Mittelmeer-Spezial: Venedig Mittelmeer-Spezial: Venedig

Spezial: Venedig / Italien

Die große Gelassenheit

Morten Strauch am 02.11.2017

Lebendig, so kennt man Venedig! Doch auch Ruhe lässt sich in der Lagune finden. Ein Chartertörn der „anderen Art“ führt uns zu diesen Orten

Der Markusplatz in Venedig: Es ist drückend heiß, während unüberschaubare Scharen von Touristen zwischen Selfiestick, prallen Rollkoffern und kitschigen Souvernirs hin- und hergeschoben werden. Mit Glück rettet man sich in eines der vielen Cafés und darf sich auf einen nicht ganz billigen Cappuccino freuen... Der Traum von Serenissima und dolce vita?

Francesco Calzolaio gehört zu einer stetig wachsenden Gruppe von Venezianern, die das Risiko des Massentourismus für die Lagunenstadt erkannt haben und stattdessen auf Nachhaltigkeit und Entschleunigung beim Urlaubserlebnis setzen.

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Deshalb hat Francesco, der eigentlich Architekt ist, in Kooperation mit Linssen Boating Holidays sein Projekt "Lagunalonga" ins Leben gerufen: Ein Luxus-Charter-Angebot für Individualtouristen auf einer Linssen 410 AC. Die "Elvira" kann mit und ohne Skipper gechartert werden, doch es empfiehlt sich durchaus, den gut vernetzten Francesco dafür auch in Anspruch zu nehmen.

Sein umfangreiches Hintergrundwissen macht ihn nicht nur auf dem Wasser zum idealen Reiseleiter – und seine Beziehungen öffnen so manche Tür. So kommen die Festmacherleinen unserer Linssen sogar manchmal dort zum Einsatz, wo private Sportboote normalerweise nicht anlegen dürfen.

Auch wenn der berühmte Markusplatz zum Pflichtprogramm gehört, stehen bei den Törns von Lagunalonga eher die ruhigen und unbekannteren Orte der Lagunenlandschaft im Vordergrund. Wir begeben uns ein Wochenende lang mit Francesco und seiner "Elvira" auf eine kleine Entdeckungsreise zu den verborgenen Schätzen und kulinarischen Spezialitäten, die die Wasserwelt rund um Venedig bereithält.

Einen ersten Eindruck bekommen wir im Vorbeifahren, als wir mit dem (auf der Lagune allgegenwärtigen) Taxiboot vom Flughafen "Marco Polo" Richtung Isola del Certosa preschen, wo uns Francesco auf seiner Linssen empfängt:

"Benvenuti a bordo" – Willkommen an Bord! "Von jetzt an bewegen wir uns würdevoll und genießen die Langsamkeit." Und das fällt auf dem holländischen Stahlverdränger überhaupt nicht schwer.

Unsere erste Etappe führt am großen Leuchtturm von Murano und an der Friedhofsinsel San Michele vorbei, bevor wir uns in einem Durcheinander von Wassertaxis, Transport- und Ambulanzbooten im Nordosten Venedigs wiederfinden.

"Fast so schlimm wie der Straßenverkehr in Rom", lacht Francesco und steuert seelenruhig aus dem Wildwasser heraus und durch die Porta Nuova hinein ins "Arsenale", die Flottenbasis und Stützpfeiler der ehemaligen Republik Venedig .

Das riesige Hafenbecken mit seinen angrenzenden Werft- und Marinegebäuden ist größtenteils Sperrgebiet und darf nur mit Genehmigung befahren werden – dank Francesco legen wir unsere Yacht an einem nicht sehr öffentlichen Abschnitt an die Leine und werden prompt von einem Marine-Offizier abgeholt. Alles ist arrangiert, es folgt eine spannende Führung durch die ehrwürdigen Hallen.

Inzwischen ist es ruhig und friedlich auf dem 32 Hektar großen Gelände, dessen Ursprünge auf das Jahr 1104 zurückgehen. Zu den Hochzeiten venezianischer Seemacht dagegen arbeiteten hier bis zu 30 000 Menschen. Während des Krieges gegen die Türken im Jahr 1570 wurden so 100 Galeeren gebaut – in zwei Wochen.

Das heutige Erscheinungsbild geht zum großen Teil auf Napoleon Bonaparte zurück, der in Venedig große Segelkriegsschiffe für den Kampf gegen die Royal Navy auf Kiel legen ließ. Zu dieser Zeit entstand auch der Torre di Porta Nuova, von dem man heute die herrliche Aussicht über das Arsenale und die Stadt genießen kann.

Den kompletten Reisebericht über Venedig, sowie weitere Teile des Mittelmeer-Spezials lesen Sie in der Dezember-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 15. November am Kiosk gibt. Für Abonnenten natürlich schon eher!  

Titel_Dezember_2017

Morten Strauch am 02.11.2017
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