Linssen TNCS 28 Sedac

14.04.2013 Ralf Marquard - Linssen TNCS 28 Sedac: Niederländischer Stahlverdränger nach alten Vorbildern mit neuester Technik – eine Kombination, die durchaus ankommen dürfte.

Die neue Linssen TNCS 28 in der Sedac-Ausführung.
© Helge Krückeberg
Die neue Linssen TNCS 28 in der Sedac-Ausführung.

Begonnen hat die Linssen-Geschichte im Jahre 1949 mit der Reparatur von Holzbooten. Ab 1954 fertigte der Gründer Jac Linssen die ersten Arbeitsboote aus Stahl, bis dann schließlich zwei Jahre später mit den St. Jozef Vleten die ersten Freizeitboote entstanden.

Diesen "St.-Joszef-Urgedanken" griffen die Konstrukteure wieder auf, paarten ihn mit einem weiteren Erfolgsmodell, der Grand Sturdy, und heraus kam die New Classic Sturdy 28. Auffälliges Merkmal sind die beiden Bullaugen in der Stirnseite der Bugkabine. Die Seitenansicht zeigt zusammen mit der dicken Wieling ebenfalls klassische Linien.

New Classic Sturdy 28 fertigen die Niederländer in zwei Versionen, als Sedan-Ausführung mit Bugkabine, Salon und Cockpit sowie als AC-Modell mit zusätzlicher Achterkabine (Testboot). Letzteres eignet sich für die vierköpfige Familie oder Wochendausflüge mit Freunden, die man in der Achterkabine unterbringt. Die Werft empfiehlt das Boot für gemütliche Binnentouren und Ausflüge auf küstennahen Gewässern.

Wer sich für einen Stahlverdränger entscheidet, dem muss klar sein, dass er nur gemächlich unterwegs sein kann. Über die theoretische Rumpfgeschwindigkeit kommt ein Verdränger kaum hinaus. Für unser Testboot heißt das: Bei Vollgas (2900/min) erreichten wir 7,18 kn, die theoretische Rumpfgeschwindigkeit liegt bei knapp 7 kn. Wirtschaftlich unterwegs ist die Kombination aus 7,5-t-Stahlrumpf und 55-PS-Volvo-Penta-Diesel bei 2000/min mit 5,67 kn.

Der Verbrauch liegt unter 0,70 l/sm, und als Reichweite ergeben sich gut 300 sm bei einem Tankinhalt von LINSSEN NEW CLASSIC STURDY 28 SEDAC: Stahlverdränger nach alten Vorbildern mit neuester Technik.240 l abzüglich 15 % Reserve. Im Vergleich zu Vollgas ist das mehr als das Doppelte. In Schleichfahrt (3 kn) kommt man knapp 500 sm weit.

Egal, ob man nun langsam oder schnell fährt, den Geradeauskurs hält die kleine Linssen gut. Damit die Fahrt auch in puncto Lautstärke zum Genuss wird, dämmt Linssen den Motorraum so gut aus, dass bei Vollgas maximal 72 dB/A ans Ohr dringen. Wer das Lenkrad bei diesem Tempo ganz einschlägt, erfährt ebenfalls keine unangenehme Überraschung. Die Linssen legt sich nur gering auf die Kurvenaußenseite und schaukelt sich weich in die eigene Welle ein. Der Radius beträgt gut zwei Bootslängen, und die Steuerung lässt sich beim Herausfahren aus dem Kreis leichtgängig drehen.

Die gleiche Lenkeigenschaft zeigt sich bei langsamer Fahrt und Hafenmanövern. Hier dreht das Testboot noch etwas enger als bei schneller Fahrt, und mit dem Bugstrahlruder lässt sich die Nase beim Umsteuern direkt zum Umschwenken bewegen. Besonders wertvoll zeigt sich das Bugstrahlruder bei Wind, wie am Testtag mit teilweise vier Beaufort.

Bedient wird alles von dem Fahrstand im Salon aus. Ob sitzend oder stehend, der Fahrer erreicht Schaltung und Steuerrad problemlos. Passende Polsterung und Verstellmöglichkeit "vor und zurück" zeichnen die Bank aus. Etwas gewöhnungsbedürftig ist der seitliche Versatz der Sitzbank zum Lenkrad. Der Beifahrer verfügt über keinen eigenen Sitz, sondern muss auf der Salonsitzecke Platz nehmen, wo er jedoch keine direkte Voraussicht hat.

Durch gering getönte Sicherheitsglasscheiben, auf denen zwei Scheibenwischer mit ausreichend großem Wischfeld bei Regen und Spritzwasser für klare Sicht verantwortlich sind, schaut der Skipper nach vorn. Dass die Gardinen, obwohl zusammengebunden, den Blick zwischen den Scheiben einschränken, liegt in der Natur der Sache.

Instrumente liest der Fahrer perfekt ab, einen Kompass sucht man auf der Linssen hingegen vergeblich. Die Schalter der 12-V-Anlage sitzen gut zugänglich neben dem Lenkrad und an einem Paneel seitlich am Fahrstand.

Motor, Tank, Elektrik

Die Versorgung der 12-V-Geräte übernimmt eine wartungsfreie 85-Ah-Gelbatterie, die vom Landanschluss mit Inverter 12/230 V (Extra) oder Lichtmaschine vom Motor ihren Ladestrom bekommt. Gehaltert ist sie genauso in einem Holzkasten mit Halteriemen wie die 90-Ah-Starterbatterie. Beide bringt die Werft zusammen mit den Hauptschaltern und Hauptsicherungen im Motorraum unter, den man über eine Klappe im Salonboden erreicht. Bevor man Letztere jedoch anhebt, muss der Tisch zur Seite gestellt werden. Bei geöffneter Luke lässt sich die tägliche Öl- und Kühlwasserkontrolle problemlos durchführen.

Für umfangreichere Servicearbeiten entfernt der Techniker zusätzlich zwei lose eingelegte Bretter und Verbindungsstreben; so erreicht er ebenfalls die Heizung und den Kraftstofftank bequem. Letztgenannter ist vorbildlich mit fernschaltbarem Absperrhahn, großem Inspektionsluk und Vetus-Filterpatrone ausgerüstet. Nicht überzeugt haben die Kraftstoffanschlüsse mit nur einer Schraubschelle. Bei der Installation von Schläuchen und Leitungen verwendet Linssen Klettschellen und -bänder.

Im Motorraum erledigte die Werft ihre Arbeit sorgfältig, unter dem Fahrstand zeigten sich Schellen und Bänder nur mäßig fest, aber übersichtlich. Die Lüftung des Motorraums übernehmen Hutzen in den Seitenwänden. Ein Zeichen, dass sie ihre Aufgabe gut erfüllen, ist die maximal gemessene Motorraumtemperatur von 29 °C bei Außentemperaturen von 22 °C.

Sicherheit

Hier kann die New Classic für die Feuerlöschanlage im Motorraum und Feuerlöscher am Niedergang dicke Pluspunkte verbuchen. Eine fest installierte elektrische Bilgenpumpe und eine mit flexiblem Saugschlauch sind gut gedacht, ersetzen jedoch die im BOOTE-Standard vorge-sehene Handlenzpumpe, die auch bei Stromausfall arbeitet, nicht.

Bewegungssicherheit geben im Cockpit, auf dem Seitendeck und Vordeck das Stabdeck und die solide Reling (mit Stabunterzug) sowie Handläufe auf dem Salon- und Achterkabinendach. Damit Badelustige sicher den Ein- und Ausstieg bewältigen, spendiert die Werft eine 4-stufige Klapp-Ziehbadeleiter, deren Stufen vorbildlich mit Gummi belegt sind. Weiteres Plus: Vom Wasser aus lässt sich die Leiter gut bedienen. Wer von Bord springt, ohne vorher die Leiter ausgeklappt zu haben, gelangt also problemlos wieder aufs Boot.

Wohnen und Ausrüstung

Das Leben unter freiem Himmel findet auf zwei längs zur Fahrtrichtung angeordneten Bänken statt. Feste Polster und eine passend hohe Lehne geben ein ordentliches Maß an Komfort; ein Cockpittisch stand nicht auf unserem Testboot. Thema Stauraum: Unter dem Cockpitboden befindet sich ein riesiger Staukasten. Manko: Bei offener Salontür stößt die Klappe beim Hochziehen an die Tür. Hier will Linssen Abhilfe schaffen.

Betritt man durch die Doppeltür den Salon, erblickt man an Backbord die ebenfalls längs zur Fahrtrichtung angeordnete Sitzbank für drei Personen. Ein Hocker bietet einen weiteren Platz. Zwar lassen sich folglich vier Personen sitzend unterbringen, an dem zugehörigen kleinen Tisch wird es dann jedoch eng, wenn man essen möchte. Gegenüber steht der Pantryblock mit 2-Flammen-Gaskocher, mittelgroßem Spülbecken, Kühlschrank mit Gefrierfach (unter Fahrersitz), mäßigem Stauraum und Arbeitsfläche. Um mehr Fläche zu haben, dreht man sich einfach um und nutzt den Tisch mit. Dass Schönste am Salon ist auf jeden Fall das große "Sedan Variodeck", das im geöffneten Zustand den vorderen Bereich zur Freilichtbühne werden lässt.

Eine Etage tiefer im Vorschiff brachte der Konstrukteur eine Doppelkoje mit unterlüfteten, festen Polstern unter.
Stauraum gibt es hier wie auch im übrigen Bereich unter Deck passend. Gelüftet wird über ein großes Fluchtluk sowie zwei Bullaugen und Deckenlüfter. Damit die Nasszellen (Dusche und WC-Raum an Backbord) genügend Frischluft bekommen, sind hier Bullaugen in den Seitenwänden eingebaut; praktisch ist auch die Holzbank im Duschraum. Für eine 1,80 große Person fallen die Stehhöhen jedoch eine Nummer zu gering aus.

Dass die beiden Räume nur von der Bugkabine aus zugänglich sind, hat zur Folge, dass Tagesgäste beziehungsweise Personen aus der Achterkabine stets den vorderen Schlafbereich passieren müssen, wenn sie die Toilette benutzen möchten. In der Achterkabine mit zwei unterlüfteten Einzelkojen, reichlich Stauflächen und Ablagen haben Kinder ihr tolles eigenes Reich. Für zwei Erwachsene genügt der Platz ebenfalls, aber auch hier muss man sich mit einer mäßigen Stehhöhe von 1,50 m zufriedengeben.

Die Linssen lässt sich in drei Ausstattungsvarianten ordern: Standard-Version, Luxe-Edition und – wie unser Testboot – als Royal-Ausführung (etwa 40 000 Euro teurer als die Standardversion). Heizung und Warmwasserboiler (230-V-Motorwärme) sorgen für eine gemütliche Atmosphäre. Auf der Standardliste sind des Weiteren komplettes Ankergeschirr, solide Poller, Teakdeck, Mast, Fender, Leinen, Bootshaken, Rettungsring, Pütz, Schrubber, Verbandskasten und Navigationslichter mit der RINA-Zulassung vermerkt.

DIE WERFT SAGT

Bei der Entwicklung der neuen TNCS-Serie orientierten sich die Designer ganz bewusst an den erfolgreichen, bewährten Linssen-Konzepten, durch die eine Vielzahl junger Familien die Liebe zum Wassersport entdeckte. Unsere neue Yacht-Serie hat exzellente Fahreigenschaften, eine zeitlose, behagliche Inneneinrichtung und eine hohe Verarbeitungsqualität.

WIR SAGEN

Wir stimmen der Werft in den Hauptpunkten zu, möchten jedoch bei den Fahreigenschaften Folgen-
des anmerken: Eigner und Crew müssen auf schnell fließenden Gewässern wie dem Rhein bei Fahrt gegen den Strom sehr viel Geduld mitbringen. Bei der Ausrüstung bemängeln wir fehlenden Kompass und Handlenzpumpe.  

Datenblatt: Linssen TNCS 28

Werft: Linssen Yachts B.V.
Typbezeichnung: Linssen TNCS 28
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Stahl
Länge (m): 9,40 m
Breite (m): 3,20 m
Verdrängung (kg): 7,50 t
Preis: 206.049,00 €
Testfazit: Die Linssen TNCS 28 hat gute Fahreigenschaften, eine zeitlose, behagliche Inneneinrichtung und eine hohe Verarbeitungsqualität.
Positiv:
  • Fahren, Wohnen, Verarbeitung, Installationen
Negativ:
  • Handlenzpumpe und Kompass kein Standard

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