es ebenfalls ausreichend Plätze an mehreren Steganlagen. Zu Fuß ist es von hier nur unwesentlich weiter in die Stadt als aus dem Binnenhafen.
Haseldorfer Binnenelbe: Wer hier unterwegs ist, sollte immer ein Auge auf das Echolot und das andere auf den Tidenkalender haben. Dafür entschädigen die einmalige Ruhe des Reviers und die herrlichen Ausblicke auf die Natur.
Brunsbüttel: Von hier aus erreicht man über den Nord-Ostsee-Kanal Kiel und die Häfen der Ostsee. Neben den Kanalschleusen liegt der "Alte Hafen", der im inneren Bereich trocken fällt. Zu den Schleusen kann man zu Fuß gehen.
Die Ostemündung mit der Wasserskianlage
Das urige  Kehdinger "Küstenschifffahrtsmuseum" ist in den Sommermonaten täglich, außer Montags, geöffnet.
Wischhafen: Der historische Hafen im Moorkanal fällt trocken
Hafenausgang Otterndorf: Wer aus dem Elbe-Weser-Schifffahrtsweg, dem sogenannten Hadelner Kanal, kommt, für den beginnt hier der Elbe-Törn.
Cuxhaven: Das Ende der Elbe signalisiert das Leuchtfeuer und die Kugelbake im Hintergrund. Hier endet unser Revierjournal.

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Torsten Moench am 28.08.2015
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