SBM 600

09.04.2013 Sebastian Gollasch - Bootsbau aus Deutschland, mit Qualität zum bezahlbaren Preis – das ist die SBM 600. Wir testeten das Kajütboot auf seinem Heimatrevier, der Müritz.

Die SBM 600 im BOOTE-Test auf der Müritz.
© Helge Krückeberg
Die SBM 600 im BOOTE-Test auf der Müritz.

Unter dem Begriff „gutbürgerliche Küche“ versteht man frei interpretiert „Einfaches gut gemacht zum fairen Preis“.
Dieser Sinngehalt entspricht auch dem Gesamteindruck der von uns getesteten SBM 600 mit dem großen Cockpit, der Kabine und dem separaten Toilettenraum. Ein solides Boot, das man komplett in Deutschland fertigt und zusammenbaut. Die Manufaktur, in der jede SBM komplettiert wird, steht in Waren an der Müritz, das als eines der populärsten Erholungsgebiete für Wassersportfreunde gilt.

Wer auf der SBM ein Bad in der Sonne genießen möchte, baut hierfür die gut gepolsterte Hecksitzbank zur großen Sonnenliege um. Freunde der Badekultur finden am Heck eine Plattform mit ausziehbarer 4-Stufen-Leiter. Mit Abmessungen von 6,60 x 2,20 m und einem Eigengewicht von 980 kg lässt sich die das Boot problemlos trailern. Voll ausgerüstet steigt das Gewicht allerdings schnell auf mehr als 1300 kg. Erforderlich wird dann ein gebremster Trailer der 1800-kg-Klasse und ein entsprechendes Zugfahrzeug.

Fahren und Manövrieren

An den soliden Spiegel dürfen Langschaft-Außenborder bis maximal 115 PS. Unser Testboot fuhr mit einem 70-PS-Suzuki. Der Viertakt-Vierzylinder beschleunigt die SBM bei einem Fahrgräusch von 86 dB/A auf knapp 26 kn. Dabei zeigt der Drehzahlmesser genau 5500/min an. Damit liegt der Wert genau in der Mitte des vom Hersteller angegebenen maximalen Drehzahlbereichs. Ein Zeichen, dass der  3-Blatt-15"-Propeller gut passt.

Bei Vollgas laufen 0,95 l/sm Kraftstoff durch die Einspritzdüsen. Daraus errechnet sich mit einem Tankvolumen von 110 l abzüglich 15 % Reserve eine Reichweite von 98 sm. Die von BOOTE geforderten 100 sm für diese Bootskategorie übersteigt die SBM in wirtschaftlicher Gleitfahrt um 20 sm. In dieser Fahrsituation dreht der Motor 4000/min, und das Boot bewegt sich mit knapp 16 kn durchs Wasser. Der Geräuschpegel hält sich dabei mit 76 dB/A um 4 dB/A unter der Komfortgrenze.

Gute Balance zeigt unser Testboot beim Übergang von Verdränger in Gleitfahrt, die zwischen 2800/min und 3500/min stattfindet. Die Nase hebt sich dabei nur gering an, sodass die Voraussicht zu keinem Zeitpunkt versperrt wird. Die Windschutzscheibe ist an einem dünnen Edelstahlrahmen befestigt, der das Sichtfeld von Fahrern mit 1,85 m Körpergröße nicht einschränkt. Sie hält den Fahrtwind von Fahrer und Beifahrer ab. Kritikpunkt ist der fehlende (auch gegen Aufpreis nicht erhältliche) Scheibenwischer. Gerade auf einem Tourenboot wie der SBM 600 sollte er montiert sein.

Lob verdient unser Testboot für gute, sichere und kursstabile Fahrt über den gesamten Gleitbereich. Für Spaß beim Wasserskilaufen oder Tubefahren sorgt eine kleine, flach abfallende Heckwelle. Schnelle Manöver, wie immer enger werdende Kreise, absolviert der Rumpf ohne Haken und Schaukeln.

Damit die Fahrt dabei nicht gleich durch einen Luft schnappenden Propeller beendet wird, gehört der Motor ganz an den Spiegel getrimmt. Ist man so auf dem imaginären Slalomkurs unterwegs, wird jeder Lenkbefehl direkt und ohne Nachschaukeln oder Kippen umgesetzt. Fährt man den Slalomkurs mit Fahrtrimm, zieht der Propeller beim Einlenken kurz Luft, wird aber nach dem Zurücklenken schnell wieder kraftschlüssig und beschleunigt das Boot.

In Verdrängerfahrt bei gut 4 kn und 1500/min ist vom Motor mit 62 dB/A kaum etwas zu hören. Diese Geschwindigkeit eignet sich gut als Hafengeschwindigkeit; Heckwelle und Schwell sind klein. Beim Geradeauskurs muss man nur selten am Steuer korrigieren. Gewichtsverlagerungen zwischen Steuer- und Backbord nehmen keinen merklichen Einfluss auf den Kurs.

Sicheres Anlegen ist aufgrund enger Wendekreise und des direkten Umsteuerverhaltens gewährleistet. Steuerrad und Einhebelschaltung lassen sich über sämtliche Bereiche leicht und "gut dosierbar" bedienen. Den Fahrersitz verstellt man in alle Richtungen, bis die optimale Sitzposition gefunden ist. Beim Seitenhalt gibt es Punktabzüge, dafür ist die Polsterung straff genug, dass sie auf längeren Touren nicht durchgesessen wird. Der auf dem Testboot montierte Pantryblock unter dem Beifahrersitz ist ein Extra (830 €).

Motor, Tank, Elektrik

Für Motorkontrollen und kleinere Arbeiten am solide verbolzten Außenborder stellt man sich am besten auf die geteilte Badeplattform; für größere Service-Arbeiten muss das Boot an Land. Leitungen und Züge zwischen Außenbordmotor und Faltenbalg am Borddurchlass liegen, gegen UV-Strahlung geschützt, in einem Wellschlauch. Im großen Stauraum unter der Hecksitzbank arbeiteten die Techniker sauber mit Kabelbindern.

Serienmäßig hat die SBM eine 70-Ah-Batterie, gegen Aufpreis liefert die Werft auch eine Doppelbatterieanlage mit 2 x 70-Ah-Marine-Akkus und Umschalter für die Energiespeicher. An die Elektrik am Fahrstand gelangt man über eine Service-Lucke im WC-Raum. Dahinter wurde von den Boots-bauer ebenfalls alles sauber und ordentlich verlegt.

Den Kraftstofftank installiert man bei SBM im mittleren Bootsbereich unter dem Cockpitboden, um ein ausgeglichenes Gewichtsverhältnis zwischen Bug und Heck zu erzielen. Er besteht aus Edelstahl und ist passend mit Schrauben befestigt. Die Kraftstoffreinigung übernimmt vorbildlich eine große Filterpatrone mit Wasserabscheider und Ablasshahn. Lob verdienen ebenfalls Benzinhahn, gesicherter Tankdeckel und fachmänisch verschraubte Schlauchanschlüsse.

Sicherheit

Für die Bewegungssicherheit an Bord der SBM sorgt im Cockpit ein Teakboden, der nass und trocken rutschhemmend wirkt. Zusätzlich besitzt die 600 im Heckbereich zwei kleine Relings zusätzlich zu der Antislipstruktur. Um von hinten auf den Bug zu gelangen, steigt man über den schmalen Seitengang nach vorn. Festhalten kann man sich dabei an dem Haltegriff auf dem Kabinendach. Der Bug selbst ist von einer gut dimensionierten Reling umgeben und besitzt wie das Heck ebenfalls eine Antislipstruktur. Zur Sicherheitsausrüstung gehört standardmäßig ein 2-kg-Handfeuerlöscher.

Wohnen und Cockpit

Unter Deck in der Kabine findet man passende Staumöglichkeiten und eine V-förmige Doppelkoje. Letztere bietet zwei Erwachsenen gut Platz. Die fehlende Unterlüftung der Polster sorgt bei nicht regelmäßigem Lüften schnell für dicke Luft an Bord. Der Holztisch, den man unter Deck wie auch im Cockpit verwendet, ist gleichzeitig Teil des Kojenbodens. Praktisch: Verstauen lässt er sich im Toilettenraum. Dort findet man serienmäßig eine Chemietoilette.

Gegenüber dem WC-Raum installieren die Techniker von SBM einen Schrank als Stauraum für Sperrgut. Weitere Möglichkeiten Ausrüstung zu stauen findet man unter der Bugsitzecke. Von Letzterer hat man durch die getönten Glasscheiben, die in Aluminiumrahmen eingefasst sind, einen guten Ausblick. Will man lüften, ist das nur über die Kabinentür oder über ein aufpreispflichtiges Ventilationsluk möglich. Kochen kann man auf der SBM 600 auf einem Cockpit-Pantry-Block an der Backbordseite, der mit einem Edelstahl-Gaskocher ausgestattet ist. In Zukunft gibt es im Pantry-Block ein Kühlfach (Aufpreis) für die Lebenmittellagerung.

Ausrüstung

Zur elektrischen Standardausrüstung gehören Echolot, Signalhorn und vier Positionslaternen mit vorschriftsmäßiger BSH-Zulassung. Die Werft spendiert jedem Boot ein Cabrioverdeck mit großen Folienfenstern. Zusammengerollt lässt sich dieses kinderleicht hinter der Hecksitzbank verstauen. Festgemacht wird die SBM 600 an ihren sechs gut dimensionierten Belegklampen. Fender befestigt man an der Bug- und Heckreling sowie an der Mittelklampe oder dem Verdeckgestänge. Den Anker findet im passenden, selbstlenzenden Ankerkasten im Bug seinen Platz. Ein Schleppauge ist nur am Bug vorhanden.

DIE WERFT SAGT

Bei der SBM 600 handelt es sich
um ein Rauwasser-Kajütboot mit geräumiger Kabine, separatem Toilettenraum und großer Plicht. In Letzterer lässt sich die Sitzbank zur Hecksonnenliege erweitern. Durch das hohe Freibord kommt auch bei hohen Wellen nie ein unsicheres Gefühl an Bord der 600 auf.

WIR SAGEN

Die Fahreigenschaften der SBM 600 in Kombination mit dem 70-PS-Suzuki-Motor sind durchgehend "gutmütig". Im Einsatz als Tourenboot sollte die Crew nicht mehr als zwei Mitglieder haben. Bei der Verarbeitung von Gelcoat, Holz und Edelstahl gibt es nichts zu bemängeln. Gleiches gilt für die Installationsarbeiten von Elektrik, Kraftstoffsystem und Motor. In die Jahre gekommen ist das Design, findet jedoch viele Anhänger.

Datenblatt: SBM 600

Werft: SBM Boote & Motoren
Typbezeichnung: SBM 600
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: Kunststoff
Länge (m): 6,60 m
Breite (m): 2,20 m
Verdrängung (kg): 0,98 t
Preis: 29.460,00 €
Testfazit: Die Fahreigenschaften der SBM 600 in Kombination mit dem 70-PS-Suzuki-Motor sind durchge- hend „gutmütig“. Im Einsatz als Tourenboot sollte die Crew nicht mehr als zwei Mitglieder haben. Bei der Verarbeitung von Gelcoat, Holz und Edelstahl gibt es nichts zu bemängeln. Gleiches gilt für die Installationsarbeiten von Elektrik, Kraftstoffsystem und Motor. In die Jahre gekommen ist das Design, findet jedoch viele Anhänger.
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Negativ:

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SBMSBM 600KajütbootAußenborderbootTourenbootWasserwandern

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