Azimut Magellano 43 Fly

27.01.2013 Peter Lässig - Wenn der Weg das Ziel ist, passt Azimuts neue Magellano 43 Fly perfekt ins Anforderungsschema – auch dann, wenn es einmal schneller gehen muss.

Azimut Magellano 43 Fly
© Azimut Yachts
Azimut Magellano 43 Fly

Magellanos sind Reiseboote, bei denen es nicht auf Geschwindigkeit ankommt, sondern auf Bequemlichkeit, Sicherheit und Komfort, und sie können einen berühmten Namensgeber vorweisen: den portugiesischen Seefahrer Ferdinand Magellan, der zu Beginn der Neuzeit die Welt umsegeln wollte und dabei ums Leben kam.

Hinsichtlich der Größe beginnt die Werft bei unserem Testboot 43 Flybridge, das es auch mit Hardtop gibt. Daneben baut sie noch die Magellano 50 und 76. Wie man spätestens von der Magellano 74 her weiß, machen die Rümpfe gleichermaßen als Verdränger und als Gleiter eine gute Figur und sind für Familien beziehungsweise Charterer bestens geeignet.

Die Werft spricht in der Standardversion von einem "Zweikabinenboot plus begehbarem Stauraum". Dieser kann entweder, wie im Testboot, mit einer fünften Koje ausgestattet sein oder so, wie es der Eigner gern haben möchte. Offiziell sind daher auch nur vier plus eine Schlafstätte benannt. Die findet man in der Bugkabine, wo der Eigner auf einem Doppelbett im Queensize-Format logiert, und in der Backbordkabine, wo Gäste auf zwei Einzelkojen schlafen. Die Magellano 43 Fly verfügt über zwei geräumige Bäder mit separaten Duschen und WCs. Eines ist dem Eigner in der Bugkabine vorbehal-ten, und das andere teilen sich die Gäste an Backbord.

Eine Etage höher liegt der Salon mit Fahrstand, Dinette und Pantry auf einer Ebene mit dem Cockpit. Die Pantry hat die Werft an Backbord eingebaut, wo sie als kulinarischer Mittelpunkt und Bar zwischen vorn angeordneter Dinette und Sitzgruppe im Cockpit fungiert. Gegenüber befinden sich Kühl- und Gefrierschrank, ein Sideboard und der Fahrstand mit einem allseits verstellbaren Schalensitz.

Das Testboot ist mit zwei 355 PS starken Cummins mit Wellenantrieben plus Bugstrahlruder (Extra) bestückt, was im Hafen Manöver auf engstem Raum garantiert. Während der langsamen Passagen lassen wir die Motoren nicht mehr als maximal 800/min drehen, um die vom Boot erzeugten Wellen auf akzeptabler Höhe zu halten. Mit zunehmender Fahrt beginnt das Testboot ab 2000/min oder bei einem Tempo von 13 kn zu gleiten, was ein glatter Wasserabriss am Heck dokumentiert. 

Die Vertrimmung ist gering, was der Voraussicht zugutekommt. In voller Fahrt messen wir 22 kn als Höchstgeschwindigkeit, während beide Cummins-Diesel nicht mehr als 2700/min drehen. Das sind 100/min weniger, als der Hersteller erlaubt und angesichts der geringen Beladung ein Indiz dafür, dass die Propeller einen Tick überdimensioniert sind.

Azimut wirbt mit dem Spruch, dass die Magellano 43 der neue italienische Langstrecken-Cruiser ist. Das stimmt allerdings nur, wenn man die Gashebel nicht zu weit nach vorn drückt und als Verdränger fährt. Drehen beide Motoren 600/min, kommt man mit einem Tempo von 4 kn theoretisch knapp 2100 sm weit, plus 15 % Reserve. Reizt man dagegen die Leistung beider Diesel voll aus, sollte man sich schon nach etwa 230 sm nach einer Bunkerstation umschauen, um die Reserve zu erhalten. 

Die Werft empfiehlt in schneller Fahrt eine Geschwindigkeit zwischen 14 bis 18 kn. Aufs Testboot bezogen bedeutet das Drehzahlen zwischen 2000/min bis 2400/min und theoretische Reichweiten von 250 sm plus Reserve. Unsere Forderungen von wenigstens 430 sm plus Reserve für Fahrtenyachten erfüllt die Magellano daher nur als Verdränger, wenn beide Motoren etwas mehr als 1400/min drehen und das Boot mit einem Tempo von knapp über 9 kn durchs Wasser schieben.

Etwas mehr als sechsmal muss man das Steuerrad bei einem Volleinschlag von einer zur anderen Seite drehen. Das und die moderate Höchstgeschwindigkeit plus der spezielle Dual-Mode-Rumpf verhindern extreme Reaktionen während des Tests. Nichts bringt das Boot aus der Ruhe, es pendelt auf der imaginären Slalomstrecke minimal und ungefährlich über die Längsachse, wenn man das Ruder schnell genug dreht. Und für eine Wellenanlage gelten knapp 100 m Kurvendurchmesser in schneller Fahrt als sportlich. 

Dass bei Kurvenfahrten die Sicht nach Backbord eingeschränkt wird, da sich das Salondach ins Blickfeld bewegt, ist als normal anzusehen. Im Übrigen besitzt der Skipper beste Sicht nach außen sowie auf Instrumente und Schalter. Nicht viel anders sieht das am Fahrstand auf der Fly aus. Hier ist zwar die Sicht nach Backbord beschränkt, aber nicht zum Heck an Steuerbord, das durch den bequemen Aufstieg zur Fly gut einsehbar ist. Die Beletage schmücken neben dem Fahrstand reichlich Sitzflächen samt Tisch; das Ganze kann zu einer Sonnen-liege gewandelt werden – ein mittig fest installierter Mast plus eine große Stehfläche dahinter.

Der Motorraum ist vom Cockpit und vom Salon aus zugänglich, da erwartet man einen höheren Schalldruck, sprich mehr Lärm. Aber dem ist nicht so. Im geschlossenen Salon haben wir bei Vollgas nicht mehr als 77 dB/A gemessen, und im Cockpit lesen wir auf unserem Messgerät 85 dB/A ab.

Sicherheit über alles: Das beginnt im Motorraum mit einer Feuerlöschanlage und geht über Alarmsensoren in den Kraftstoffvorfiltern und Auspuffanlagen der Motoren über elektrisch und manuell zu betätigende Lenzpumpen für Motorraum und Kabinentrakt bis hin zur nahezu hüfthohen Reling auf der Flybridge – von den strategisch richtig platzierten Handläufen und Haltegriffen ganz abgesehen. Mit "gut" werten wir auch die begehbaren Seitendecks und die stabile Reling.
Wie bei Booten heutzutage üblich, dominiert auch auf dem Testboot Elektronik den Alltag. Ob das die alle Informationen liefernden LCD-Monitoren an den Fahrständen sind oder die Batterien, die über Relais geschaltet werden.
Hinsichtlich der Verarbeitung präsentiert sich die Werft beim Testboot von ihrer besten Seite: außen wie innen keine Klagen. Nichts stört das Auge, glatte Linien, stimmende Spaltmaße, feine technische und elektrische Installationen – insgesamt eines der besten Azimut-Boote, die wir getestet haben. Dass die Werft in der Standardversion nicht mit Zubehör geizt, ist positiv zu werten. Dass man aber für eine Fahrtenyacht keine vernünftige Scheuerleiste bekommt, gar auf selbige ganz verzichtet, macht nachdenklich.

Fazit: Die Magellano 43 Fly ist als Fahrtenyacht konzipiert und erfüllt alle Anforderungen an eine solche. Dass wir nichts zum Rauwasserverhalten sagen, liegt da-ran, dass keines vorhanden war. Der Rumpf kann aber zweifelsfrei einiges einstecken ...

TECHNISCHE DATEN

DAS BOOT

  • Werft Azimut Benetti Group/I
  • Typ Magellano 43 Fly
  • CE-Kategorie B = außerhalb   von Küstengewässern
  • Rumpf und Deck Kunststoff
  • Länge über alles 13,63 m
  • Breite 4,40 m
  • Verdrängung 13,6 t
  • Tiefgang 1,20 m
  • Durchfahrtshöhe 5,60 m
  • Kraftstofftank 1680 l
  • Wassertank 600 l
  • Fäkalientank 130 l
  • Kabinen 2/3
  • Kojen 4/5
  • Testmotorisierung Cummins QSB 5.9   2 x 261 kW (2 x 355 PS)
  • Mögliche Motorisierung  2 x Cummins QSB 5.9   224–261 kW (305–355 PS)
  • Preis Testboot Standard  535 500 x
  • Händlernachweis Boote Feichtner, Saxingerstr. 5, A-4020 Linz

DER MOTOR

  • Hersteller MerCruiser Cummins
  • Typ QSB 5.9
  • Leistung 261 kW (355 PS)
  • Volllastdrehzahl 2800/min
  • Zylinder R6
  • Hubraum 5,9 l
  • Kraftstoff Diesel
  • Kühlung Wasser/Zweikreis
  • Getriebeübersetzung 2:1
  • Testpropeller RH/LH 4 x 640 mm x 610 mm

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