Estland Estland

Revier: Estland

Zu neuen Ufern

Morten Strauch am 20.12.2016

Einsame Ostseestrände, eine prachtvolle Hauptstadt am Meer und ein Volk, das leidenschaftlich gern singt – willkommen in Estland!

Fotostrecke: Estland: Revierporträt

Schon Ernest Hemingway wusste, dass man Esten in jedem Hafen der Welt treffen kann. So ähnlich schrieb er es dann auch in seinem Roman "Haben und Nichthaben". Und wenn – laut Statistik – jeder dritte Este zudem in der Hauptstadt Tallinn wohnt, bleibt selbst in einem so kleinen Land viel Raum für Natur und Erholung.

Ganz im Norden des Baltikums gelegen, genießt Estland diesen Frieden allerdings erst seit seiner Unabhängigkeit vor 25 Jahren.

Davor waren es über Jahrhunderte hinweg stets die wechselnden Großmächte des Ostseeraumes gewesen, Dänen, Deutsche, Schweden und Russen, die das Sagen hatten. Geblieben ist eine reiche Kultur (-landschaft), deren Faszination man sich kaum entziehen kann. 

Landschaftlich und kulturell ist man den Skandinaviern, insbesondere den Finnen, sehr verbunden. Die beiden Hauptstädte Helsinki und Tallinn trennen nur 80 Kilometer Ostsee, die mehrmals täglich von Fähren mit Pendlern und Touristen gekreuzt werden.

In Zukunft soll ein Eisenbahntunnel den Finnischen Meerbusen untergraben, um den Austausch beider Länder weiter zu vereinfachen.

Während der Sowjetbesatzung war den meisten Esten aufgrund von etwaigen Fluchtgedanken der Zugang zum Meer untersagt, umso mehr zieht es sie jetzt in ihrer Freizeit an die Küsten und aufs Wasser. An den Gastliegeplätzen der rasch wachsenden Marina-Gemeinde wehen zumeist noch schwedische und finnische Farben, ein bisschen bunter darf es also gerne noch werden!

Tallinn

Die Hauptstadt Estlands und ehemalige Hansestadt – zu Deutsch als Reval bekannt – verbindet Tradition und Moderne auf außergewöhnliche Weise. Von See her kommend unterteilt sich die Skyline Tallinns in einen modernen zukunftsweisenden Abschnitt, geprägt durch glitzernde Hochhäuser, sowie den seit Jahrhunderten kaum veränderten Domberg mit seinen zahlreichen Wehr- und Kirchtürmen.

Seit der Unabhängigkeit hat sich Tallinn zu einem internationalen Besuchermagneten entwickelt: der Kontrast zwischen aufregendem Kultur- und Nachtleben und dem prächtigen historischen Ambiente ist einfach anziehend. 

Alle fünf Jahre strömen zehntausende Esten auf das Sängerfest, um zu einem gigantischen Chor vereint, nationales Liedgut zu pflegen.

Bei einem Rundgang durch die Altstadt lassen sich viele Zeugen der bewegten Geschichte Estlands finden: Für die hohe Zeit der Hanse, die ihre Blüte Mitte-Ende des 14. Jahrhunderts hatte, zeugen prachtvolle Kaufhäuser und insbesondere die Große Gildehalle, die einst nur den reichen Kaufmännern vorbehalten war. Heute gewährt das wunderbar erhaltene Gebäude Einlass für jedermann und beherbergt das Geschichtsmuseum von Estland.

Einen Katzensprung entfernt wuchsen ein halbes Jahrtausend später die fünf Zwiebeltürme der orthodoxen Alexander-Newski-Kathedrale in den Himmel, um fortan von der 200-jährigen Fremdherrschaft der russischen Zaren zu zeugen.

Einen interessanten Kontrast zur Altstadt bietet das nahgelegene Rotermann Viertel wo alte Fabrikanlagen mit moderner Architektur verschmelzen und die Entdeckungstour mit einem guten Glas Wein abgerundet werden kann.

Old City Marina

Die moderne Anlage liegt im geschützten Fährhafen. Altstadt und Zentrum sind nur 500 Meter entfernt, direkt an der Südmole befindet sich ein Restaurant. Im östlichen Teil, hinter dem Hotel Europa, gibt es ein Einkaufszentrum mit Geldautomaten und Taxistand.

Achtung: Die Einfahrtsgenehmigung für den Fährhafen muss über UKW-Kanal 14 (Port Control) oder telefonisch unter +372-631-85  88 (24h) eingeholt werden, die Ampel an der Mole auf Grün stehen. Sicherer Abstand zu Fähren und Kreuzfahrtschiffen. Boote bis 18 m Länge und 4 m Breite gehen an die Schwimmstege, größere Schiffe an die Hafenkais.

Service und Preise: Wasser, Strom, Entsorgung, WC, Dusche, Sauna, Tankstelle. Liegegebühr (für 24 h): 35 € (bis 9 m Länge), 40 € (bis 12 m), 55 € (bis 15 m) www.portoftallinn.com

Hafen Noblessner

Unser Tipp für Tallinn: Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur Altstadt (aber ruhiger) liegt die Marina Noblessner mit 50 Gastliegeplätzen. Ein trendiges Restaurant und das Maritime Museum mit seinen Museumsschiffen liegen um die Ecke. Auf dem Weg in die Altstadt passiert man die "Kalamaja", das Szene-Viertel Tallinns mit seinen traditionellen Holzhäusern, ehemals Wohnort der Fischer und Dockarbeiter, heute Ballungsort der jungen Kreativen.

Service und Preise: Strom, Wasser, WC, Dusche, WLAN, Entsorgung. Liegegebühr (für 24 h): 15 € (5 bis 10 m Länge), 20 € (10 bis 12 m), 25 € (12 bis 15 m). www.sailinvest.com

Hafen Pirita

Der Olympiahafen der Sommerspiele von 1980 in Moskau liegt sechs Kilometer östlich vom Stadtzentrum entfernt und pflegt seinen rustikalen Sowjet-Charme. Über den Baumwipfeln zeigt sich das St.-Birgitta-Kloster, einziges Ausflugsziel von Rang in der Nähe. Gastliegeplätze mit Heckbojen gibt es reichlich, sie werden bei Wind aber schnell ungemütlich.

Service und Preise: Strom, Wasser, WLAN, Sanitär (3 €), Slip, Sauna (25 €), Tankstelle, Shop. Liegegebühr (für 24 h): 17 € (bis 10 m Länge), 27 € (10 bis 13 m), 32 € (13 bis 15 m). www.piritatop.ee

Naissaar

Die Party- und Festivalinsel vor den Toren Tallinns. Der Inselname bedeutet "Fraueninsel" und der Legende nach wurde sie einst von Amazonen bevölkert. Die ehemals strategisch wichtige Insel war bis 2006 fast durchgehend unter militärischer Kontrolle, abwechselnd von Finnen, Engländern, Deutschen, Russen und Esten.

Dementsprechend ist das Gelände mit Bunkern, Batterien und sonstigen militärischen Hinterlassenschaften gespickt, die mitten im urwüchsigen Wald liegen. An den Wochenenden rückt Tallinns feiernde Jugend an, und einmal im Jahr steigt das renommierte Nargen Festival, bei dem klassische Musik und Theater auf dem Programm stehen. An diesen Tagen sollte die Fähre unbedingt im Voraus gebucht werden. www.nargenfestival.ee Abseits der Festaktivitäten gilt Naissaar auch als Künstleroase für Ruhesuchende aus der Stadt.

Hafen Naissaar (SL Marina)

Der einzige Hafen der Insel liegt im Osten und ist umgeben von Sandstrand.

Service und Preise: Wasser, Strom (8 h: 10 € / 24 h: 25 €), Dusche (4 €), WLAN, Entsorgung, Sauna (35 €/h). Liegegebühr (für 24 h): 15 € (5 bis 10 m Länge), 20 € (10 bis 12 m), 25 € (12 bis 15 m). www.slmarinas.ee/naissaare

Hinweis: Alle Häfen der SL Marina-Gruppe bieten eine Discount-Karte an, die in allen SL Häfen einsetzbar ist und bei vier Übernachtungen einen Preisnachlass von 15 € (bis 13 m Länge) bzw. 30 € (13–20 m Länge) gewährt.

Saaremaa

Die größte Insel Estlands, die wie ein Bollwerk die Rigaer Bucht beschützt, heißt wörtlich übersetzt "Inselland" – und ist tatsächlich eine Welt für sich. So steht mitten auf dem Sportplatz von Orissaare eine Eiche, die 2015 den Titel des Europäischen Baumes gewann. Aus dem allgegenwärtigen Wacholder, Symbol der Insel, werden Seifen, Säfte, Schnaps und Haushaltsprodukte aus Holz hergestellt.

Kuressaare, die Inselhauptstadt und beliebter Kurort, beherbergt mit der wuchtigen Arensburg, ehemals Bischofssitz, die besterhaltene mittelalterliche Festung des Baltikums. In ihren Mauern ist ein Museum zur wechselvollen Geschichte Saaremaas untergebracht, und im Ringwall laden Handwerksmeister zum Beobachten und Mitmachen ein.www.kuressaare.ee

An der Nordküste thronen die mächtigen Steilklippen von Panga über dem Meer, während im südlichen Salme Wikingerschiffsgräber aus dem 8. Jahrhundert gefunden wurden. Bei Valjala finden sich Festungsüberreste aus der Herrschaft des Deutschen Ordens und die St.-Martins-Kirche aus dem Jahr 1227.

Die gesamte Insel, insbesondere jedoch der Vilsandi Nationalpark  im Westen, ist ein Paradies für Tiere, darunter Elche, Kegelrobben und Seeadler. Bei Kaali gibt es einen großen Meteoritenkrater, der als einzigartige Kulisse für sommerliche Konzerte dient; die Zuschauer sitzen am Hang und im Kratersee schwimmen Kerzen.

Stadthafen Kuressaare

Nur ein paar hundert Meter von den zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Stadt entfernt, liegt dieser sehr gut geschützte Hafen mit modernen Schwimmstegen und Heckbojen.

Service und Preise: Wasser, Strom, WC, Dusche, Entsorgung, WLAN, Waschmaschine (4 €/h), Sauna (16 €/h), Fahrradverleih (3€/h bzw. 10 €/Tag). Liegegebühr (für 24 h): 25 € (bis 13 m Länge), 32 € (13 bis 20 m).
www.kuressaare.ee/sadam

Hafen Roomassaare (SL Marina)

Die Anlage ist aufgeteilt in Industrie- und Sportboothafen. Kuressaare ist 6 km entfernt, eine Bushaltestelle gibt es jedoch am Hafen.

Service und Preise: Wasser, Strom, WC, WLAN, Entsorgung, Dusche (4 €), Waschmaschine (5 €), Sauna (20 €), Slip. Liegegebühr (für 24 h): 20 € (6 bis 13 m Länge), 30 € (13 bis 20 m). www.slmarinas.ee/roomassaare

Hafen Soela

Mitten in der sehr ursprünglichen Natur des Inselnordens liegt dieser neue, mit EU-Geldern geförderte, Sportboothafen. Eine solide Mole schützt vor Wind und Welle vom Soela väin, einem nur knapp drei Seemeilen breiten Sund, der Saaremaa von der Nachbarinsel Hiiumaa trennt.

Service und Preise: Wasser, Strom, Slipanlage, Sanitäranlagen für die kommende Saison in Planung. Preise für Gastlieger auf Anfrage. www.soelasadam.ee

Hafen Triigi (SL Marina)

Nur wenige Kilometer östlich gibt es im Fährhafen von Triigi (Pendelverkehr nach Sõru auf Hiiumaa) auch eine kleine Marina mit Café. Auch hier ist eine Busanbindung vorhanden. Die Fahrt nach Kuressaare dauert eine gute Stunde.

Service und Preise: Strom, Wasser, Entsorgung, Dusche (4 €). Sauna (35 €/h). Liegegebühr (für 24 h): 20 € (6 bis 13 m Länge), 30 € (13 bis 20 m). www.slmarinas.ee/triigi

Muhu

Von den Bewohnern liebevoll "Fußmatte Saaremaas" genannt, ist Muhu doch die drittgrößte Insel Estlands und Teil eines UNESCO-Biosphärenreservates. Im Norden dominieren Steilküsten das Bild, während das Landesinnere von malerischen Höfen inmitten von Wacholder und unzähligen Findlingen geprägt wird. Schon seit 1900 ist Muhu mit ihrer großen Schwester Saaremaa durch einen Damm fest verbunden.

Hafen Koguva

Der kleine, einfache Hafen von Koguva ist idyllisch gelegen an der Westküste von Muhu. Vor den restaurierten Gebäuden hängt Fisch zum Trocknen, während im Inneren eine urige Fischereiausstellung und ein Café mit lokalen Fisch- und Fleischspezialitäten locken. Im bewohnten Museumsdorf taucht man vollends ein in das Estland vergangener Jahrhunderte.

Service und Preise: 20 € (5 bis 12 m). www.koguva.ee

Hafen Kuivastu (SL Marina)

Im Südosten von Muhu trifft in Kuivastu die Fähre vom Festland ein, das auf der anderen Seite des Väinameri (deutsch: Moonsund) liegt. In dem geschützten Hafen gibt es auch einen Bereich für Sportboote mit modernen Steg- und Sanitäranlagen.

Service und Preise: Wasser, Strom, WC, WLAN, Entsorgung, Dusche (4 €), Waschmaschine (5 €), Sauna (20 €/h), Shop, Bootstankstelle, Slip, Cafe, Bushaltestelle. Liegegebühr (für 24 h): 20 € (6 bis 13 m Länge), 30 € (13 bis 20 m). www.slmarinas.ee/kuivastu

Morten Strauch am 20.12.2016
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