Monterey 355 SY

26.05.2013 Ralf Marquard - Ein Hardtop auf dem Targabügel – das ist das besondere Merkmal der 355 Sport Yacht von Monterey. Im Test zeigte sich die Amerikanerin sicher und agil.

Monterey 355 SY
© Morten Strauch
Monterey 355 SY

Die Designer der Monterey 355 SY darf man auf jeden Fall als experimentierfreudig bezeichnen. Das gilt nicht nur für das "Ufo-förmige" Dach über dem Cockpit, sondern auch für die moderne Inneneinrichtung, welche die Werft selbst als "weg vom herkömmlichen Kabinen-Layout und hin zur großzügigen und einladenden Aufteilung" beschreibt.

Platz zum Schlafen bietet das Testboot für fünf Personen. Zwei liegen im Bug, zwei in der Unterflurkabine und ein weiteres Crew-Mitglied auf der Salonsitzecke. Zum sonstigen Wohnkomfort tragen Pantry und Nasszelle bei. Unter dem Hardtop integriert der Konstrukteur Wetbar, Sonnenbank, Sitzecke und den Fahrstand. Also ein "Reiseboot für Ausflüge aller Art".

Mit der Einstufung in die CE-Kategorie B sind Fahrten außerhalb von Küstengewässern, wie beispielsweise Trips zur Ostseeinsel Bornholm, gut möglich. Dass man dafür ein solides Boot benötigt, versteht sich von selbst. Die Test-Monterey überzeugt in diesem Punkt durch gute Kunststoffverarbeitung, bei der es nur wenige Laminatspitzen auf den Innenseiten gibt, und durch stabile Klampenbefestigung mit Bolzen, die durch verstärktes Laminat geschraubt werden. Weniger gut ist die Relingstützenbefestigung mit Blechschrauben. Unter Deck zeigen sich die Möbel mit gleichmäßigen Spaltmaßen und nur wenig Silikonnähten.

Fahren und Manövrieren

"Typisch amerikanisch" ist die Motorisierung mit zwei Benzinmotoren. Auf unserem Testboot installiert Monterey ein V-8-Duo von Volvo Penta mit je 300 PS. Wer eine Motorisierung mit  leistungsgleichen Volvo-Dieseln möchte, muss einen satten Aufpreis von fast 80 000 Euro zahlen. Wer sich für Benzinmotoren entscheidet, hat zusätzlich zu den Volvo-Motoren noch die Wahl zwischen sieben MerCruiser-Modellen.

Unsere Test-Volvos bringen die 355 SY zwischen etwa 2000/min und 3500/min von Verdränger- in Gleitfahrt. Um diese Phase möglichst schnell und mit wenigen Sichtbehinderungen zu gestal-ten, gehören Trimmklappen und Power-Trimm auf Stellung "down". In Gleitfahrt (ab etwa 3500/min) benötigt man die Trimmklappen nur noch für Gewichts- oder Windausgleich. Den Power-Trimm fährt man dann von -5 bis etwa +3 (auf der Volvo-Anzeige) bis zur Maximaldrehzahl von gut 5000/min immer weiter hoch. Letztere liegt etwas höher als die vom Hersteller erlaubte maximale Drehzahl – aufgrund der niedrigen Beladung jedoch ein zu akzeptierender Umstand.

Bei Vollgas erreicht die Monterey flotte 40 kn, die beiden Motoren verbrauchen dabei 3,85 l/sm, was mit einem Tankinhalt von knapp 800 l abzüglich 15 % Reserve eine Reichweite von 175 sm ergibt. Knapp 40 sm weiter kommt man in wirtschaftlicher Gleitfahrt um 4000/min mit fast 29 kn. Das ist eine Reichweite von über 200 sm – beispielsweise die Strecke zwischen Marseille und Menorcas Nordküste.

Unser Testrevier zeigte sich mit durch Berufsschiffe aufgewühltem Wasser mäßig kabbelig. Diese Wellen durchfährt die Monterey mit gut 30 kn weich, kursstabil und ohne übermäßiges Spritzwasser. Schnelle, enge Kurven lassen sich mit und ohne getrimmtem Z-Antrieb sowie Trimmklappen ohne Schaukeln oder Wippen sicher fahren. Das Herauslenken ist erst an der engsten Stelle des Kreises leicht möglich, davor ist viel Druck auf dem Ruder, und man muss Kraft aufwenden.

Bei größeren Kurven, wie beispielsweise der Wende auf dem Rhein, tritt dieser Effekt nicht auf. Im Hafen lässt sich das Steuerrad kinderleicht drehen, und die Wendekreise betragen maximal 1 ½ Bootslängen vorwärts eingekuppelt  und 1 Bootslänge in Rückwärtsfahrt – typische Maße. Für ein direktes Umsteuerverhalten sorgen entgegengesetzt eingekuppelte Getriebe. Kuppelt man beide auf vorwärts ein und laufen die Motoren mit gleicher Drehzahl, fährt die Monterey auch in Verdrängergeschwindigkeiten kursstabil.

Damit die Heckwelle keine uferbedrohende Höhe annimmt, darf man die 1500/min (7,3 kn) nicht überschreiten. Ablesen lassen sich die Drehzahlen gleich zweimal pro Motor: einmal auf dem Monterey-Drehzahlmesser und außerdem auf den Volvo-Penta-Instrumenten. Letztere zeigen neben den Betriebszuständen auch den Verbrauch an. Bis auf geringe Spiegelungen liest man die Monterey-Instrumente uneingeschränkt ab. Die Volvo-Anzeigen und das "Raymarine Bidata" verdecken teilweise das Lenkrad. Schalter und Trimmklappen-Paneel lassen sich ebenso uneingeschränkt bedienen wie das edel ausgeführte Sportlenkrad und die  gut montierte, kinderleicht zu schiebende EVC-Schaltung.

Beifahrer und Fahrer sitzen auf einer Art Doppelbank mit einzeln ausgeführten Schalensitzen. Ihre Polster fallen sportlich-fest aus, Armlehnen geben den nötigen Seitenhalt, und eine Schräge mit Antislipstruktur dient als Fußstütze. Für die entspannte Fahrt im Stehen klappen beide den vorderen Teil der Sitzfläche hoch. Den Windschutz übernimmt eine Sicherheitsscheibe, die in einem  lackierten System-Rahmen sitzt. Spiegelungen in der Scheibe fallen aufgrund des dunklen Fahrstandes gering aus. Ein Scheibenwischer sorgt bei Regen für ausreichende Voraussicht. Defroster und Scheibenwaschanlage sind nicht vorhanden.

Motor, Tank, Elektrik

Der Motorraum lässt sich per Knopfdruck bequem elektrisch öffnen. Allerdings darf man vorher nicht vergessen, die Hecktür, deren Verschluss in die Seitenwand fasst, zu öffnen. Praktisch: Bei Stromausfall oder sonstigen Problemen mit dem Antrieb lässt sich die Haube über ein Notluk entriegeln und öffnen. Für Servicearbeiten bietet der Motorraum reichlich Platz, eine Schallisolierung suchten wir jedoch vergeblich. Trotz dieses Umstands bleibt die Lautstärke mit maximalen 85 dB/A noch im akzeptablen Bereich.

Einen guten Eindruck hinterlassen die Installationen im Motorraum. Leitungen und Schläuche befestigen die Techniker fest und übersichtlich. Den Kraftstofftank halten Metallbänder, die Spritschlauchanschlüsse werden –  bis auf die direkt an den Motoren – durch zwei Schraubschellen gesichert. Die Benzinreinigung erledigt an jedem Motor eine Filterpatrone. Vier 88-AH-Batterien, die über Diodenverteiler mit Lichtmaschine oder 40-A-Ladegerät geladen werden, übernehmen die 12-V-Versorgung.

Die Trennung zwischen Verbrauchern und Batterien führen elektronisch bedienbare Hauptschalter aus. Hierfür benutzt man die Wippschalter an der Schaltzentrale im Salon. Vorbildlich: Ein Hand-Notbetrieb an dem im Motorraum sitzenden Schalter ist ebenfalls möglich. Sicherungen findet man im Motorraum, am Fahrstand und an der bereits erwähnten Salon-Schaltzentrale.

Sicherheit

Hier bekommt die automatische Feuerlöschanlage plus Handfeuerlöscher ein dickes Lob. Drei elektrische Lenzpumpen sind eine bequeme Ausstattung, die wichtige Handlenzpumpe, die auch noch bei Stromausfall funktioniert, gab es jedoch nicht. Um sich sicher an Bord zu bewegen, sind alle Trittflächen mit Antislipstrukturen oder Teppichboden versehen. Handläufe sind ebenfalls passend vorhanden. Der Weg aufs Vordeck führt gleich über drei Wege: zweimal über schmale Seitendecks und einmal über den Mitteldurchgang mit ausreichend breiten Stufen und mäßiger Kopffreiheit zum Hardtop.

Wohnen, Cockpit und Ausrüstung

Im Heck des Bootes brachte der Kons-trukteur eine große, in den Rumpf integrierte Badeplattform mit Heckdusche unter. Eine Leiter findet man unter einer Klappe, die auf unserem Testboot von allein immer wieder zufällt. Dieser Umstand ist, besonders beim Ausklappen der Leiter vom Wasser aus, ungünstig. An die Badeplattform schließt sich eine Sonnenliege mit Reling an, die sich mit der variablen Lehne der Heckbank praktisch vergrößern lässt. Ihre Polster fallen genauso sportlich fest aus wie die gesamte Sitzecke im Cockpit. Weitere Sonnenliegen findet man im Cockpit vorn auf der Backbordseite und auf dem Vordeck auf dem Kajütdach. Eine Wetbar mit Spüle, Getränkehalter und Staufächern plus Kühlbox unter der Steuerbord-Bank sorgt für die Snacks und Erfrischungen im Open-Air-Bereich. 

Unter Deck brachte der Designer im Bug eine Doppelkoje unter, die sich nur mit Gardinen zum Salon trennen lässt. Gleiches gilt für die Unterflurkabine, die Platz für zwei mitreisende Kinder bietet. An der wandelbaren (Einmannkoje) L-Sitzecke steht ein Tisch, der fürs Essen zu viert sehr klein ausfällt. Gekocht wird an einem Pantryblock, der mit Nirobecken (mit Deckel), Kühlschrank (mit integriertem Gefrierfach), 2-Platten-Ceranfeld, Mikrowelle und Kaffeemaschine passend ausgerüstet ist. Wer auch am Ankerplatz die E-Geräte nutzen möchte, muss für einen Generator etwa 15 500 (Benzin) und gut 20 000 (Diesel) Euro Aufpreis zahlen.

Zum Standard in der Nasszelle gehören ein elektrisches Pump-WC, Dusche und tiefes Nirobecken. In der Nasszelle findet man, wie im gesamten Boot, eine passende Anzahl und Größe von Stauflächen. Zur weiteren Serienausrüstung gehören ein Fernseher im Salon, das Hardtop mit  einknöpfbaren Seitenteilen und eine Navigationsbeleuchtung, die jedoch nur den amerikanischen Standard erfüllt.

DIE WERFT SAGT...

Die Monterey 355 ist eines der beliebtesten Modelle in der Sport-yacht-Reihe. Verantwortlich dafür sind unter anderem das besondere Design und die praktische Kojen-anordnung. Unsere Bootsbauer
garantieren neben bewährter Technik und qualitätsorientierten Prozessen ein hohes Maß an Sorgfalt, was der 355 SY einen Spitzenplatz auf dem Cruiser-Markt sichert.

WIR SAGEN...

Für zwei Erwachsene und zwei Kinder ist die Monterey 355 SY passend aufgeteilt. Qualitativ zeigt sie guten amerikanischen Standard, und mit der angegebenen Motorisierung ein gutes Fahrverhalten sowie eine ordentliche Reichweite. Die Ausrüstung mit Dieselmotoren würde Letztgenannte noch einmal enorm vergrößern – doch wäre dann allerdings ein beachtlicher Aufpreis fällig.

Datenblatt: Monterey 355 Sport Yacht

Werft: Monterey Boats
Typbezeichnung: Monterey 355 Sport Yacht
CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 10,70 m
Breite (m): 3,40 m
Verdrängung (kg): 6,67 t
Preis: 264.135,00 €
Testfazit: Für zwei Erwachsene und zwei Kinder ist die Monterey 355 SY passend aufgeteilt. Qualitativ zeigt sie guten amerikanischen Standard, und mit der angegebenen Motorisierung ein gutes Fahrverhalten sowie eine ordentliche Reichweite. Die Ausrüstung mit Dieselmotoren würde Letztgenannte noch einmal enorm vergrößern – doch wäre dann allerdings ein beachtlicher Aufpreis fällig.
Positiv:
  • Fahren, Verarbeitung, Installationen
Negativ:
  • Handlenzpumpe fehlt

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