Friaul-Julisch Venetien Friaul-Julisch Venetien

Revier: Friaul-Julisch Venetien / Italien

Dem Süden so nah

Bodo Müller am 08.02.2018

Die nördliche Adria zwischen Venedig und Slowenien bietet ein attraktives Netz von Marinas für jede Preisklasse und einen guten Service rund ums Boot

Fotostrecke: Friaul-Julisch Venetien

Die kroatische Adria wird immer teurer: Seit Jahren schrauben die Marinas die Preise nach oben, National- und Naturparks erhöhen ihre Eintrittsgelder. Aktuell schlägt der Staat mit einer alarmierenden Erhöhung, der sogenannten "Aufenthaltsgebühr", brutal zu. Sie steigt in diesem Jahr für die gängigen Bootsklassen auf das Fünf- bis Achtfache des Preisniveaus von 2017. Für ein Boot der Klasse 12–15 Meter müssen 2018 satte 1029 Euro nur an "Aufenthaltsgebühr" abgedrückt werden; im vergangenen Jahr waren es noch 176 Euro (siehe auch BOOTE-Ausgabe 02/2018).

Doch gibt es durchaus Möglichkeiten, dem kroatischen Preiswucher das Heck zu zeigen. Eine im wahrsten Sinne naheliegende Variante ist es, das Boot nach Friaul-Julisch Venetien zu verlegen.

Die zu Italien gehörende autonome Region liegt an der nördlichsten Spitze der Adria und grenzt im Norden an Kärnten (Österreich), im Osten an Slowenien, im Westen an Venetien. Historisch gehörte einst auch die Halbinsel Istrien dazu, die als Folge des Zweiten Weltkrieges jedoch an Jugoslawien fiel.

Dementsprechend bunt ist der Mix aus Kulturen und Sprachen. Neben der Amtssprache Italienisch sind Deutsch, Friaulisch (auch genannt: Furlanisch) und Slowenisch anerkannt. Die Landschaft besteht im westlichen Teil, also in Richtung Venedig, aus flachen Lagunen, die durch Flussläufe und Kanäle schiffbar miteinander verbunden sind. Der östliche Teil um die Hauptstadt Triest ist gebirgig und ähnelt landschaftlich der Küste Istriens.

In diesem etwa 50 Seemeilen langen Küstenabschnitt gibt es hervorragende Marinas und insgesamt mehr als 10 000 Liegeplätze – die größte Dichte in ganz Italien. Im Gegensatz zu Kroatien, wo der ACI-Verbund die nautische Infrastruktur dominiert, wirtschaften die meisten Anlagen in Friaul-Julisch Venetien völlig autonom. Der 2016 erfolgte Zusammenschluss unter dem Verbund FVG Marinas Network soll helfen, das Marketing und den internationalen Messeauftritt der kleinen sowie mittleren Betriebe zu verbessern.

Das Spektrum reicht vom kleinen Hafen am einsamen Lagunenkanal bis hin zur modernen Marina mit Werftbetrieb, der alle Arbeiten rund ums Boot anbietet.

Im Gegensatz zu Kroatien, wo es vielerorts verboten ist, am eigenen Schiff zu werkeln, darf in vielen Marinas im Friaul völlig problemlos am eigenen Boot gearbeitet werden. Die italienischen Umweltauflagen sind jedoch streng. Man sollte daher in der Marina seiner Wahl vorab fragen, was machbar ist und worauf man achten muss.

Wer Arbeiten am Schiff nicht selbst ausführen mag oder kann, findet im Friaul ein dichtes Netz professioneller Dienstleister – vom Edelstahlschlosser über Holzbootsbauer bis hin zum Yachtlackierer und Bootssattler. Und ganz wichtig: Der italienische Staat greift den ausländischen Bootsfahrern nicht in die Tasche; es sind also weder ein "Permit" noch eine "Aufenthaltsgebühr" zu zahlen.

Die Region Friaul-Julisch Venetien ist ein ganzjährig befahrbares Revier, wobei die schönste Reisezeit zwischen Ende April bis Anfang Oktober liegt. Dann scheint überwiegend die Sonne und der Schönwetterwind Maestral weht die Küste entlang. Die in Kroatien so gefürchtete Bora tritt hier, mit Ausnahme des Golfs von Triest, in etwas schwächerer Form auf. Deutlich spürbar ist sie nur im Winter.

Problematisch können anhaltende Starkwinde aus Süden werden, weil sich dann an den Einfahrten zu den Lagunen Seegang aufbauen kann. Bekannt ist die Region – ähnlich wie Kroatien – für ihre Gewitterneigung, insbesondere im heißen August. Die Lagunenlandschaft stand touristisch immer im Schatten des benachbarten Venedig.

So sind die Lagunen von Marano und Grado und sogar der Golf von Triest weitgehend vom Massentourismus verschont geblieben.

Es gibt hier zauberhafte Orte mit reicher Geschichte und Architektur, die man gesehen haben sollte, wie Marano, Aquileia, Grado und nicht zuletzt auch Triest. Die am Meer gelegenen Badeorte Lignano Sabbiadoro an der Lagune von Marano bzw. Grado mit der angrenzenden Lagune von Grado locken außerdem mit kilometerlangen Sandstränden, die es in Kroatien nirgendwo gibt.

Und wer nach zwei Wochen in den Lagunen alles gesehen hat, kann immer noch einen kurzen Satz über die Adria ins nahe Kroatien machen. Dann wird die umstrittene "Aufenthaltsgebühr" nicht mehr für ein ganzes Jahr fällig, sondern nur noch für die tatsächliche Dauer des Besuchs.

Nachfolgend stellen wir 15 Marinas des Reviers vor. Alle Häfen, die auf der Adria-Seite der Lagunen liegen, sind mit Motorbooten üblicher Größe problemlos erreichbar.

Jene innerhalb der Lagune oder an den nördlichen Zuflüssen liegen, muss eventuell auf den Wasserstand geachtet werden. Infos dazu enthält die nautische Literatur. Im Zweifelsfall sollte man vorab in der Marina anrufen, ob sie mit einem bestimmten Tiefgang noch erreichbar ist. Die Preise sind weit gestaffelt und auf den angegebenen Internetseiten zu finden.

Das gesamte Revierproträt über die Region Friaul-Julisch Venetien lesen Sie in der März-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 21. Februar 2018 im Handel gibt. Abonnenten natürlich schon eher.

Bodo Müller am 08.02.2018
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