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Kroatien

Kroatien: Insel Hvar

Jürgen Straßburger am 28.10.2013

Für die britische Zeitschrift „Traveller“ zählt Hvar zu den zehn schönsten Eilanden der Welt. – Grund genug, die Insel mit dem Charterboot zu runden.

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Fotostrecke: Kroatien: Insel Hvar

Der 26. August 2012 hatte es in sich. Für uns begann der Tag ganz harmlos in der Marina Kremik bei Rogoznica in der Charterstation von Offshore-Boote. Das am Tag zuvor über-nommene Motorboot, eine Cranchi 43 Sport mit dem schönen Namen "Chiara", musste für unseren Törn, der zwei Wochen dauern sollte, verproviantiert werden. Ein wahrhaft blöder Job bei dieser schwülen Hitze.

Kroatien, Hvar

Kroatien „at its best“: Rund Hvar mit der Charteryacht

Am späten Vormittag kommt Stationsleiter Stefan ans Boot und sagt: "Ihr wollt doch nach Maslinica. Fahrt nicht zu spät los, der Wetterbericht hat für den Nachmittag Nordostböen von 35 bis 65 kn angesagt. Das wären 8 bis 9 Beaufort und wahrlich kein Spaß mehr.

Aber so richtig glauben kann man das bei dem schwülen Lüftchen nicht, als wir um 14.15 Uhr die Marina verlassen. "Süd 2, Seegang 1, schwül", steht im Logbuch. Also kein Problem, noch eben bei einer befreundeten Crew "Hallo" zu sagen, die in der Bucht Stari Trogir vor Anker liegt. Ein gutes halbes Stündchen brauchen wir für die neun Seemeilen. Als wir um 15 Uhr ohne eigenen Anker am Boot unserer Freunde längsseits festmachen, weht ein leichter Wind aus WNW.

Kroatien, Hvar

Kroatien „at its best“: Rund Hvar mit der Charteryacht

Kaum haben wir uns auf dem Achterdeck gemütlich eingerichtet, spüren wir, wie die Boote stärker schwojen. Ein Blick Richtung Nordwesten: Schwarz kommt die Front, sehr schnell und unbarmherzig. Um 15.35 Uhr pfeift uns der Wind mit 5 bis 6 Beaufort aus NW um die Ohren. Jetzt aber ganz schnell "Tschüs" und weg. Raus aus der Bucht, in der wir zwischen dem Eiland Merara und dem Festland auf Legerwall liegen.

Nördlich der kleinen Insel Arkandel gehen wir auf Südostkurs und können entspannen: Wir haben den Wind von achtern, und unsere "Chiara" surft ge-lassen durch die höher werdenden Wellen. Entgegenkommende Boote stampfen heftig gegen die See und werden doch arg gebeutelt.

Fast "ruhig" ist die See in der Passage zwischen den Inseln Mali und Veli Drvenik. Erst an der Südküste von Veli Drvenik ist das Meer wieder bewegter. Aber jetzt liegt unser Ziel, der Hafen von Maslinica auf der Insel Šolta, schon auf Sichtweite vor uns. Der Wind pfeift nun in Böen mit guten 7 Beaufort. Hoffentlich können wir gleich rein in den Hafen? Denkste! Fünf Boote sind vor uns dran und werden einzeln von einem auf der Spitze des Wellenbrechers stehenden Marinero in den Hafen gewunken. Vier sind schon drin, dann geht es plötzlich nicht weiter voran. Wir kämpfen mit Wind und Wellen vor der Hafeneinfahrt.

Dem UKW entnehme ich mehrfach ein "Mayday!" – viel ist bei dem Wind nicht zu verstehen. Nach knapp einer Stunde Kampf mit den Elementen die Erlösung: Man winkt uns in den Hafen. Hinter dem Wellenbrecher wartet ein Marinero mit Schlauchboot, um uns im Fall der Fälle Bugsierhilfe zu geben. Doch wir brauchen sie nicht: Wie auf der Schnur gezogen, manövriere ich das Boot mit dem IPS-Antrieb in die angezeigte Lücke. Die Muring wird herangereicht, die Achterleinen entgegengenommen – wir liegen fest.

Maslinica: Was für ein prächtiger Yachthafen aus dem früher eher unscheinbaren Dorfhafen geworden ist! Hinter dem neuen Wellenbrecher und der zur Flaniermeile ausgebauten Pier stehen 50 Liegeplätze für Yachten bis
40 m Länge zur Verfügung. Über Selbstverständlichkeiten wie Wasser und Strom muss hier nicht geredet werden. Fein auch die neuen Sanitäranlagen im Hafenbüro.

Highlight des Hafens und des Ortes ist aber der 300 Jahre alte Palast "Martinis Marchi": Nach einfühlsamer Restaurierung im historischen Stil ist hier ein Hotel mit sechs Suiten und ein Restaurant für gehobene Ansprüche entstanden. Und wenn man bei fangfrischem Fisch, zubereitet mit heimischen Kräu-tern und Olivenöl von der Insel Šolta, und einem guten Glas Wein den herrlichen Blick auf Hafen und Bucht genießt, sind eventuelle Verdrießlichkeiten des Tages ganz schnell vergessen (www.martinismarchi.com).

Nur "übern Berg" oder nautisch eine knappe Seemeile südlich von Maslinica liegt die Bucht Šešula, die, außer vor Südwestwinden, perfekten Schutz bietet. Da halten wir mal die Nase rein. Es ist Mittag, und die meisten Boote haben die Bucht bereits verlassen. Also haben wir freie Auswahl bei den Muringbojen, die vor den beiden Konobas am Nordufer der Bucht liegen. Sieben sind es vor der "Konoba Šešula", fünf vor dem Restaurant "Šišmiš". Wir entscheiden uns für Letzteres. Vom Ufer geht es ein paar Stufen nach oben, und dann sitzen wir in der "Fledermaus" (= Šišmiš), in der es auch gute Cocktails geben soll. Doch dafür ist es zu früh ... Wir stärken uns mit Dalmatinischem Schinken und Pager Käse.

Wind und Kurs passen ideal zusammen, als wir bei NW 2 bis 3 Beaufort mit Kurs SE auf die Westspitze der Insel Hvar zuhalten. Wir passieren Rt. Pelegrin auf Hvar und nehmen im Pakleni Kanal Kurs auf die ACI-Marina Palmižana auf der Insel Sv. Klement, der größten des Pakleni-Archipels.

Ich traue meinen Augen nicht: So voll habe ich Marina Palmižana Ende August nur selten gesehen, und immer mehr Segler kommen rein. Wir sind in "The Yacht Week" geraten, eine Flottille von bis zu 50 Segelyachten, besetzt mit jungen Leuten aus aller Welt. Mit der erhofften Ruhe in einer meiner Lieblingsmarinas ist es damit vorbei, und auch das sonst immer so klare Wasser im Hafen zeigt sich trüb. Neben uns liegt eine sechsköpfige Crew aus Lateinamerika. Da ist Elektro-Dauerparty angesagt. Und da viele Cocktails viel Eis brauchen und somit auch viel Strom, wird ein zweiter Landanschluss gelegt und dafür unserer einfach rausgezogen. Spaß muss sein, auch wenn es auf unsere Kosten geht.

Ziemlich unverständlich, warum ACI ausgerechnet die für ihre Ruhe beliebte Marina Palmižana für dieses Event freigegeben hat. Klar, den jugendlichen Seglern wird große Party versprochen: "Along the way you will stop in Hvar, which is renowned for its parties and where we host our infamous after beach party", heißt es auf der Internet-Seite von "The Yacht Week". Und diese Beach-Party findet auf der Nachbarinsel Marinkovac am Partystrand des "Carpe Diem" statt.

"Genieße den Tag" – aber wie soll das gehen, wenn schon morgens die Sanitäranlagen beim Ansturm junger Leute aus allen Nähten platzen und wir alten "Silberrücken" unter der Dauerbeschallung durch beschwipste Bootsnachbarn leiden müssen? Merke: Das gilt an ein bis zwei Tagen pro Woche im Juli und August!

Ein paar Neuigkeiten gibt es in der Marina auch: An den neuen Murings an Steg D können jetzt Yachten bis 40 m Länge festmachen. Die Stromkästen an Mole C und D sind mit 32 Ampere abgesichert. Brandneu war im letzten Jahr auch die Stegbeleuchtung. Für 2013 wurden neue Sanitäranlagen angekündigt.

Nun gibt es im Pakleni-Archipel zum Glück genügend Buchten, in denen man dem Chaos in der Marina entfliehen kann. Dafür nur bedingt geeignet ist die überaus beliebte Bucht Vinogradišće, die auf der Südseite der Insel der Marina Palmižana genau "gegenüberliegt"."Überaus beliebt" heißt in diesem Fall auch "überaus voll".
In diesem Jahr ist die Genehmigung für die Einrichtung eines Bojenfeldes erteilt worden, um dessen Betrieb sich drei Konzessionäre beworben haben. Ende Mai dieses Jahres waren die Bojen noch nicht verankert und die Konzession noch nicht vergeben.

Die könnte sehr lukrativ sein, denn mit ihren fünf Lokalen für unterschiedliche Zielgruppen wird die Bucht auch weiterhin viele Gäste anlocken: Schickimicki in feiner Garderobe zu gehobener und teurer Küche in das "Zori" (Tel. 021-74 49 04). Feingeister und künstlerisch ambitionierte Menschen in das kultige, von Dagmar Meneghello und ihren Töchtern mit feiner Küche geführte "Meneghello", das etwas oberhalb der Bucht in einem exotischen botanischen Garten liegt (Reservierung Pflicht: Tel. 021-71 72 70).

Wer den Blick für schöne Gestaltung und liebevoll ausgeführte Details nicht verloren hat, wird sich bei traditioneller dalmatinischer Küche im "Toto’s" wohlfühlen, das von Dagmar Meneghellos Sohn Đenko gestaltet wurde und geführt wird (Reservierung Tel. 021-71 82 42).

Etwas rustikaler orientierte Gäste werden im schlichteren Ambiente des "Bacchus" in jedem Fall gut bedient (Tel. 091-253 37 96). Und das junge Volk, namentlich die Crews der "Yacht Week", werden von der Marina hierherpilgern, um in der chilligen Lounge Bar "Laganini" bei "cooler Mucke" Cocktails zu schlürfen oder Fisch vom Grill zu essen.

Wer es wirklich ruhig will, steuert die eine Seemeile westlich von Vinogradišće gelegene Bucht Taršće an. Vom Scheitel der Bucht führt ein Wanderweg in westlicher Richtung zunächst zur urigen Konoba "Dionis" und schließlich, im Örtchen Vlaka, zur "Pension Tonci".

Tonci Matijević ist Fischer und versorgt die Küche mit frischem Fisch. Der freundliche Service liegt in den Händen seiner Tochter Perina. Da hier vornehmlich für Hausgäste gekocht wird, sollte man sich anmelden (Tel. 021-74 24 80). Fragen Sie nach einem Fisch-Brodetto oder einer Gregada (Fisch in Weißwein mit Kartoffeln und Zwiebeln). Einfach, aber köstlich!

Der Wind hat auf SE gedreht. Also ist es gut,  Hvar im Uhrzeigersinn zu runden: Rt. Pelegrin querab und dann an der Nordküste der Insel mit Ostkurs von Bucht zu Bucht. Drei Seemeilen östlich vom Rt.Pelegrin laufen wir in die Bucht Pribnja ein, die sich am Fuß wie eine Zahnwurzel teilt: Westlich, Vela Vira: früher Fährhafen, jetzt ein kleiner Werftbetrieb. Östlich, Mala Vira: Wir entdecken sieben freie Muringbojen und machen fest. Ein kleines Bötchen tuckert auf uns zu.

Wir lernen Jure Knezović kennen, der sich nur "Jure" nennt und perfekt deutsch spricht. Er betreibt im Scheitel der Bucht die Konoba "Ringo". Wir reservieren einen Tisch für den Abend. Jure hat uns nicht zu viel versprochen: Die gemütliche Konoba ist rappelvoll, und die Kühlvitrine ächzt unter der Last und Vielfalt frischen Fisches. Jures Bruder ist als Fischer unterwegs und füllt den Gabentisch. Es werde auch zugekauft, aber "nur aus dem heimischen Meer" versichert uns Jure. Und er schwört auf die Reinheit des Fischgeschmacks, den er nicht durch Knoblauch "killt". Boje und Plätze im Lokal sollten bei Jure gebucht werden (Tel. 091-510 36 86). Und Jure ordnet an: "Um 23 Uhr ist Ruhe in der Bucht. Wer das nicht akzeptiert, fliegt raus."

Die malerische Bucht Stiniva, 2,5 sm östlich von Mala Vira, hat an ihrem Westufer eine 60 m lange Mole, an deren Innenseite man auch vor nördlichen Winden guten Schutz findet. Das ist bei den an der Hvarer Nordküste nach Norden offenen Buchten keine Selbstverständlichkeit. Die kleine Konoba "Dalmatia" ist nur abends geöffnet und bereitet Speisen nur auf Vorbestellung.

Kurs auf Stari Grad. Nicht bloß die älteste Stadt der Insel, sondern ganz Kroatiens. Für mich ein mystischer Ort, dessen Altstadt mich immer wieder in ihren Bann zieht. Sie liegt an der Südseite des lang gestreckten Hafens, dessen stadtseitige Mole in den letzten Jahren prächtig ausgebaut wurde: Murings, Wasser, Strom. Was im vergangenen Jahr noch fehlte, waren Sanitäranlagen.Die Einkaufsmöglichkeiten sind bestens, und die Vielzahl der Restaurants macht die Auswahl schwer. Wir aßen im "Pinetta" und waren zufrieden (Ul. Ljudevita Gaja 3).

Das zergliederte Nordufer der Bucht von Stari Grad bietet Ankerplätze ohne Ende mit gutem Schutz vor nördlichen Winden. Mehr Zeit müsste man haben! Wir runden die weit nach Nordwesten ragende Landzunge und laufen auf ihrer Ostseite die Bucht Zukova an. Im östlichen Zipfel der zergliederten Bucht finden wir einen malerischen Ankerplatz: Badepause ist angesagt.

Kurs auf Vrboska, das sich in einem tief ins Land schneidenden Fjord hinter der Landspitze Glavica versteckt. Noch weit vor der ACI-Marina steuert ein Bötchen auf uns zu: "Kommt in den Stadthafen. Ist besser als Marina und billiger." Die neue Art des Kundenfangs erinnert mich an das unangenehme Gezerre beim Kampf sogenannter "Restaurants" um Gäste in Dubrovniks Altstadtgassen ...

Wir machen wie geplant in der ACI-Marina am Südufer des Fjords fest. Marinadirektor Zoran Krstinić erzählt uns, dass seine Beschwerden gegen die "Abwerbungsversuche" des Stadthafens bisher vergeblich gewesen seien.
Die Marina zeigt sich in guter Verfassung: 2013 soll eine neue Behindertentoilette gebaut werden, der Waschraum  wird mit neuer Waschmaschine und Trockner ausgestattet, und kostenloses W-LAN gibt es schon jetzt. Zur Tankstelle sind es 100 m.

Auf dem Weg ins Ortszentrum folgen wir dem schmaler werdenden Fjord, vorbei am Stadthafen, der Murings, Wasser und Strom, aber keine Sanitäranlagen bietet.  An einer kleinen Insel, kurz oberhalb vom Stadthafen, verflacht der Fjord. Zwei Brücken verbinden die durch das Wasser getrennten Ortsteile. Hier wirkt der malerische Ort mit seinen sehenswerten Gebäuden aus Gotik, Renaissance und Barock wie ein Lagunenstädtchen. Beliebter Ausflugspunkt ist die sehenswerte Festungskirche Sv. Maria. Im Ort finden wir gute Einkaufsmöglichkeiten und jede Menge Restaurants.

Jelsa liegt nur knapp zwei Seemeilen südöstlich von Vrboska. Die Altstadt des beliebten Badeortes breitet sich auf der Südseite des weiträumigen Hafenbeckens aus – auf einem sanft ansteigenden Hügel vor der spektakulären Kulisse der im Hinterland bis zu 600 Meter aufsteigenden Bergwelt der Insel. Sportboote liegen, einlaufend an Steuerbord, an einer Mole mit Murings, Wasser und Strom gegenüber der Altstadt. In unmittelbarer Nähe gibt es zahlreiche Restaurants und Cafés zu entdecken!

Und spätestens jetzt sollten Sie mit dem Wein der Insel Hvar Bekanntschaft machen: Am östlichen Ortsrand von
Jelsa befindet sich die Kellerei "Bastijana" des großen Winzers Andro Tomić. Eine Weinprobe dort ist für Weinliebhaber ein Muss. Mein Tipp ist eine Spezialität der Insel Hvar: der trockene, autochthone Weißwein "Bogdanuša", was übersetzt "gottgegeben" heißt – und so auch schmeckt (www.bastijana.hr).

Vier schöne Buchten an der Nordküste von Hvar, denen wir mindestens eine Fotorunde widmen: Velika Prapratna, knapp 3 sm östlich von Jelsa. Eine sehr ruhige Bucht, an deren steilen Ufern etliche Ferienhäuser stehen. Toller Kiesstrand. Ankern auf 5 bis 7 m.

Knapp 2 sm weiter östlich Mala Stiniva. Eine Doppelbucht mit steilen Felsufern im Westzipfel und wenigen Häusern an einem kleinen Strand im Ostzipfel. Hier ankern auf 4 bis 8 m.

Äußerst spektakulär sind die steilen Felsufer mit ihren Höhlen in der Bucht Vela Stiniva, 1,7 sm östlich. Am Kopf der Mole kann ein Boot festmachen. Innen alles belegt und seicht. An den Steilufern der Bucht je ein Poller für Landfesten. Am Strand findet man eine Pizzeria und das Buffet "Kod Mate".

Pokrivenik, die weiträumigste Bucht an der Hvarer Nordküste (4 sm östlich vom Vela Stiniva) ist mehr als alle anderen touristisch geprägt. Im östlichen Zipfel der Bucht gibt es vor dem Appartementhaus "Cico" eine 30 m lange K.u.K.-Mole, an der auch längsseits festgemacht werden kann. Nahbei das Hotel "Timun" mit Restaurant. Beste Ankerplätze bietet die geräumige Südbucht.

Kap Sućuraj markiert den östlichsten Punkt der Insel Hvar. Die Rundung des Kaps birgt fast immer eine Überraschung: Die Veränderung des Windes in Stärke und Richtung im Neretvanski Kanal im Vergleich zu den Bedingungen an der Nordküste von Hvar. Doch diesmal bleiben die Bedingungen gleich: Ein Hauch aus WNW um 2 Beaufort. Sućuraj ist Fährhafen, und man sollte bei der relativ schmalen Einfahrt darauf achten, ein- oder auslaufende Fähren nicht zu behindern.

Die Hafenwartin weist uns einen Liegeplatz an der äußersten Ecke des Wellenbrechers zu. Nicht ideal, aber der Sportbootsteg hinter dem Fähranleger ist belegt, und weiter innen am Wellenbrecher liegen bereits zwei Segelyachten. Also haben wir das letzte freie Plätzchen erwischt, wobei es in diesem Hafen ohnehin nur etwa fünf bis sechs Liegeplätze für Sportboote unseres Kalibers gibt. Immerhin: Auch auf dem Wellenbrecher hat man Wasser und Strom.

Der friedliche Ort ist vom Tourismus noch kaum erfasst und wirkt deshalb sehr authentisch. Es gibt zwei Supermärkte und mehrere Restaurants. Im Übrigen ist dalmatinische Gelassenheit Trumpf. In einem Restaurant an der gemütlichen Hafenpromende lassen wir den Abend ausklingen.

"Heute nachmittag Bura", sagt die Hafenwartin am nächsten Morgen und fordert uns auf, unseren Liegeplatz zu verlassen: "Hier nicht sicher, besser auslaufen!" Wir telefonieren mit Zlatan Plenković, dem Erbauer und Eigentümer des neuen Hafens in Sv. Nedjelja und wollen wissen, ob denn sein Hafen bei Bora sicher sei: "Bei Bora überhaupt kein Problem", sagt Zlatan, "kommt ins innere Hafenbecken und legt euch direkt vor das Restaurant." 28 Seemeilen sind es bis Sveta Nedjelja. Wenn wir wollen, sind die mit unserer "Chiara" in einer Stunde zu schaffen.

Als wir um 11 Uhr in Sućuraj auslaufen, ist von Bora keine Spur: ESE 2–3 Beaufort. Wenigstens eine Stippvisite gönnen wir deshalb den Buchten Srhov Dolac und dem Hafen Zavala. Der Ort scheint am steilen Hang zu hängen. Im Hafen ein wildes Durcheinander von Muringbojen und kleinen Booten. Die Innenseite der Mole ist belegt.

Um 13.30 Uhr liegen wir bei leichter Brise aus ESE vor dem Restaurant "Bilo Idro" (Weißes Segel) im Hafen von Sv. Nedjelja. Eine atemberaubende Kulisse: Über dem Hafen erhebt sich der mit 628 m höchste Berg der Insel: Sv. Nikola. In halber Höhe das Dorf, links und rechts davon Weinberge in extremer Steillage. Auch der Hafen ist ein kleines Wunder: Wie kann man an diesem Küstenabschnitt, der dem extremen Seegang des Jugo gnadenlos ausgesetzt ist, überhaupt einen solchen Hafen bauen?

Aber Zlatan Plenković macht nicht den Eindruck, als wisse er nicht, was er tut. Er ist ja nicht nur Besitzer dieser Marina (Murings, Wasser, Strom, Duschen, WC), sondern einer der großen Grand-Cru-Winzer der Insel. Bei einer abendlichen Weinprobe auf der Terrasse vor den markanten Doppeltürmen seines Weinkellers ist er dann richtig in seinem Element.

Und wenn während der Verkostung der berühmten Weine von "Zlatan Otok" ein paar Bora-Böen vom Berg herunterpfeifen, weiß man das Boot bestens geborgen und steigert sich langsam vom "Zlatan Crljenak" (Zinfandel) über den einfachen "Plavac" bis zum "Zlatan Plavac Barrique", um mit dem "Zlatan Plavac Grand Cru" am Ende den Gipfel zu besteigen (www.zlatanotok.hr).

REVIER-INFORMATIONEN

Firma
Mit aktuell 29 Yachten von 11 bis 21 m Länge und drei verschiedenen Schlauchboot-Typen ist die österreichische Firma Offshore-Boote einer der größten Charter-Anbieter für Motoryachten in Kroatien. Es gehört zur Philosophie des 1991 gegründeten Traditionsunternehmens, bewährten Klassikern in der Flotte den Vorzug zu geben vor modernen, aber möglicherweise noch nicht ausgereiften Neubauten. Diese Philosophie geht natürlich nur auf, wenn auch die älteren Yachten mit immensem Aufwand gepflegt, gewartet und regelmäßig renoviert werden. Und gerade in dieser Hinsicht arbeitet Offshore-Boote seit Jahren vorbildlich und deshalb erfolgreich. Stützpunkt von Offshore-Boote ist seit 1997 die Marina Kremik in der Nähe des Städtchens Primošten.

Boot 
Die von uns gecharterte Cranchi 43 gehörte 2012 erstmals zur Offshore-Flotte. Der rassig-sportliche Gleiter überzeugt nicht nur durch hervorragende Fahreigenschaften auch bei rauem Wetter, sondern vor allem durch die exzellenten Manövrierfähigkeiten, die es dank IPS-Antrieb erlauben, das Boot auch auf engstem Raum sicher und stabil zu führen. Nach kurzer Eingewöhnung dürfte dieses Boot für alle Skipper erste Wahl sein, die sich schwer tun, mit Wellenantrieb zu manövrieren. Darüber hinaus sorgt das Geschwindigkeitspotenzial des Bootes, das mit 2 x 415 PS bis zu 36 kn schnell ist, für "beglückende Rauschzustände". Das Boot bietet 4 Kojen in zwei Kabinen (Bug und Heck). Zu jeder Kabine gehört eine separate Nasszelle.  Also ein passendes Boot für zwei Paare. Wie alle Yachten der Offshore-Flotte ist auch dieses Boot perfekt ausgerüstet. Da fehlt es weder an Pott und Pann noch an technischem "Spielzeug" zum Wohlfühlen: Generator, Beiboot, hydraulische Gangway, Mikrowelle, Fernseher, CD/MP3-Stereo-Radio. Und natürlich ist auch eine kom-plette Sicherheitsausrüstung an Bord.


Technische Daten: Länge 13,80 m; Breite 4,15 m; Tiefgang 0,90 m; Motoren 2 x 305 kW ( 2 x 415 PS); Wassertank 300 l; Dieseltank 1100 l; Verbrauch in Verdrängerfahrt 1,5 bis 2 l/sm, in Gleitfahrt 3 bis 5 l/sm.

Preise: Die Cranchi 43 kostet, je nach Saison, von 5460 bis 7800 Euro pro Woche. Bei längerer Buchung gibt es für die 2. Woche 5 %. Die Endreinigung schlägt mit 110 Euro zu Buche. Die zu hinterlegende Kaution beträgt 4000 Euro (Bargeld, Visa- oder MasterCard).

Information und Buchung
Offshore Boote, Baumgasse 83, A-1030 Wien. Tel: 0043-1-799 23 45, Fax: 0043-1-799 23 45 - 417, Skype: offshore-boote1, www.offshore-boote.at

Weitere Informationen
Die Kroatische Zentrale für Tourismus stellt auf ihrer Internet-Seite (de.croatia.hr und at.croatia.hr) viele Infos für Nautiker zur Verfügung, die teilweise auch herunterge-laden werden können. Nautische Broschüren können kostenlos bestellt werden: Kroatische Zentrale für Tourismus, Hochstr. 43, 60313 Frankfurt/M. oder Rumfordstr. 7, 80469 München, oder Liechtensteinstr. 22a, 1/1/7 A-1090 Wien.

Jürgen Straßburger am 28.10.2013