Kornaten Kornaten

Törn: Kornaten / Kroatien

Sterne im Meer

Bodo Müller am 25.03.2018

Die Einsiedeleien im Nationalpark Kornati zählen zu den schönsten Reisezielen des Mittelmeeres. Wir haben die Buchten und ihre Konobas besucht

Fotostrecke: Kroatien: In den Kornaten

"Am letzten Schöpfungstag wollte Gott sein Werk krönen, und so schuf er aus Tränen, Sternen und Atem die Kornaten". Als der irische Dichter George Bernard Shaw diesen Satz schrieb, konnte er nicht ahnen, wie oft er zitiert werden würden. Treffender kann man den Archipel aus 147 Inseln aber wohl kaum beschreiben. Nirgendwo sonst im Mittelmeer gibt es eine derart schöne Gruppe von Offshore-Inseln. Die karstigen Felsen mit den in Fjorden versteckten Einsiedeleien gehören seit Jahren zu den Top-Zielen des nautischen Tourismus.

Waren die Kurnatare – so heißen die Einsiedler auf den Kornaten – einst Fischer oder Schafzüchter, die in ärmlichen Verhältnissen lebten, betreiben sie heute üblicherweise eine Konoba mit Anleger.

Das Geschäft boomt und ein Ende ist nicht abzusehen. Wo steinerne Hütten standen, zeigt sich heute ein ansehnliches Restaurant. Und wo früher das Holzboot mit Lateinersegel an der selbst aufgeschichteten Mole vertäut lag, machen heute Yachten komfortabel an Murings in einer Privat-Marina fest. Über 20 000 Crews besuchen inzwischen jährlich die Kornaten, deren größter Teil schon 1980 zum Nationalpark erklärt wurde. Eine so große Zahl von Gästen sorgt aber auch für Probleme: durch Ankern zerstörte Seegrasflächen, leer gefischte Gewässer, Berge von Müll und tausendfach entleerte Fäkalientanks.

Der Verwaltung des Nationalparks Kornati ist das sehr wohl bekannt. Vor fünf Jahren warnte der Biologe und Nationalparkdirektor Dr. Robert Bobinac davor, den Yacht-Tourismus nur als Geldeinnahmequelle anzusehen. Er forderte moderne Müllentsorgungssysteme, Liegeplätze an Schwimmpontons, Fäkalienabsaugstationen sowie öffentliche Toiletten und Duschen mit modernen Kläranlagen. Und er forderte, dass das Ticket für den Nationalpark Kornati auch im benachbarten Naturpark Telašćica gilt. Es sei Wegelagerei, die Bootscrews, die eine virtuelle Linie auf dem Wasser überfahren, zwei Mal zur Kasse zu bitten.

Angesichts des Durchschnittsalters der Bootsfahrer forderte der Biologe eine medizinische Notaufnahme im Nationalparkzentrum in Vrulje mit einem Notarzt, um Patienten mit Herzinfarkt oder Schlaganfall versorgen zu können. Dazu sollten ein Speedboot und ein Wasserflugzeug im Zentrum des Parks stationiert werden. Analog zu den Nationalparks in Kanada oder den USA wollte er durchsetzen, dass die Gäste nicht nur abkassiert werden, sondern auch eine Gegenleistung bekommen. Dr. Bobinac war nur für kurze Zeit Nationalpark-Direktor.

Nichts wurde seitdem verbessert. Aber die Eintrittsgelder stiegen und stiegen. Im Frühjahr 2017 protestierten die Kurnatare, die überwiegend in Murter wohnen, vor der im selben Ort ansässigen Nationalparkverwaltung gegen eine weitere Erhöhung der Eintrittsgelder.

Sie fürchten, dass immer weniger Crews bereit sind, die horrenden Preise zu zahlen und damit die Konobas weniger Gäste bekommen. Es nützte nichts – die Gebühren sind auf einem Rekordhoch und die Gelder versickern scheinbar wie seit Jahrzehnten in der kroatischen Staatsbürokratie. Aktuell kostet das Ticket bei Kauf  innerhalb des Parks für unser 43-Fuß-Boot in den Monaten Juli/August an einen Tag satte 900 Kuna (120 Euro). Die weit gestaffelte Gebühren-Struktur findet man auf der Website des Nationalparks: www.np-kornati.hr

Die gesamte Törnreportage über die Kornaten lesen Sie in der April-Ausgabe von BOOTE, die es seit dem 21. März 2018 im Handel gibt. Abonnenten natürlich schon eher.

Bodo Müller am 25.03.2018
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