Leopard 39 PC

09.11.2012 Peter Lässig - Zwei schlanke Rümpfe mit viel Platz dazwischen – so präsentiert sich der Leopard 39 PC. Wir testeten den Powercat aus Südafrika auf dem Mittelmeer.

Leopard 39 PC
© Michael Amme
Leopard 39 PC

Die Segel-Katamaran-Werft Robertson und Cain aus Südafrika hat ihre Angebotspalette um einen Motorkatamaran erweitert, die Leopard 39 PC. Das „P“ steht für „Power“, das „C“ für „Catamaran“. Neben der 39 PC gibt es noch eine Leopard 47 PC. Es geht hier jedoch nicht um die Katamarane, die man von den Formel-1-Rennen kennt oder um deren „zivile Verwandte“ aus USA oder Norwegen, wo man erst ab 60 kn von Geschwindigkeit spricht.

Es geht hier vielmehr um die ruhige und gemütliche Klasse, einen – recht breiten – Verdränger. Mit zwei Motoren und gegenläufigen Wellenantrieben ist Manövrieren auf engem Raum zwar kein Problem. Ein Fahrhebel „vorwärts“ und der andere auf „rückwärts“ heißt auf der Stelle drehen. Will man jedoch aus engen Anlegestellen herauskommen, bedarf es einer zweiten Person, welche die am Pier liegende Rumpfspitze belegt, damit man sich im Rückwärtsgang mit Motorkraft des gegenüberliegenden Motors herausdrehen kann.

Überhaupt ist es besser, im Hafen eine zweite Person an Bord zu haben, denn die Sicht vom Steuerstand – es gibt nur den einen auf dem Oberdeck, also auf der Fly-bridge, ist sowohl im Sitzen als auch im Stehen nach achtern beschränkt. Man sieht weder das Heck noch die Steuerbordseite des Bootes. Einzig die Sicht nach Backbord ist in Ordnung, weil sich der Steuerstand auch auf dieser Seite befindet. Vom Boot bekommt man ebenso während der Fahrt nur die Bugspitzen zu sehen, wenn man steht, da vor dem Steuerstand noch eine Sitzgruppe mit Tisch samt gepolsterten Rohrrückenlehnen angeordnet ist. Sicht vom Fahrstand aufs Boot an Steuerbord ist nie gegeben.

Wir fahren die Leopard 39 PC auf dem Mittelmeer vor Nizza bei Wind, Sonnenschein und einer Dünung, die am Ende des Testtages bis auf etwa eineinhalb Meter gewachsen ist. Bei einem Verdränger spielt Motorleistung nicht dieselbe Rolle wie beim Gleiter. Leopard baut trotzdem in die 39 PC zwei ordentlich dimensionierte Yanmar-Dieselmotoren ein, die je 110 PS auf die Wellenantriebe abgeben. Das reicht aus, um das Boot im Notfall bei Vollgas auf maximal 15 kn zu beschleunigen.

Ansonsten bewegt man sich bei Marschfahrt zwischen 6 bis 8 kn vorwärts, innerhalb der theoretischen Rumpfgeschwindigkeit, was für die 39 PC der optimale Bereich ist. Auf die Reichweiten bezogen heißt das: je langsamer, desto größer der Aktionsradius. Der reicht beim Testboot von theoretisch knapp 900 bis etwas über 200 sm plus 15 % Reserven. Und zwischen 6 und 8 kn Geschwindigkeit langt der Sprit für eine Nonstop-Strecke zwischen 550 und 400 sm plus Reserve. Das ist gut.

Verdränger erzeugen „nichts Extremes“, somit gibt es auch keine Extremmanöver. In voller Fahrt durchmisst ein Vollkreis bei kaum wahrnehmbaren Fliehkräften etwa fünf und in langsamer Fahrt etwa vier Bootslängen, und ins Wanken bringt man einen Katamaran eh nicht. Doppelrumpfboote haben generell ein anderes Rollverhalten als Monorümpfe, an das sich mancher erst gewöhnen muss.

Ob dieser Kenntnis sind wir positiv überrascht, wie harmonisch sich unser Testboot verhält. Zwar herrscht eine kräftige Dünung, aber Wellen müssen wir bei anderen Sportbooten oder Fähren suchen. Sie werden von der Leopard 39 PC souverän gemeistert, was man von einem für die Hochsee zertifizierten Schiff (CE-Kategorie A) auch erwarten darf. Die CE-Plakette des Bootes weist auch aus, dass, je nach Anzahl der Personen an Bord, sich die Klassifizierung ändert. Wenn sich also (maximal) 26 Personen an Bord befinden, die mit Gepäck nicht mehr als 2730 kg auf die Waage bringen, ist die 39 PC nur für Binnengewässer in der Klasse D zertifiziert.

26 Kojen bietet die 39 PC allerdings nicht. In den beiden Rümpfen sind drei Kabinen und zwei Bäder untergebracht. Während der Steuerbordrumpf dem Eigner vorbehalten ist, schlafen vier Gäste im Backbordrumpf und teilen sich dort mit den anderen die Tagestoilette mit separater Dusche. Zwischen den Rümpfen sind der Salon mit Couch, Tisch und die Pantry untergebracht. Salon und Achterdeck liegen auf einer Ebene. Das Vorschiff gleicht einer großen Plattform, wo man Liegen und Stühle hinstellen kann.

So üppig wie im Wohnbereich ist der Stauraum auf Deck nicht. Da nutzt man die Tankräume achtern in den Rümpfen, die Stauräume unter den Sitzgelegenheiten achtern und den Ankerkasten-Generator-Stauraum vor dem Salon.

Handläufe und Haltemöglichkeiten sind strategisch auf dem Boot verteilt, und bis auf den Bereich achtern umläuft das Boot eine ordentliche Reling. Hand- und Elektro-Lenzpumpen sind Standard wie automatische Feuerlöschanlagen in den Motorräumen. Kein Wasseralarm in den Dieselvorfiltern ist ein Manko, Auspufftemperatursensoren sind da-gegen lobenswert. Die Batteriehauptschalter für die Motoren finden sich in den Flur-Schwalbennestern vor den Achterkabinen und für das Boot innerhalb der Pantry. Eine große Schalttafel im Salon beinhaltet Thermosicherungen.

Die 39 PC ist fahrfertig ausgestattet, Log, Lot, Kompass, attestierte Navigationslampen, genug Belegklampen und Ankerwinsch samt Kette und Anker sind dabei, um nur einige Dinge zu nennen. Aber alles andere, was das Leben an Bord „versüßt“, steht auf der Zubehörliste, wie zum Beispiel der 230-V-Landanschluss, elektrisch zu betätigende Toiletten und das feste Bimini auf der Fly. Der dickste Brocken sind allerdings 31 350 Euro Frachtkosten von Südafrika bis nach Nizza.

Fazit: Die 39 PC ist ein Langstreckenläufer mit viel Platz. Die Verarbeitung liegt über dem Durchschnitt – mit kleinen „Ausreißern“ nach oben und unten.

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