Silver Hawk 540 CC

08.05.2013 Ralf Marquard - Skandinavisches Verbund-System: Die vielseitige Silver Hawk CC 540 aus Finnland ist eine gelungene Komposition aus Aluminium und Kunststoff.

Silver Hawk 540 CC
© Morten Strauch
Silver Hawk 540 CC

Klar gibt es Skipper, die auf Aluminiumboote stehen – sie lieben deren Robustheit und den unproblematischen Umgang mit ihnen. Nachteil des Materials: kühles Aussehen und teilweise dünne, scharfe Blechkanten. Silver löst  diese Problematik mit einem ganz einfachen Trick: In die Alu-Rumpfschale setzt die Werft eine Cockpit-Kunststoffschale, was eine gemütlichere, wärmere Atmosphäre schafft.

In diese Schale formt Silver bei unserem Testboot, der Hawk CC 540, Heckbank, Bugsitz und geteilte Badeplattform. Darunter findet man praktischerweise Stauraum. Ein weiteres riesiges Staufach bietet die Centerkonsole, die ebenfalls in der Kunststoffabteilung gefertigt wird. Hier und in der Metallverarbeitung verrichten die Bootsbauer ihre Arbeiten bis auf wenige Ausnahmen gut. Nicht überzeugen konnten ein Alu-Schott, das nicht entgratet war, einige Laminatspitzen an schwer zugänglichen Stellen und teilweise unversiegelte Kunststoffausschnitte. Fachmännisch und solide waren Kunststoff-, Alu-Oberflächen, Schweißnähte, Beschläge und Polsterbezüge.

Vielfältig sind die Freizeitmöglichkeiten der Silver: Besonders begehrt ist diese Art von Booten bei Anglern, aber auch sonstige Tagesausflüge sind bestens möglich. Außerdem eignet sich das Testboot gut als Schlepper für Wasserskiläufer, Wakeboarder, Tube- und Bob-Fahrer. Damit die Silver diese Aufgabe unbeschwert packt, sitzt am Spiegel ein 75- Optimax-Außenborder von Mercury (siehe auch Vergleichstest in BOOTE 1/13). In Trimmstellung "down" geht das Testboot blitzschnell von Verdränger- in Gleitfahrt über. Die Nase hebt sich dabei nur gering an, und die Voraussicht bleibt uneingeschränkt.

In Gleitfahrt trimmt man das Boot nach Gefühl: Die maximale Trimmstellung begrenzt dabei der Luft schnappende Propeller. Dieser Punkt ist mit etwas Geschick schnell gefunden, und man gleitet bei Vollgas mit knapp 34 kn sicher übers Wasser. Der Verbrauch liegt bei 0,73 l/sm, und dank des großen 105-l- Tanks reicht der Sprit für 122 sm plus 15 % Reserve. Eine außergewöhnlich gute Leistung für solch einen Bootstyp. Noch fast 40 sm weiter kommt man bei wirtschaftlicher Fahrweise mit 4000/min (22 kn).

Bei dieser Geschwindigkeit bleibt sogar der Lautstärkepegel mit 81 dB/A "human". Weiteres Lob verdienen Kursstabilität und flache Heckwelle. Mit etwa 25 kn sind wir durch die Wellen von Berufsschiffen auf dem Main gesprungen. Hierbei zeigte das Boot sicheres Einsetzen und mäßiges Spritzwasser. Schnelle, enge Kurven fährt man am besten mit ganz an den Spiegel getrimmtem Motor, denn mit Fahr-Trimm schaukelt der Rumpf zwei- bis dreimal, bis er dann abgebremst wieder stabil seine Runden zieht. Ein Schwingen, das für die Crew aber absolut haltbar ist.

Ohne Trimm zieht die Silver, ohne zu mucken, ihre Runden. Gleiches gilt bei Slalomkursen und Verreißen des Steuerrades. Die Hydrau-liklenkung zeigt sich bei allen Manövern passend leichtgängig. Bei langsamen Manövern überzeugen enge Wendekreise vorwärts sowie rückwärts eingekuppelt und direktes Umsteuerverhalten. Nur wenig muss das Steuerrad in Verdrängerfahrt zwischen etwa 4 und 6 kn bedient werden, da die Hawk 540 gut geradeaus läuft. Bei Gewichtsverlagerungen einer Person muss man einen kleinen Schlenker ausgleichen.

Der Fahrer nimmt auf einem Schalensitz mit festen Polstern (Sitzfläche halb hochzuklappen) Platz. Mit der Schiebeverstellung (vor und zurück) lassen sich problemlos Sitzpositionen mit guter Beinfreiheit finden. Schaltung und Steuerung sind uneingeschränkt zu bedienen, was ebenso für die Wippschalter gilt. Die Ins-trumente lassen sich nur durch die Speichen des Lenkrades ablesen, und den Kompass, der auf küstennahen Gewässern wichtig ist, suchten wir vergeblich. Schutz vor Fahrtwind gibt eine leicht getönte Kunststoffscheibe, die ein Handlauf zum Festhalten umläuft; weitere Haltemöglichkeiten bieten die Reling und ein Bügel als Lehnenverlängerung der Hecksitzbank. Antislipstrukturen geben nötige Standfestigkeit.

Zur Sicherheitsausrüstung gehören Feuerlöscher und elektrische Lenzpumpe; eine Handlenzpumpe fehlt. Die Technik und Installationen des Bootes sind sorgfältig ausgeführt, was man beispielsweise an den doppelten Schellen der Spritschläuche, sauberer Kabelführung, am Benzinfilter und gut platziertem Hauptschalter erkennt. Als Zubehör liefert Silver jegliche Art von Persenning und Polster, Cockpittisch und Rutenhalter. Serienmäßig gibt’s vier Klampen, selbstlenzenden Ankerkasten, Diebstahlöse, drei Zugösen, kleine Badeleiter und Navigationslichter mit europäischer Zulassung.

Fazit: ein einfach trailerbares Multitalent, mit dem man sicher und agil unterwegs ist.   

Datenblatt: Silver Hawk CC 540

Werft: Silver
Typbezeichnung: Silver Hawk CC 540
CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer
Material von Rumpf und Deck: -----
Länge (m): 5,40 m
Breite (m): 2,17 m
Verdrängung (kg): 0,52 t
Preis: 29.234,00 €
Testfazit:
Positiv:
Negativ:

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