Friesland Friesland

Reise durch die Niederlande: Provinz Friesland

Mit dem Boot durch Friesland

Ingrid Bardenheuer am 18.09.2015

Butter, Brot und Grüner Käse: Wer Friesland mit dem Motorboot entdeckt, erlebt Natur, Kultur und Fahrspaß pur. Eine Woche auf den „Friese Meren“

Friesland, du bist etwas Besonderes. Dass dich deine eigenen Leute mögen, versteht sich noch von selbst. Sogar eine Hymne haben sie dir gewidmet. Nea waard dy fêste, taaie bân ferbrutsen, dy't Friezen oan har lân ferbûn – nie wurde das feste Band zerrissen, das Friesen und ihr Land verbindet. Schön. Das Erstaunliche aber ist: Ein Band gibt es auch zwischen dir und uns, den Deutschen. Wir machen etwa 30 Prozent deiner Gäste aus. Viele wollen dann nur eins: Ferien auf dem Wasser machen. Zu Recht. Denn Bootfahren kann man in Friesland ganz hervorragend, vor allem auf den "Friese Meren", den friesischen Seen.

Die seien "Gold wert", wird Jannewietske de Vries, Deputierte der Provinz Friesland, auf der Website des "Friese Meren-project" zitiert. Die Initiative peppt die Seen seit 2000 sehr erfolgreich auf. Mehrere hundert Millionen Euro sind bislang ausgegeben worden – für zusätzliche Liegeplätze, komfortable Fahrwege, neue Strecken und vieles andere mehr. So hat die Provinz Friesland eine äußerst attrakti-ve maritime Destination geschaffen. Etwa 150 km2 befahrbare Wasserfläche ergeben die "Friese Meren" samt ihrer Neben- und Verbindungsgewässer. Zum Vergleich: die Müritz, Deutschlands zweitgrößter See, misst rund 112 km2. Sollte es in Friesland während der Hauptsaison irgendwo "eng" werden, dann bestehen also genügend Ausweichmöglichkeiten. Um die 35 Seen sollen die "Friese Meren" haben. Alle können wir in einer Woche nicht besuchen. Aber die "Klassiker" – Sneekermer, Tjeukemeer, Slotermeer und Heegermeer –schaffen wir schon.

Fotostrecke: Niederlande: Provinz Friesland

Ausgangspunkt unserer Tour ist die quirlige Wassersporthochburg Sneek. Der "Watersportboulevard 't Ges" (www.ges.nl), ein gutes Stück von der Sneeker Innenstadt entfernt, wurde angelegt, um es Skippern "gemakkelijker" – einfacher – zu machen. Mittlerweile ist "'t Ges" quasi das Synonym für "Wassersport". Werften, Bootshändler und Servicebetriebe, auch Vercharterer haben hier ihren Sitz. Von "'t Ges" ist man, via Houkesloot, rasch auf dem Sneekermeer. Wer nach Anreise und Bootsübernahme gleich loslegen möchte, dem sei der kurze Weg aufs Sneekermeer empfohlen. Etliche Marrekrite-Anleger (siehe Kasten Informationen zum Revier) stehen zur Auswahl. Nett liegt man zum Beispiel im Bereich Greate Griene und Lytse Griene. Sneek selbst werden wir zum Abschluss dieses Rundtörns besuchen.

Zugegeben, auf dem Sneekermeer kann es sehr lebendig zugehen. Im Nordwesten quert der Prinses Margriet-Kanaal den See, ein Großschifffahrtsweg, der sich erstaunlich problemlos in das Freizeitgeschehen einfügt. Respekt verlangen die dicken Pötte trotzdem. Segler schätzen das Sneekermeer und messen sich gern bei Regatten. Das Wettbewerbsgewusel ist aber auch irgendwann wieder vorbei. Und dann hat man das Sneekermeer und seinen Zauber nahezu für sich allein. Wie die meisten friesischen Seen ist das "Snitser Mar", so der friesische Name, ein Relikt des Torfabbaus. Schon im Mittelalter stach man hier den begehrten Heizstoff. Später, in der Neuzeit, wurde er mit speziellen Tjalken abtransportiert, den Skûtsjes.

Der Schiffstyp gehört bis heute zu Friesland wie Droge Worst (Dauerwurst) und Sûkerbôle (Zuckerbrot). Beim Skûtsjesilen treten die urigen Frachtensegler gegeneinander an. Wir sehen sie ebenfalls. Weißes Fock-, dunkles Gaffelsegel, Seitenschwerter, manche Crew in historischer Montur – unser Liegeplatz bekommt einen Hauch von Freilichtmuseum. Ein Wort noch zur Landessprache: Friesland hat gleich zwei, Niederländisch und "Fries". Offiziell heißt die Provinz auch nicht Friesland, sondern "Fryslân". Die ANWB Waterkaart verwendet häufig beide Sprachen.

Anderntags steht erst einmal Terherne auf unserem Programm. Das Inseldorf steuern wir von Süden her via Heerenzijl und  Terkaplester Puollen an. Ein betonntes Fahrwasser hilft, den Weg zu finden. Neugierig macht uns Terherne wegen seines Beinamens: Kameleon. Man könnte eine seltene Chamäleon-Zucht erwarten oder zumindest einen Reptilienzoo - weit gefehlt. "De Kameleon" heißt eine bekannte niederländische Kinderbuchreihe, deren Welt im "Kameleon Terherne" nachgestellt wird (www.kameleonterherne.nl).

Der Ort bietet etliche Möglichkeiten zum Festmachen. Im Terherne Haven liegt man zwischen bunten Ferienhäuschen, gut versorgt und nah am Zentrum. Hier gibt es einen Supermarkt und genügend Restaurants. Wir aber wollen heute noch bis Akkrum. Als Übernachtungsplatz bietet sich der Jachthaven Tusken De Marren am Meinesleat an. Vorteil für uns: Wir sind in weniger als zehn Minuten zu Fuß mitten in Akkrum und morgen rasch wieder auf dem Sneekermeer, um unsere Reise Richtung Tjeukemeer fortzusetzen. Warum überhaupt Akkrum? Friesland hat zweifellos pittoreskere Städte als diese. Doch Akkrum gehört zu den ältesten Orten der Region, und das macht den Flecken gefühlt zu etwas Besonderem. Im Zentrum von Akkrum stoßen wir auf einen unscheinbaren Wasser-lauf, das alte Flüsschen Trigreppel. Zwischen diesem und dem Fluss Boarne ließen sich um 150 n. Chr. Menschen nieder. Ihr Siedlungsplatz sollte der Ur-sprung von Akkrum werden. Später entwickelte er sich zu einem typischen "terpen"-Dorf, einem Wohnhügel. Auf dem höchsten Punkt der Warft errichtete man eine Kirche. Noch heute steht dort ein Gotteshaus, die Terptsjerke von 1759. Einkaufen und einkehren geht in Akkrum natürlich auch.

Am nächsten Tag verlassen wir das Sneekermeer-Gebiet und laufen über Noarder Alde Wei und Jouster Sylroede den Passantenhaven von Joure an. Der Ort ver-fügt über alle Versorgungseinrichtungen, etliche Restaurants und manche Sehenswürdigkeit. An der Midstraat verspricht ein Lokal "Duitse gezelligheid”. Auf der Speisekarte stehen Strammer Max und Schnitzelvariationen, wahlweise Gyros, Cheeseburger und Frühlingsrolle. Etwas weiter auf der Midstraat, beim VVV, fällt uns ein Souvenir-Lädchen auf. "Tabaks Fabriek" steht über dem Eingang. 1753 eröffnete in diesen Räumlichkeiten ein kleines Kolonialwarengeschäft. Aus ihm wurde ein Weltunternehmen: Douwe Egberts, heute vor allem für seine Kaffee- und Tee-Produkte bekannt. Davon und anderes mehr erzählt das Museum Joure, knapp 200 m weiter an der Geelgietersstraat (www.museumjoure.nl).

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Ingrid Bardenheuer am 18.09.2015
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