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Reise: Charente / Frankreich

Verliebt im zweiten Anlauf

Jürgen Straßburger am 03.10.2017

Die Charente hat es uns nicht leicht gemacht, sie zu mögen. Am Ende zog sie uns dann doch in ihren Bann

Laura, gute Fee im Basisbüro von Le Boat in Jarnac, macht einen perfekten Job: Nicht nur, dass sie uns in gutem Englisch durch die üblichen Papierprozeduren vor Beginn eines Chartertörns lotst, auch die aktuellen navigatorischen Probleme erklärt sie anhand der Gewässerkarte eindrucksvoll. Der Wasserstand der Charente ist nämlich sehr niedrig, als wir am 10. Juni 2017 das Boot übernehmen. Und da ist besonders oberhalb von Jarnac in Richtung Angoulême in einigen Flussabschnitten Vorsicht geboten.

Tückisch auch die kaum sichtbaren, knapp unter der Wasseroberfläche liegenden, ausladenden Verstärkungen der Brückenpfeiler. "Also immer schön in der Mitte des Bogens durch".

Und welche Strecke empfiehlt Laura für einen einwöchigen Törn? "Erst rauf, Richtung Angoulême, vielleicht bis Châteauneuf und dann zu Tal, etwa bis Saintes. Dann kennen Sie zwei sehr unterschiedliche und sehr typische Flussabschnitte".

Abendlicher Bummel durch Jarnac: Es riecht nach vergorenem Wein. Die Lager der Destillerie von Louis Royer liegen gleich um die Ecke. Das Geburtshaus des ehemaligen französischen Präsidenten François Mitterrand mit Flaggenschmuck und Gedenktafel ebenfalls. Ein kleines Museum zu seinen Ehren am Ufer des Flusses. Gegenüber, am linken Ufer, das gewaltige Maison Tiffon-Braastad, Stammhaus der gleichnamigen Cognac-Dynastie.

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Nördlich der Brücke der Schlossplatz mit dem Château Courvoisier, ein vor allem in Deutschland sehr geschätzter Cognac. Ein paar Bistros und Restaurants rund um den Platz. Die Einkaufsstraße "Grand Rue" ist menschenleer, etliche Geschäftsräume sind wegen Aufgabe verrammelt, viele zu verkaufen: "à vendre"! Sinnbild des Niedergangs der französischen Provinz, aber doch von einem diskreten Charme.

Beim Einkauf am Sonntagmorgen (Intermarché Super sonntags von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet) freuen wir uns über unser Mietauto, denn es sind zwei Kilometer bis zum Supermarkt. Getränke, ein Grundeinkauf fürs Frühstück und für einen Happen zwischendurch. An Bord kochen wollen wir nicht – schon gar nicht bei der Hitze, die die Region schon seit Tagen kirre macht.

Leinen los: Jarnac ist unsere erste Schleuse und Manni (der Muffelkopp von der "Meckerecke", an Bord einer der besten Kumpels, die man haben kann!) und ich haben unsere Arbeitsteilung an Schotten und Schleusentoren schnell gefunden. Die grünen Schwungscheiben, mit denen Schotten und Torstangen bewegt werden, sind perfekt geschmiert und laufen entsprechend. Keine Schleuse hält uns länger auf als 20 bis 30 Minuten. Was natürlich auch daran liegt, dass wir (bis auf eine einzige Ausnahme) auf dem gesamten Törn alleine schleusten und auch nur einmal auf einen Entgegenkommer warten mussten.

Charente

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Die gnadenlose Sonne macht uns auf der Flybridge zu schaffen. Ein Bimini hat das Boot nicht. Da aber ein schwerer Schirmständer auf der Fly liegt, muss es auch einen Sonnenschirm geben. Ich durchkämme das Schiff, jeden Winkel, jede Kiste, unter den Kojen… Nichts. Das werden wir ändern müssen, wenn wir die Woche ohne Sonnenstich überleben wollen!

Das Örtchen Graves bietet einen schattigen Liegeplatz am 25 m langen Steg. Wie gemacht für eine Mittagspause. Am Ufer aus dem Boden ragende Kabel und Schläuche deuten an, dass es hier wohl bald eine Servicesäule mit Wasser und Strom geben wird.

Graves: Ein gutes Dutzend Häuser, die trutzige romanische Kirche Saint-Martin und eine Weinkellerei. Doch uns ist bei dieser Hitze und um diese Zeit partout nicht nach Cognac, Wein oder Pineau.

Viel zu früh verlassen wir unser schattiges Plätzchen, um unser Tagesziel, Saint-Simon anzusteuern. Der knapp 200 m lange Quai ist gnadenlos der Sonne ausgesetzt. Ab in die Koje und geschlafen, bis die Sonne ein wenig tiefer steht. Dann wagen wir den Aufstieg ins Dorf. Der Gewässerführer hat uns nicht nur das kleine Schifffahrtsmuseum "Maison du Gabariers" empfohlen, sondern auch das Restaurant "La Chabourne".

Später Nachmittag und Abend sind also gesichert: Erst das Museum, dann das Restaurant. Am Kirchplatz finden wir ein geschlossenes Bistro, das erst am 22. Juni eröffnet wird und auch nicht "La Chabourne" heißt. Aber wen fragen? Das Museum ist inzwischen geschlossen und die Straßen sind menschenleer. Plötzlich hält ein Auto am Stoppschild einer Nebenstraße. Ich springe hin: "Bonsoir Madame…" und versuche der Fahrerin mit gebrochenem Französisch unser Problem zu erklären.

"Im Ort gibt es kein Restaurant mehr", sagt sie "und das neue Bistro macht erst in ein paar Tagen auf". "Und wo ist das nächste Restaurant?", frage ich zaghaft. "In Vibrac", sagt Madame "wenn Sie wollen, fahre ich Sie hin". 

Die vollständige Reportage lesen Sie in der November-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 18. Oktober im Handel gibt. Für Abonnenten natürlich schon eher!

Jürgen Straßburger am 03.10.2017
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