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Törn: Balearen / Spanien

Inselspringen

Dieter Wanke am 25.09.2015

Die Erkundung der Balearen mit der Motoryacht ist ein Genuss, denn die Distanzen sind kurz. Das verlängert wiederum die Zeit in der lauschigen Bucht.

Wer einen Balearentörn plant und mit Mallorca, Ibiza, Formentera, Cabrera und Menorca alle fünf bewohnten Inseln erkunden will, hat viel zu tun. Eindeutig zu viel in nur einer Charterwoche, denn die Inseln im westlichen Mittelmeer haben einiges zu bieten. Aber Zeitmangel ist nicht die einzige Einschränkung.

Je nach Jahreszeit und Wetterbedingungen ist nicht jede Route zu jeder Zeit komfortabel befahrbar. Das bekamen wir bei unserem Törn im Herbst 2014 auch zu spüren, dazu später mehr. Im Club de Mar in Palma de Mallorca wartet mit der "España Emotion" eine Bavaria Sport 39 HT auf uns. Die Ausstattung der top gepflegten Charteryacht, die vom jungen Unternehmen Premium Charter SL von Horst Ellerbrock betrieben wird, ist luxuriös. Es fehlt nichts.

Sogar eine hydraulische Badeplattform ist montiert und die Klimaanlage sorgt selbst bei hochsommerlicher Fahrt für angenehme Temperaturen unter Deck. Komfort gibt es aber nicht nur an Bord, auch beim Service punktet der Anbieter. Als wir das Boot betreten, sind die bestellten Einkäufe bereits an Bord. Bequemer geht es nicht. Das spart Zeit und Mühe, schließlich gibt es bei einem einwöchigen Törn Besseres zu tun, als Lebensmittel und Getränke aus dem Supermarkt zum Boot zu schleppen.

Am nächsten Morgen ist die Überfahrt nach Ibiza geplant. Die Wetterentwicklung beobachten wir schon länger, denn nicht nur in der Vor- und Nachsaison läuft bei Seereisen nicht immer alles nach Plan. Doch wir haben Glück. Bis auf eine kleine Störung, die in der übernächsten Nacht zu erwarten ist, passt alles. Neben zwei Stopps auf Ibiza steht Formentera auf der Wunschliste.

Für den Rückweg ist die Cala Pi auf Mallorca und der Naturpark Cabrera eingeplant. Um Cabrera anzulaufen, ist eine Genehmigung nötig, wobei für einen bestimmten Tag eine Muring zugeteilt wird. Abweichungen sind nicht möglich. Auch das erledigt das Charterunternehmen für die Kunden. Also müssen wir nur noch losfahren. Der nächste Tag begrüßt uns mit herrlichem Sonnenschein und kaum sichtbarer Welle. Ein perfekter Start.

Erstes Etappenziel ist Ibiza-Stadt. Mit 75 Seemeilen ist das der längste Schlag, den wir zurücklegen. Bei einer optimalen Reisegeschwindigkeit von 23 Knoten wäre das in etwa 3,5 Stunden machbar. Aber wir wollen noch einen Blick auf die kleine Privatinsel Tagomago werfen, die dem deutschen Unternehmer Matthias Kühn gehört. Wer es mal richtig krachen lassen will, der kann das meist unbewohnte Eiland samt der dortigen Villa mieten.

In Törnführern ist von sechsstelligen Summen pro Woche die Rede. Mit der Yacht kann aber auch in der kleinen Bucht auf der Westseite geankert und ein Drink in der Strandbar genommen werden. Das ist erheblich preiswerter. Sehr sicher scheint uns der Ankerplatz aber nicht und in der Bar ist niemand zu sehen. Also gleiten wir gemütlich weiter entlang der schönen Küste Ibizas, die nur eine halbe Seemeile westlich von Tagomago beginnt. Bis wir unser Ziel erreichen, dauert es etwas, denn wir haben noch die Bucht bei Santa Eulalia, die wir auf dem Rückweg anlaufen wollen, und die Cala Longa erkundet, die sich gut für einen Badestopp oder – mit Ausnahme von Ostwind – auch zum Übernachten eignet. 

Fotostrecke: Balearen – von Insel zu Insel

Ibiza-Stadt ist durch die mächtige Festung an der Einfahrt schon von Weitem zu erkennen. Die Auswahl an vier Marinas in der geräumigen Bucht scheint auf den ersten Blick groß, aber der Schein trügt. Im Sommer ist hier der Teufel los und ein Liegeplatz nur mit Vorbestellung (möglichst schon im Februar) zu bekommen. Die Preise sind entsprechend gesalzen und steigen ständig. Pro Nacht sind insbesondere in Ibiza-Stadt zum Zeitpunkt der Reise durchaus 300 Euro für eine 12-Meter-Yacht fällig.

Obwohl wir Mitte Oktober gute Chancen hätten, auch etwas näher am Stadtzentrum einen Liegeplatz zu finden, versuchen wir es gleich in der Marina Botafoch (www.marinabotafoch.com), die unmittelbar hinter dem Kreuzfahrtterminal, gegenüber der Stadt liegt. Um diese Jahreszeit gibt es auch ohne Reservierung genug Lücken und der Hafenmeister weist uns sofort einen Platz zu. Mit 41 €, die uns für die Übernachtung samt Nebenkosten berechnet werden, kommen wir verhältnismäßig günstig weg. Den langen Fußmarsch in die Stadt, der etwa eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, betrachten wir als Spaziergang. Die rund 2700 Jahre alte Siedlung wurde von den Phöniziern gegründet. Die Zitadelle, an die sich die Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen anschließt, wurde zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert von Mauren erbaut und zählt seit 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Wir schlendern noch gemütlich durch das beeindruckende Ambiente mit seinen unzähligen Geschäften und Kneipen. Einige davon machen bereits Winterpause, denn der größte Touristenrummel ist vorbei.

Bei der Suche nach einem Abendessen in gemütlicher Atmosphäre treffen wir auf das kleine, unmittelbar an der Festung liegende Restaurant La Scala (www.la-scala.com). Wir haben Glück, dass wir die letzten noch freien Plätze auf der idyllischen Terrasse bekommen. Die Küche ist vorzüglich, der Service exzellent und das Preisgefüge stimmig.

Den auffrischenden Wind hatten wir schon am Abend bemerkt, wohl wissend, dass in der Nacht eine kleine Störung durchziehen soll. So ist es auch am nächsten Tag wenig überraschend, dass uns an der Hafenausfahrt etwas Welle erwartet. Dennoch machen wir uns auf den nur 12 Seemeilen kurzen Weg nach Formentera. Umdrehen und alternativ Santa Eulalia anlaufen könnten wir ja immer noch. Klar war auch, dass die von Westen kommende Welle weiter zunehmen wird, je näher wir der schmalen Passage zwischen den Inseln kommen. Mit einer maximalen Wassertiefe von 10 Metern ist es hier recht flach.

Der steile Abfall in Richtung Westen auf 600 Meter zeigt dann hinter der Engstelle auch seine Wirkung, denn plötzlich werden wir mit einer Wellenhöhe von fast zwei Metern konfrontiert. Lediglich vier Seemeilen trennen uns noch vom Ziel. Bei gutem Wetter würde hier fast jeder an eine der zahlreichen Murings in der herrlichen Ankerbucht Badia de s’Alga vor Espalmador oder der Cala Sabina in Formentera gehen. Aber die Buchten sind alle offen, das geht nur bei perfektem Wetter. Uns bleibt nur die Übernachtung in der Marina Formentera Mar (www.formenteramar.com), die sich im Puerto de la Savina befindet. Der Ritt auf der Welle erfordert eine Kursänderung, denn das direkte Ansteuern ist nicht möglich. Durch die kurze Distanz war das noch akzeptabel, doch die Arbeit am Gashebel erfordert volle Konzentration.

Dass heute nur die Kitesurfer Spaß haben, sich hier bei diesen Bedingungen aber kaum jemand hintraut, war klar. Entsprechend groß ist das Platzangebot im Hafen. Am Nachmittag kommt dann noch eine Lagoon 440, für die das bisschen Welle keine Herausforderung darstellt. Das war’s. Knapp 44 Euro werden für die Übernachtung mit Nebenkosten berechnet. Im Hochsommer 2014 waren laut Preisliste satte 220 Euro fällig.
Dass die Saison beendet und die ehemalige Hippie-Hochburg etwas abgelegen vom Mainstream ist, ist nicht nur an den Preisen zu erkennen. Die regelmäßig ankommenden Fähren spucken zwar noch Tagestouristen aus, aber die Hoffnung in einem der bekannten Fischrestaurants, die sich am Sandstrand vor dem Muringfeld befinden, ein Abendessen genießen zu können, ist schnell begraben.

Das bekannte Fischrestaurant Es Molí de Sal (www.esmolidesal.es) am nördlichen Zipfel von Formentera macht längst seine Winterpause. Nur die coole Haifischbar Tiburon (www.tiburon-formentera.com) zieht noch einige Gäste an. Auch wir genehmigen uns in dem sehr originellen Ambiente zwischen Nadelgehölz ein Bier und genießen den herrlichen Ausblick und das Wellenrauschen am endlos erscheinenden weißen Traumstrand mit Südsee-Feeling. Für das Abendessen bleibt wenig Auswahl. Der gegrillte Tintenfisch im Restaurante Bellavista, direkt im Hafen, mundet dann aber doch vorzüglich.

Die nächste Etappe führt uns zurück nach Ibiza. Die Marina Santa Eulalia (www.puertodeportivosantaeulalia.com) ist nach nur 18 Seemeilen schnell erreicht. Sicherheitshalber füllen wir 400 Liter Diesel nach, sodass der Tank wieder voll ist. Im Nachhinein betrachtet hätte die erste Füllung samt Sicherheitsreserve auch für den gesamten Törn gereicht. Platz für Gastlieger gibt es genug und der Preis von unter 32 Euro für die Nacht ist vergleichsweise moderat. Im Sommer sieht das – wie überall – anders aus. Dennoch ist die Marina als preiswert bekannt und wird oft als Alternative zu Ibiza-Stadt bevorzugt.

Balearen

Die Cala Pi ist eine der schönsten Ankerbuchten auf Mallorca. Da sie sehr klein ist, gibt es nur wenige Ankerplätze. 

Hier liegt man günstiger und für einen Besuch in der Hauptstadt sind die 16 Kilometer mit dem Taxi schnell überbrückt. Bei einem Rundgang in dem Touristenort wird klar, dass hier die Nachsaison noch voll in der Blüte steht. Aus den zahlreichen Hotelanlagen strömen Urlauber und die Strände sind gut besucht. Obwohl man auch in den gemütlichen Restaurants der Marina vorzüglich speisen kann, stürzen wir uns am Abend in den Trubel der engen Altstadtgassen. Bars und Restaurants gibt es hier wie Sand am Meer, alle sind gut besucht und wir sind mit unserer intuitiven Auswahl sehr zufrieden.

Am nächsten Morgen steht die Überfahrt zurück nach Mallorca auf dem Programm. Bei herrlichem Wetter und perfekten Bedingungen gleiten wir die 66 Seemeilen gemütlich in drei Stunden bis zur Cala Pi. In der kleinen, aber mit ihren Steilwänden sehr idyllischen Bucht, gibt es nur wenige Ankerplätze, die meist von Seglern belegt werden. Aber mit der Motoryacht sind wir schneller und laufen bereits am frühen Nachmittag ein.
Es tummeln sich nur kleine Motorboote zum Badestopp und wir schnappen uns dank geringem Tiefgang den flachen, aber besser geschützten Ankerplatz direkt vor dem Sandstrand.

Beim Ankern ist hier einiges zu beachten. Das Eisen muss in eine der hellen Sandflächen geworfen werden, dass es hält. Die Lage überprüfe ich nach dem Manöver bei einem erfrischenden Bad im kristallklaren Wasser mit der Taucherbrille. Dann wird grundsätzlich mit einer Heckleine zu einem der Felsen abgesichert, denn die Bucht ist eng und ein Schwojen um die Ankerkette bei wechselnden Winden wäre fatal. Wenn alles ordentlich liegt, ist der Ankerplatz hier gut und sicher, wenn nicht gerade Wind oder Schwell in die Bucht drückt.

Das Ankermanöver wird mit einer herrlichen Lage belohnt. In der winzigen Ortschaft gibt es einige Restaurants, in denen – wie meist auf den Balearen – ein leckeres Abendessen wartet. Wir entscheiden uns für das Restaurante Miguel direkt am Kap und speisen auch hier hervorragend. Eine Taschenlampe sollte nicht vergessen werden, denn der Rückweg nach dem steilen Fußweg über den Strand ist stockdunkel und der Weg zum Dingi über zahlreiche Stolperfallen an den alten Bootsschuppen nur schwer zu erkennen.

Mit einem Besuch in Cabrera steht am nächsten Tag das letzte Ziel an. Da die 14 Seemeilen schnell gefahren sind und die Bojen erst am Nachmittag für die nächste Übernachtung freigegeben werden müssen, verbringen wir den Vormittag noch in der schönen Cala Pi und treten die kurze Überfahrt erst am Nachmittag an.
Als wir in die Bucht von Cabrera einlaufen, ist unser Platz frei. Die Bojen haben unterschiedliche Farben. Für Boote bis 15 Meter sind sie weiß. Der Preis für die Genehmigung liegt bei 15 Euro pro Nacht. Im Juli und August sind maximal zwei Nächte erlaubt, ansonsten fünf. Hier ist Selbstversorgung angesagt, denn Restaurants gibt es nicht, nur eine kleine Bar, die inzwischen auch Tapas serviert. Frischer Fisch kann eventuell bei Fischern an der Pier gekauft werden. Das selbst gekochte Essen, das unter freiem Himmel an Bord eingenommen wird, genießen wir in vollen Zügen. Und beim Bad in der Sonne oder im klaren Wasser kann die Seele hier wunderbar baumeln.

Da der Weg in den Heimathafen kurz ist, entschließen wir uns am nächsten Morgen erst an den herrlichen Sandstrand von Es Trenc in Mallorca zu fahren und nach 11 Seemeilen dort zu ankern. Bei ruhigem Wetter eignet sich die offene Bucht gut für einen Badestopp. Für den Landgang wird das Dingi zu Wasser gelassen. Hier lohnt der Besuch der Saline (www.flordesaldestrenc.com) oder des touristisch geprägten Ortes Sant Jordi. Nach jeweils zwei Kilometern Fußweg sind beide Ziele erreicht. Die Salzgewinnung hat eine große Tradition auf den Balearen. Auf dem Weg zur Saline können in den Verdunstungsbecken Flamingos beobachtet werden.

Nach einem Mittagsmahl in der gemütlichen Hafenatmosphäre von Sant Jordi – die Marina dort wird hauptsächlich von Einheimischen und Fischern genutzt, Gastplätze sind rar – liegen am späten Nachmittag die letzten 25 Seemeilen nach Palma de Mallorca vor uns, und wir freuen uns schon sehr darauf, den Rest der Balearen in einem weiteren Törn mit der "España Emotion" erkunden zu können. Der Bericht folgt.

Dieter Wanke am 25.09.2015
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