Peene und Usedom Peene und Usedom

Törn: Peene und Achterwasser

Raus in die Natur

Christian Tiedt am 12.10.2016

Im Spätsommer auf der Peene zur Sonneninsel Usedom – ein stimmungsvoller Chartertörn zwischen binnen und buten, vom Schilfrand zum Sandstrand.

Fotostrecke: Peene und Achterwasser

Das letzte Stück ist so steil, dass wir absteigen und die Fahrrä­der schieben müssen: Über Wurzeln, Blätter und Steine stemmen wir unsere plötzlich so störrischen Drahtesel mit schlitternden Rädern auf den schmalen Waldweg nach oben, während über uns die Sonne unschuldig durch das schattige Blätterdach funkelt. Doch das Ziel ist in Sicht: Der letzte Absatz wird mit Schwung genommen, und wir stehen auf dem "Gipfel" des Streckelsbergs – des höchsten Punkts entlang der Küste Usedoms.

Belohnt werden wir mit einem fantastischen Panorama: unter uns das sandige Kliff, dessen Kante fast sechzig Meter zum Strand hin abfällt, und dahinter bis zum Horizont die tiefblaue Ostsee.

Weiße Segel sind zu sehen, jagende Jetskier, ein Kreuzfahrtschiff weit draußen, selbst die Greifswalder Oie mit ihrem Leuchtturm steht klar wie ein Scherenschnitt am Horizont. Für uns ist dieser Augenblick in luftiger Höhe (bevor es wieder hinuntergeht und wir uns bei der Seebrücke von Koserow endlich in die Brandung stürzen) in gewisser Weise auch der Höhepunkt unserer Reise. Denn genau so hatten wir es uns vorgenommen, als wir vor wenigen Tagen weit im Binnenland mit unserer Charteryacht starteten:

Auf der Peene sollte es über den Peenestrom und das Achter­wasser bis nach Usedom gehen – vom Schilfrand zum Sandstrand!

Törnstart in Neukalen

Freitagnachmittag treffen wir am kleinen Hafen von Neukalen ein. Unter Sonnenschirmen gönnen sich Ausflügler im "Gasthaus am Hafen" und am "Pier 2" die erste Erfrischung des Tages, und an den bunten Bootshäusern bereiten sich Einheimische eifrig auf ein weiteres Wochenende auf dem Wasser vor. Dazwischen warten eine Handvoll Charteryachten mit Heck zum Steg auf ihre neuen Crews. Die Boote – sämtlich Stahlverdränger – gehören zur Flotte von Yachtcharter Schulz.

Das Unternehmen aus Waren betreibt hier einen seiner sechs Stützpunkte und bietet neben Binnentörns im Peenerevier auch weiterführende Einwegfahrten an. Unsere "Lotte", eine 12-Meter-Stahlyacht vom Typ Schulz 40, ist dank ihres himmelblauen Rumpfes schnell ausgemacht. Auch die Übergabe geht zügig über die Bühne, sodass wir im Anschluss sofort Vorräte bunkern können. Zwei Supermärkte (Netto und Edeka) sind mit dem Auto nur wenige Minuten entfernt.

Wir bringen die Einkäufe und unser Gepäck an Bord und machen es uns danach erst einmal unter dem Verdeck auf dem Achterdeck bequem. Das wird uns in der nächsten Woche aber zum Glück nur vor einem schützen müssen – zu viel Sonne.   

Über knapp einhundert Kilometer zieht sich die Peene durch die eiszeitliche Moränenlandschaft Vorpommerns, unreguliert und unverbaut – ein kleines Paradies für alle, die die Ruhe in der Natur suchen. Und dazu gehören nicht nur Biber, Fisch­otter und Seeadler, sondern auch Wasserwanderer in Kanu und Kajak, in Aben­teuerflößen – oder sogar Charteryachten.

In aller Frühe werfen wir die Leinen los und folgen dem schmalen, schnurgeraden Neukalener Peenekanal mit der Sonne im Gesicht über zwei Kilometer bis zum Kummerower See, einer glitzernden Wasserfläche von immerhin zehn Kilometer Länge und mehr als drei Kilometer Breite.

Die gesamte Törnreportage über die Peene und das Achterwasser finden Sie in der aktuellen November-Ausgabe von BOOTE

Christian Tiedt am 12.10.2016
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