Titel Saimaa: Abendstimmung in Sulkava
Skandinavien

Finnland: Saimaa-Seengebiet

Christian Tiedt am 31.03.2007

Die Saimaa-Seen bilden Europas größtes Binnenrevier. Ein absolut finnischer Chartertörn mit Mitternachts-Sauna, Touristen-Tango - und Fußball-WM.

Saimaa: Abendstimmung in Sulkava

Saimaa: Abendstimmung in Sulkava

Heiß ist es, verdammt heiß! Eine Kelle Wasser noch über die glühenden Steine, und der emporschießende Dampf lässt den Schweiß in Strömen aus allen Poren schießen. So muss es sein.Also noch ein paar Augenblicke aushalten und dann raus! Wir stürmen durch den Ausgang der Sauna ins Freie – und stehen auf der Badeplattform unseres Charterbootes. Kurz vor Mitternacht ist es, aber derHimmel lodert noch immer in flammenden Farben: Frühsommer im Land der Seen. Drei, zwei, eins, los! Ein Schritt ins Leere und das klare, kalte Wasserschlägt über unseren Köpfen zusammen ...

„Mal ehrlich:Geht’s noch finnischer?“ fragt Kollege Morten mit einem „Karhu“ in der Hand, dem „Bier des Bären“. In Wolldecken gewickelt sitzen wir an Deck und genießen die windstille Juni-Nacht. Zwei Wochen vor Mittsommer wird es hier oben, nur vier Breitengrade südlich des Polarkreises, kaum dunkel. Stattdessen liegt weiches Zwielicht wie durch Watte gefiltert über den Wäldern und Seen des Saimaa, Europas größtem Binnenrevier.

Burgmauern und Bikinis: Start in Savonlinna

Mit süßem Lächeln entschuldigt sich die Stewardess für die harte Landung in Savonlinna. Auf dem kurzen Flug von Helsinki haben wir schon einen ersten Eindruck von dem bekommen, was uns in der nächsten Woche auf unserem Törn durch Südfinnland erwartet: ein silbernes Netz aus Wasser, das bis zum Horizont über Kareliens Wälder gespannt wurde.

Am Flughafen empfängt uns Jouko Soini, der Chef von Saimaan Solmu, unserer Charterfirma. Mit dem Transporter geht es über Straßen und immer schmalere Waldwege zur Basis etwas nördlich der Stadt. Als wir unsere Sachen an Bord schaffen, fällt uns das lange, blankpolierte Ofenrohr am Heck auf. Ein Schornstein? „Nein, nein“, erklärt Jouko lachend, als er unsere fragenden Blicke sieht. „Das ist für den Heizofen von der Sauna. Holz ist schon auf dem Boot.“

Vergeblich suche ich stattdessen den erhofften Plotter, der uns den Weg durch das Labyrinth weisen soll. Zugegeben, die vorhandenen finnischen Sportbootkarten sind von brillanter Qualität, alle Fahrwasser zudem mit Richtbakenlinien bezeichnet. Aber was nützt die beste Karte, wenn man nicht mehr weiß, wo man ist – besonders wenn Landmarken Mangelware sind? Da heißt es aufpassen und mitplotten!

Einkaufen können wir nur im zehn Seemeilen entfernten Savonlinna. Und da wir am Abend auf den Törnbeginn ordentlich anstoßen wollen, heißt es „Leinen los“! An einer flachen Stelle vorbei geht es hinaus auf den Haukivesi, den ersten von zahllosen Seen. Das Wasser ist glatt wie Glas. Ein makelloser Spiegel für den Sommerhimmel über uns, der so strahlend blau ist wie das Kreuz der finnischen Flagge,die am Heck im Fahrtwind flattert.

Mit sechs Knoten Fahrt geht es gemächlich nach Südosten. Savonlinna ist eine Stadt der Inseln. Wie ein Riegel aus Fels liegt sie in der schmalen Passage zwischen nördlichem und südlichem Teil des gewaltigen Seengebietes. Unübersehbare Zeugin dieser einstigen strategischen Bedeutung ist „Olavinlinna“, "Olafs Burg"  Im 15. Jahrhundert wurde sie von den herrschenden Schweden als Bollwerk gegen den östlichen Nachbarn errichtet, das russische Zarenreich. Heute dient das imposante Mauerwerk als Kulisse des weltbekannten Opernfestivals von Savonlinna, das alljährlich im Juli stattfindet. Schade, für uns leider zu spät. Aber dafür sollten auf uns noch ganz andere Arien warten, Jubelarien ...

Einen schönen Liegeplatz finden wir im fast leeren Gasthafen – auch ein Vorteil der Vorsaison. Auf dem Weg zum „Perhehotelli“, wo wir uns an der Hotelrezeption anmelden, gefällt uns die Stadt auf Anhieb. Die Sonne sorgt für Ferienstimmung und zieht die Finnen ins Freie: Bikinis und Badehosen am kleinen Sandstrand und im Schatten der Birken, eiskalter Cider vom Fass!

Der Hafen ist voller weißer Ausflugsdampfer, Touristen schlendern über den Wochenmarkt oder zum Aussichtspunkt am Regionalmuseum gleich gegenüber der Marina. Unser Tipp für den Abend ist das „Panimoravintola Huvila“ auf der Landspitze jenseits des Hafens. Auf der Terrasse mit Seeblick gönnen wir uns Fischsuppe und Rentierfilet und dazu das eine oder andere Dunkelbier aus der hauseigenen Privatbrauerei – eine kleine Sensation in einem Land mit staatlichem Alkoholmonopol.

Kerimäkis Kirche: Weltrekord aus Holz

Längst sind wir wieder allein unterwegs und folgen einer Kette von schmalen Seen nach Osten. Ihre Namen enden auf „-vesi“, „-selkä“ oder „-järvi“; die Finnen kennen eben viele Worte für „See“. Über eine Stunde fahren wir so.Mal rücken die bewaldeten Felsufer näher heran,mal weiter weg. Schnurgerade folgen wir den wechselnden Fahrwasserlinien der leuchtend gelb-roten Richtbaken, die vor dem Dunkel der Bäume schon von Weitem gut erkennbar sind.

Von Zeit zu Zeit passieren wir auf einer Landzunge oder winzigen Schäre einen der vielen „Kummeli“: Steinhaufen, die früher unterschiedliche Toppzeichen aus Holz trugen und jedem verirrten Schiffer verrieten,
wo er sich befand – wenn er denn wusste, welchem Ort das Symbol zuzuordnen war. Am Ende der lang gestreckten Wasserfläche des Moinselkä treffen wir auf das erste (und einzige) Hindernis auf unserem
Törn: die moderne Klappbrücke über den Virtasalmi. Nur kurz machen wir am Steg davor fest – von Autos ist ohnehin weit und breit nichts zu sehen – und ziehen an dem  dicken, roten Strick, der die Brücke automatisch öffnet. Die Ampel springt auf Grün, und wir geben Gas.

Im Zickzack verläuft nun unser Kurs durch enge Sunde und über Seen jeder Größe, mal am Tonnenstrich entlang, mal den Richtbaken folgend, bis wir bei Punkaharju das „offene Meer“ erreichen – denn der Puruvesi
gehört zu den großen Seen der Region und ist nur unwesentlich kleiner als der Saimaa selbst, der dem ganzen Revier den Namen gab.

Aber nicht der Puruvesi selbst hat uns mit seinem tiefen Blau nach Nordosten gelockt, sondern der kleine Ort Kerimäki an seinem Ufer. Denn hier, mitten im finnischen Hinterland, steht die größte Holzkirche der Welt. Mehr als 3000 Gläubige finden unter ihrem gewaltigen Gebälk Platz. Dabei zählte die Siedlung zur Zeit der Fertigstellung im Jahr 1847 nur wenige hundert Seelen,und selbst heute sind es nur 6000. Als Grundfür die sakrale Bauwut wird allerdings nicht tiefe Frömmigkeit vermutet, sondern ein mathematisches Missverständnis:
So soll der Architekt in Fuß gerechnet haben. Weil er die Maßeinheit auf seinen Plänen aber wegließ, hielten sie die am Bau beteiligten Bauern jedoch für Meterangaben ...

Wir schlendern über den Vorplatz des skurrilen Gotteshauses, bevor uns eine bedrohlich schwarze Gewitterwand den Hügel hinunter und am Supermarkt neben der Schnellstraße vorbei zurück zum Hafen treibt, wo unser Boot ganz außen an der Betonpier liegt. Bei der Ansteuerung ist übrigens Vorsicht geboten: Die
schwarz-weißen Kardinalstangen, die das Fahrwasser kennzeichnen, sind sehr kurz und leicht zu übersehen, müssen aber eingehalten werden! Der Service ist ebenfalls bescheiden: kein Wasser,kein Strom,nur ein einsames Dixie-Klo neben dem Schotterparkplatz.

Nicht gerade der Nabel der Welt, aber wir haben unsere Ruhe. Und die brauchen wir auch. Denn an diesem Abend des 14. Juni 2006 tritt die deutsche Nationalelf bei der Fußball-WM im fernen Dortmund gegen Polen an – und wir wollen mit dabei sein. Mit DVB-T. Platzregen, Blitz und Donner sind nur von kurzer Dauer, dann taucht die Abendsonne die Bootsschuppen und den verwaisten Hafen in rotes Licht. Wir stöpseln die Antenne in den Laptop ... und dann kommt das Bild!

Digitales Antennen-Fernsehen ist im Land der Mobilfunk-Pioniere von Nokia auch in der hintersten Waldeinsamkeit kein Problem mehr. Anstoß, zittern, bangen. Dann die 90.Minute:Odonkor flankt, Neuville trifft und der Rest ist Geschichte. Unsere Jubelschreie hallen über das Wasser. Sommermärchen auch hier,
im Land der Seen ...

Sauna in Sulkava: Die Nacht wird zum Tag 

Am nächsten Morgen überrascht uns ein grauer Himmel. Was am Vortag noch so sommerlich wirkte, ist nun blass und farblos. Das niedrige,dunkle Ufer begrenzt eine Wasseroberfläche, die jeden Glanz verloren
hat. Zurück geht es über den Puruvesi bis Punkaharju, dann folgen wir einem neuen Fahrwasser nach Südwesten. 

Auf der Karte werden die Seen der Reihe nach abgehakt: Utraselkä, Hirvolanselkä, Riutanselkä, und noch immer zieht niemand den grauen Schleier über uns weg. Zumindest sorgt von Zeit zu Zeit eine der „Lossis“ für optische Abwechslung. Die knallgelben Fähren sind überall im Saimaa- Gebiet im Einsatz,mal kabelgeführt,
mal frei, und haben natürlich immer Vorfahrt.

Erst gegen Mittag schafft die Sonne den Durchbruch, während wir uns dem Kongonpää nähern. Der schmale
Einschnitt trennt die Insel Kongonsaari vom südlichen Festland und ist mit Untiefen gespickt. Dicht an dicht stehen die roten und grünen Stangen, im Slalom geht es an flachen Felsbuckeln vorbei, über die gerade
so eben der See wäscht. 

Gleich zwei der kleinen Einheitsleuchttürme aus Stahl sichern den Sund von Kommersalmi. Hier treffen wir auch wieder auf die Hauptroute von Savonlinna in Richtung Süden und sehen zum ersten Mal seit dem Auslaufen in Kerimäki wieder andere Boote. Nach der Durchfahrt biegen wir jedoch nach Backbord ab, und bald öffnet sich der Alanne vor uns, ein besonders malerischer See mit sanften Ufern, die von „Mökkis“ gesäumt werden,den hölzernen Ferienhäusern der Finnen.An den Fahnenmasten wehen blau-weiße Wimpel, Kinder toben im flachen Wasser herum, während die Väter ihre Angelkähne aus Alu für den abendlichen Fischzug beladen.

Am Ende des Alanne liegt unser Tagesziel, Sulkava, das sich schon durch seine beiden Kirchtürme ankündigt. Auch hier müssen wir uns bei der Ansteuerung des Gasthafens an das Fahrwasser halten, das von roten und grünen Lateralstangen gekennzeichnet ist. Wenn sich die Häfen in der Hauptsaison füllen, wird mit dem Bug zum Steg hin angelegt, während das Heck mit einem Karabinerhaken an einer Muringboje festgemacht wird.
Jetzt, in der Vorsaison, ist aber noch so viel Platz, dass wir uns den Luxus erlauben können, längsseits zu gehen. 50 Seemeilen haben wir auf der Uhr, als die Maschine am Ende eines langen Tages endlich schweigt.

Nach dem spartanischen Serviceangebot in Kerimäki ist Sulkava das wahre Paradies: Strom,Wasser, Sanitäranlagen – alles vorhanden und in Top-Zustand. Wer keine Sauna an Bord hat,nimmt die neben dem
Steg. Und wer zu spät kommt, um im Restaurant „Alanne“ (zu dem der Hafen gehört) Fisch aus dem See zu probieren, der heizt den Grill auf dem Rasen am Ufer an. Bleibt nur noch,die Selbstbedienungstankstelle zu
erwähnen.

Sulkava ist herrlich verschlafen. Wir schlendern den Kanal entlang,der zwar zum nächsten See führt, aber nicht schiffbar ist, bestaunen die alten Holzhäuser mit ihren vorgereckten Schnitzgiebeln und kommen nach fünf Minuten zum Supermarkt. Unser Vorrat an „Nervennahrung“, stark angegriffen durch den Fußball-Krimi gegen
Polen, muss aufgefüllt werden. Über eine kleine Brücke steigen wir hinauf zur Kreuzkirche mit ihrem freistehenden Glockenturm, wo im Schatten hoher Bäume finnische Gefallene des 2.Weltkrieges ihre letzte
Ruhe gefunden haben. An diesem milden Abend könnte man sich keinen friedlicheren Flecken vorstellen.

Zurück am Boot, werfen wir einige Lachs-Steaks auf den Grill und beobachten den Rauch, der senkrecht in den Abendhimmel steigt. Um uns herum wird es still, kein Lufthauch regt sich mehr, und die Farben der Umgebung werden immer fantastischer. Die wenigen Mücken, die schon unterwegs sind, hält der Qualm fern. „Erst nach Mittsommer kommen sie in Massen“, hatte uns Jouko schon bei Törnbeginn beruhigt. Mitternacht. Zeit, die Bordsauna anzuheizen! Das Holz ist knochentrocken, es bollert laut im Ofen, und die Temperatur steigt und steigt ...

Dem Himmel so nah: die „Sky Bar“ in Puumala

Süd- und westwärts führt der Bleistiftstrich unserer Kurslinie an diesem Tag über die Karte. Summertime am Steuerstand – und das in Finnland! Mit Sonnenbrille, Eiswürfeln im Glas und Bob Marley aus den Boxen geht es der Sonne entgegen über die weite, glitzernde Fläche des Lepistönselkä.Hinter dem Leuchtturm von Oulunsaari schlängeln wir uns durch das Schärengewirr, das den Beginn des Ruunasaarenselkä markiert, und folgen seinem gewundenen Lauf, bis wir wieder freies Wasser erreichen.

Nun liegt nur noch der Haapaselkä vor uns, bevor sich das Fahrwasser in einer engen Kurve zunächst nach Norden und dann zurück nach Süden windet. Am Nordufer dieses Nadelöhrs, dem Tor zum großen Saimaa-See selbst,liegt Puumala, unser Etappenziel. Wahrzeichen der kleinen Stadt ist die erst zehn Jahre alte Brücke, die sich in weitem Bogen über den Sund schwingt und durch die Puumala endgültig zum Verkehrsknotenpunkt zu Wasser und zu Lande wurde.

Direkt unterhalb machen wir im Gasthafen fest,der durch eine Steinmole vor dem Schwell der großen Holzfrachter geschützt ist. Strom und Wasser gibt es an den Schwimmstegen, die Sauna ist im Sanitärgebäude
untergebracht. Unter der Brücke hindurch kommt man zum Wirtschaftshafen, wo sich die Tankstelle befindet und die orangeroten Lotsenboote liegen (für die Berufsschifffahrt besteht im Labyrinth der Saimaa-Seen Lotsenpflicht).

Als wir uns nach einem längeren Marsch durch die Stadt einen besseren Überblick von der Brücke verschaffen wollen, fällt unser Blick auf den Fahrstuhlturm am nördlichen Pfeiler: „Sky Bar“ verkündet dort ein Pappschild! Wir zögern nicht lange: Dreißig Meter geht es nach oben bis zur Fahrbahn, dann folgen noch mal drei Stockwerke
zu Fuß, und wir stehen vor einer Glastür mit der Aufschrift „Tervetuloa!“ – Willkommen! Wir treten ein und sind sofort begeistert:

Die Bar ist winzig, ein kurzer Tresen, drei kleine Tische, und nach kurzer Zeit stehen zwei eiskalte Flaschen „Lapin Kulta“ vor uns. Nichts behindert den Blick, die Bar ist komplett mit Panoramascheiben
umgeben; ein Glashaus hoch über dem Hafen. Wir sehen unser Boot winzig klein unter uns, plötzlich ganz weit weg, und die schwer beladenen Holzfrachter mit ihrer breiten Bugwelle auf dem Sund. Wasser und Wälder in allen Richtungen, von der gemächlich sinkenden Sonne in goldenes Licht getaucht. So kitschig es klingt – wir sind zur rechten Zeit am rechten Ort gelandet!

Über den Saimaa in die „Stadt des Sommers“

Seit Tagen schon macht es sich das Barometer im stabilen Hochdruckbereich bequem; Wetter wie aus dem Bilderbuch begleitet uns auf unserem weiteren Weg nach Süden. Unser Tagesziel – und Wendepunkt des Törns – soll Lappeenranta sein, mit knapp 60 000 Einwohnern mal wieder eine echte „Großstadt“ – und das Tor nach Russland. Doch vorher liegt noch der große Saimaa selbst vor uns ...

Der Verkehr nimmt hinter Puumala zu:Wir begegnen Motorbooten, Segelyachten und den zum Privatvergnügen umgerüsteten alten Schleppern,die mit geradem Steven und hochgerecktem Schornstein früher Flöße aus hunderten von Holzstämmen über den See zogen. Über den Petraselkä und den kurzen Durchstich des Kutveleen Avonkanava gelangen wir schließlich zum Saimaa.

Weit treten die Ufer zurück, und dieferne, gegenüberliegende Seite ist nicht mehr als ein feiner, dunkler Strich.
Doppelt so groß wie die Lübecker Bucht ist der gesamte See, auch wenn die zahlreichen Inseln einen anderen Eindruck erwecken. Wir benötigen fast zwei volle Stunden für die Überquerung,während schnelle Daycruiser in Gleitfahrt spielend an uns vorüberziehen.

Dann hat die Zivilisation uns zurück:Wir passieren die Mündung des Saimaa-Kanals, sehen große, seegehende Frachtschiffe und die fußballfeldgroße Flächen schwimmender Baumstämme, die von gelben Tonnen „eingezäunt“ auf ihr Ende in den Sägewerken und Papierfabriken Lappeenrantas warten. Ein bisschen viel Industrie auf einmal! Aber unser Weg führt noch weiter, durch einen weiteren kurzen Kanal, und dann erst kommt hinter einer Biegung die Stadt mit ihrem Zentrum, den Kirchtürmen und den Yachthäfen in Sicht.

Gleich vier verschiedene Liegemöglichkeiten sind ausgewiesen. Uns gefällt es am besten an der langen Kaimauer auf der Westseite hinter der Hafeneinfahrt, unterhalb der alten Festungswälle. Die ist zwar eigentlich
für Yachten über 15 m Länge vorgesehen, aber in der Vorsaison nimmt man es nicht so genau.Bis hin zur Tankstelle ist die Ausstattung des Hafens übrigens perfekt.

Seinem Ruf als „Stadt des Sommers“ wird Lappeenranta vom ersten Augenblick an voll gerecht: Die Stimmung ist ausgelassen und fast schon mediterran, vom Sandskulpturen-Festival am Yachthafen bis zu den sonnenhungrigen Finnen, die sich auf den heißen Felsen am Ufer ausgestreckt haben. Am Zollgebäude, vor dem die Touristendampfer aus Russland anlegen, das über den Saimaa-Kanal nur eine Tagesreise entfernt ist, wird Akkordeon gespielt.Die beiden Restaurantschiffe weiter hinten an der Kaimauer sind voll besetzt, ebenso
wie die Tische davor.

Jugendliche spielen Straßenhockey in dem Durcheinander von Menschen, und auf einer Bühne gibt eine Band schmachtenden, original finnischen Tango zum Besten. Ein einzelnes Paar tanzt dazu engumschlungen in der prallen Nachmittagssonne mit zutiefst glaubwürdiger Leidensmiene ...

Dass wir ausgerechnet in Finnland dem Sommer auf die Spur kommen würden, hätten wir bestimmt nicht gedacht. Kurz gesagt: Wir sind begeistert! Leider geht es schon morgen zurück in Richtung Savonlinna – aber nicht ohne einen kurzen Zwischenstopp in der „Sky Bar“ ...

WAS SKIPPER WISSEN MÜSSEN

Das Revier Das Gebiet der Saimaa-Seenplatte (auch oft als einzelner See bezeichnet) erstreckt sich über 350 km von Lappeenranta im Süden bis nach Nurmes im Norden. Die Fläche von rund 70 000 km2 entspricht in etwa der von Bayern,was den See zum größten in Finnland und zum viertgrößten Europas macht. Die Navigation ist auf Grund der zahlreichen Seezeichen bei Tag dennoch weitgehend unproblematisch. Insgesamt sind Schifffahrtswege von 3000 km Länge ausgewiesen. Die Anreise erfolgt mit dem Flugzeug via Helsinki nach Savonlinna. Wir erkundeten auf unserem Törn lediglich die südliche Hälfte des Reviers unterhalb der Charterbasis bei Savonlinna. In der nördlichen Hälfte gibt es auch einige Schleusen und längere Kanalabschnitte.

Die Firma Saimaan Solmu bietet eine ganze Reihe von Motorbooten ab Savonlinna an, vom 8,50-m-Kajütboot bis zur behindertengerechten Saima 1200i. Information und Buchung bei Saimaan Solmu Ky, Jouko Soini,
Kupolantie 30, FIN-57310 Savonlinna. Tel. 00358-400-97 62 27, www.yachtcharter.fi (es wird Deutsch gesprochen).

Das Boot Unsere „Saima Delta“ vom Typ 1100S war ein typischer Stahlverdränger von 11,10 m Länge mit 5+2 Kojen. Mit dem 88 kW- (120 PS) Diesel brachten wir es im Schnitt auf etwa 12 km/h (etwa 6,5 kn). Das Boot war voll urlaubsmäßig ausgestattet, Törnführer und Seekarten vorhanden. Wer beim Navigieren nicht immer mitplotten möchte, sollte ein GPS-Handgerät mitbringen. Der Charter ist führerscheinfrei; die Wochenpreise
liegen bei 1200 bis 1950 €.

Die Literatur

  • „Finnland – Reisehandbuch“. Iwanowskis’s Reisebuchverlag, ISBN: 3-933041-08-2, 22,95 €, www.iwanowski.de
  • „ Finnland – Saimaa und Karelien selbst entdecken“, Edition Elch, ISBN: 3-85862-160-9, 18,80 €, www.edition-elch.de
  • „Finnland“. Dumont Richtig Reisen, ISBN: 3-7701-7624-3, 22,95 €, www.dumontreise.de
  • „Merikarttasarja L – Lappeenranta-Savonlinna“ (amtl. finnischer Sportbootkartensatz}.Merenkulkulaitos, ISBN: 951-49-0505-9, 78,50 €,www.hansenautic.de

Die Törnetappen
Charterbasis – Savonlinna: 19 km (10 sm)
Savonlinna – Kerimäki: 56 km (30 sm)
Kerimäki – Sulkava: 93 km (50 sm)
Sulkava – Puumala: 52 km (28 sm)
Puumala – Lappeenranta: 67 km (36 sm)
Lappeenranta – Puumala: 71 km (38 sm)
Puumala – Savonlinna: 75 km (40 sm)
Savonlinna – Charterbasis: 19 km (10 sm)
Gesamt: 452 km (242 sm)
 

Christian Tiedt am 31.03.2007